28/06/2018
Der Ruder-Club Karlstadt feiert am Samstag, 30. Juni, mit einem Sommerfest sein 90-jähriges Bestehen. Albert Düker war 25 Jahre jung, als er - mit Unterstützung seines Vaters - 1928 den Verein gründete. Erich Fleischmann und Günter Hammer gehören zu den Mitgliedern, die in den 1950er Jahren mit dem Rudern begannen, als er noch Vorsitzender war. „Er war als Gründervater und Industrieller für uns natürlich eine absolute Respektsperson; wir Jugendlichen hatten gar nicht viel mit ihm zu tun“, erinnert sich Hammer.
Die beiden jetzt 80- und 84-Jährigen berichten von den alljährlichen „Verpflichtungen“, die sie als Jugendliche miterlebten. Zu Beginn der Saison versprachen die Regattaruderer in einem feierlichen Akt mit Anzug und weißer Clubmütze die Einhaltung einer strengen Lebensweise. Dazu gehörten: keine Freundin, kein Alkohol, keine Zi******en, um 22 Uhr ins Bett und stets pünktlich beim Training erscheinen.
„Als einmal einer völlig abgehetzt zehn Minuten zu spät zum Training erschien, sagte der Trainer Amtsrichter Ströbert kein Wort, ließ die Mannschaft das Boot zu Wasser bringen, einsteigen und befahl dann, es sofort wieder herauszunehmen und in die Halle zu legen; damit war das Training beendet“, berichtet Fleischmann. Diese Strenge fand ihren Ausgleich bei späteren Wanderfahrten. Dort ließen es die Teilnehmer - wohl zum Ausgleich - schon manchmal auch krachen.
Abenteuerlich waren die Bootstransporte. Günter Hammer berichtet von einer Fahrt zur Regatta nach Bamberg mit einem Magirus-Kipper-Lkw des Bauunternehmens Liebstückel. Um den Vierer damit transportieren zu können, wurde mit hölzernen Baugerüsten auf der Ladefläche ein Gestell gebaut. So überragte das lange Boot das Dach des Führerhauses. Und auf der Fahrt fanden zudem zwei Ruderer auf der Ladefläche Platz - heute undenkbar.
Bei einer Wanderfahrt nach Miltenberg hatte Paul Gold, der bei der Bahn beschäftigt war, einen Güterwagen organisiert, mit dem die drei Boote nach Karlstadt zurückgebracht wurde. Erst hatten die Teilnehmer sie in Miltenberg zum Güterbahnhof geschleppt und später in Karlstadt vom Bahnhof zum Ruder-Club.
Schließlich wurde in der Berufsschule ein Bootsanhänger gebaut, der an einen Lastwagen des Karlburger Lagerhauses Gold angehängt wurde. Unter der Plane auf der Ladefläche nahmen die Teilnehmer Platz. So ging es bis an die Mosel. Fleischmann: „Und der Fahrer war die ganze Zeit dabei.“ Als ein Teil vom Anhänger abriss, musste ein Dorfschmied ran.
Bei der Feier zum 25-jährigen Bestehen im Jahr 1953 veranstaltete der Ruder-Club erstmals eine Regatta. Start war oberhalb „des herrlich gelegenen Schwimmbades“, wie es der damalige Schirmherr und Bürgermeister der „althistorischen Stadt“, Christian Krapf, in seinem Grußwort schreibt. Gefahren wurde über 800, 1000, 1200 und 1500 Meter bis zur „neu angelegten Mainallee“. Für Karlstadt starteten beispielsweise Harry Feser-Decker, Rolf Kramer, Erwin Dorsch, Inge Raabe, Lotte Hofmann (jetzt Keferstein) und natürlich Günter Hammer sowie Erich Fleischmann.
Beim Jubiläum wurden auch zwei Boote getauft. Eines war der Vierer „Alfons Riedmann“, das andere die „Karlstadt“, der erste Rennvierer in der Vereinsgeschichte.
Zumindest hier gibt es eine Parallele zur anstehenden 90-Jahr-Feier. Auch hier werden zwei Boote getauft: ein kippstabiler, aber dennoch sportlicher Doppelzweier für die Anfängerausbildung und für Quereinsteiger, denen ein Rennboot zu kippelig ist; und ein Rennvierer ohne Steuermann. Heute sind solche Boote jedoch aus Carbonfasern gefertigt.