10/09/2023
"Die Evolution ist der kreative Akt der Natur, bei dem das Leben unaufhörlich seine eigene Geschichte schreibt." - Unbekannt
Büchervorstellungen mit Zitaten zu beginnen wirkt immer besonders intellektuell, deshalb behalte ich das gleich mal bei 🧐 Das zweite Buch im Qperform Outdoor Book Club ist Charles Darwins Hauptwerk "Die Entstehung der Arten". Es gilt als das wichtigste und einflussreichste Buch in der Geschichte der Naturwissenschaften, wurde 1859 veröffentlicht und revolutionierte das Verständnis der biologischen Evolution. Ich besitze ein Faksimile, also eine originalgetreue Wiedergabe, die sich ein wenig von neueren Versionen unterscheidet.
In seinem Werk argumentierte Darwin, dass Arten sich im Laufe der Zeit durch natürliche Selektion verändern. Er postulierte, dass Individuen innerhalb einer Population variieren und dass diejenigen mit Merkmalen, die besser an ihre Umwelt angepasst sind, eine größere Chance haben, ihre Gene an die nächste Generation weiterzugeben. Dieser Prozess führt im Laufe der Zeit zur Entstehung neuer Arten. Darwins Ideen haben die moderne Evolutionstheorie maßgeblich beeinflusst und sind bis heute von großer Bedeutung für die Biologie.
Ein großer Teil des Buches behandelt die Kritik an Darwins Werk. Er diskutiert viele Gegenargumente und Bedenken, die zu seiner Zeit existierten, und stellt Beweise wie Fossilienfunde vor, erkennt aber auch gewisse Unsicherheiten in seiner Theorie an. Man muss bedenken, dass die gängige Lehrmeinung damals noch von theologischen Überzeugungen geprägt war, wonach alle Arten von Gott erschaffen wurden und ihre gegenwärtigen Formen unveränderlich waren.
Für die meisten Menschen wird dieses Buch zu trocken sein, und es wird wahrscheinlich ausreichen, sich eine Zusammenfassung durchzulesen. Aufgrund seiner Bedeutung hat es dennoch einen Platz in meiner Favoritenliste verdient. Ich möchte auch noch auf einige Punkte eingehen, die ich persönlich aus diesem Buch mitgenommen habe.
Ein häufiges Missverständnis ist die Interpretation von „survival of the fittest“ als „Überleben des Stärksten“. In Wahrheit bedeutet es „Überleben des am besten Angepassten“. Anpassungsfähigkeit ist ein wichtiger Aspekt der Gesundheit und Leistungsfähigkeit. Ich habe beispielsweise schon oft Sportler erlebt, die im Training für ihre Sportart völlig unsinnige Übungen machen, wenig bis keine Leistungssteigerung erfahren und ihre Verletzungsanfälligkeit erhöhen. Das Training sollte den Körper „fit“ im Sinne von angepasst in Bezug auf das eigentliche Ziel (die Sportart, den Alltag bewältigen, etc.) machen.
Stressbewältigung, Abhärtung und Veränderungen im Leben sind weitere Beispiele, bei denen es eine hohe Anpassungsfähigkeit braucht. Auch die Zellen müssen „fit“ sein und sich schnell an sich ändernde Umweltbedingungen anpassen können. Damit kommen wir zu meiner Kritik an der modernen Umsetzung der Arbeiten von Darwin.
In der Medizin wird bis heute ein starker Fokus auf die Erforschung der Gene gelegt, wie beispielsweise im Humangenomprojekt von 1990 bis 2003, das sich zum Ziel setzte, das Genom des Menschen vollständig zu entschlüsseln, um ein besseres Verständnis von Krankheiten wie Krebs zu erhalten. Jedoch hat dies bisher nicht zu signifikanten Fortschritten geführt. Die starke Fixierung auf die Genetik vermittelt den Eindruck einer gewissen Unveränderbarkeit, als ob man das Opfer seiner Gene wäre und wenig an seiner Situation ändern könnte. Das ist einer der Gründe, warum in der Medizin der Schwerpunkt eher auf der Behandlung von Symptomen liegt, anstatt auf der Prävention.
Im Gegensatz zu neueren Ausgaben von Darwins Buch bespricht er in der Originalausgabe sehr kurz ein zweites Konzept neben seiner Hauptthese, der natürlichen Selektion. Diese zweite These ist für mich wesentlich interessanter. Es geht um die „conditions of existence“, also die Umweltbedingungen, die sich auf das Leben auswirken und zu Veränderungen führen.
Erst in jüngster Zeit wurde begonnen, diese Umwelteinflüsse (auf die Gene) in einer Unterkategorie der Genetik stärker zu erforschen, nämlich der Epigenetik. Während tatsächliche Änderungen der Gene nur durch Mutationen stattfinden, zeigt die epigenetische Forschung, dass sich Gene ein- und ausschalten lassen und dass Umwelteinflüsse dabei eine wichtige Rolle spielen. Mein Ziel als Biohacker und Coach ist es, durch die Optimierung meiner Umwelt einen hohen Grad an Gesundheit und Leistungsfähigkeit zu erlangen. Die Forschung zeigt, dass auch Menschen mit „schlechten Genen“ ihre Ziele mit den richtigen Methoden erreichen können.
Ein weiterer Kritikpunkt, diesmal direkt an Darwin gerichtet, ist, dass die Evolution der Arten nach ihm ein sehr langsamer und stetiger Prozess sei. Neuere Forschungen zeigen, dass das Leben praktisch aus dem Nichts entstanden ist und sich aufgrund starker und zum Teil plötzlicher Veränderungen der Umwelt eher in Sprüngen verändert. Das erinnert ein wenig an die Quantentheorie, bei der Änderungen von kleinstmöglichen Energiezuständen nicht graduell passieren, sondern in sogenannten „Quantensprüngen“.
Ein Beispiel für einen solchen Quantensprung in der Evolution ist die Kambrianische Explosion, die vor etwa 541 Millionen Jahren stattfand. Dieses Ereignis wird oft als eine der wichtigsten Evolutionsepochen betrachtet, da es einen dramatischen Anstieg der Vielfalt und Komplexität des Lebens in relativ kurzer Zeit markiert. Während dieser Explosion tauchten plötzlich eine Vielzahl neuer Tierarten auf, die zuvor in den Fossilienaufzeichnungen nicht existierten. Dies führte zu einem erheblichen Anstieg der Biodiversität. Die meisten heute bekannten Tierstämme begannen sich in dieser Zeit zu entwickeln.
Die gängigste Theorie besagt, dass ein Anstieg des Sauerstoffgehalts in den Ozeanen die Evolution komplexerer Lebensformen begünstigte. Wodurch entstand dieser Anstieg? Unsere Sonne ist ein Stern der G-Klasse. Diese fusionieren ab der Hälfte ihrer Lebensdauer vermehrt Helium statt Wasserstoff und strahlt dabei mehr UV-Licht ab. Während des Kambriums hatte unsere Sonne etwa dieses Alter erreicht. Das stärkere Licht wiederum verstärkte die Photosynthese auf der Erde, wodurch mehr Sauerstoff entstand. Ich weiß nicht wie es euch geht, aber ich stehe auf solche Fakten 😜
Mein Fazit daraus ist, dass Licht der stärkste Umweltfaktor ist, und deshalb beschäftige ich mich so intensiv damit. Schließlich bildet die Photosynthese, die auf Licht basiert, die Basis der Nahrungskette. Wo waren wir stehen geblieben? Ach ja, Darwin. Ein nettes Buch. Gibt es hier zu kaufen: https://www.amazon.de/gp/product/0674637526/ref=nosim?tag=httpswwwin02b-21