24/03/2024
🏀➡️ Ein Spiel für die Kinzenbacher Geschichtsbücher
Coach Ferber fehlten kurz nach Spielende die Worte, als sich die Mannschaft ein letztes Mal im Kreis versammelte. Den Spielern stand die Enttäuschung ins Gesicht geschrieben. Hinter den Protagonisten lag eine echte Achterbahn der Gefühle. 45 Minuten Kampf, Leidenschaft & Emotionen. Mit einem Spielverlauf, dessen Dramatik einem Krimi-Drehbuch nahekommt.
Beim Ertönen der Schlusssirene leuchtet ein 73:68 (35:35, 63:63) von der Anzeigetafel. Der erste Sieg nach zehn Niederlagen in Serie für die Mannen um Captain Dominik Freitag. Und doch reicht der Erfolg nicht zum Klassenerhalt. Ein einziger Punkt fehlt, um den direkten Vergleich gegen den Kontrahenten aus Wetzlar zu sichern und an den Domstädtern in der Tabelle vorbeizuziehen.
50 Zuschauer hatten den Weg am Samstagnachmittag in die Eduard-David-Sporthalle in Krofdorf gefunden. Unter ihnen: Die Basketball-Prominenz des Bezirks Gießen samt einiger prägender Figuren der Kinzenbacher Vergangenheit. So war SGK-Gründungsmitglied Niklas Gümbel, auch bekannt als „Freiwurfgott“, extra aus Göttingen zur Unterstützung angereist. Spätestens als im Laufe der Partie wiederholt bellende Geräusche von der Tribüne ertönten, dürfte jeder die Anwesenheit des Rotschopfes vernommen haben. Im treuen Fanblock der befreundeten TSG Wieseck um Vereinsjurist Dr. Oliver Panhans erwies sich u.a. auch Frank „Loco“ Schomber die Ehre. Sechs Jahre hatte der Center unter den Körben der SGK gewühlt und genießt seitdem Legendenstatus an der Bieberbach.
Es war also alles angerichtet für ein wahres Basketballfest.
Angeführt von Rückkehrer Marc Schuhmacher fand die Ferber-Truppe gut ins Spiel. Allen voran das Energielevel und die Einsatzbereitschaft stimmten. Nach zehn Minuten lagen die Roten mit 20:15 in Front. Bis zur Halbzeit schlichen sich jedoch vermehrt Nachlässigkeiten ins Spiel der „Hausherren“ ein. Entsprechend ging es mit einem ausgeglichenen 35:35 in die Pause.
Beim Halbzeit-Talk vor der Halle stand jedoch überraschenderweise nicht das Spielgeschehen im Fokus der Diskussionen. Nachdem Sportdirektor Nils Körbächer in den vergangenen Wochen stets mit Abwesenheit glänzte und auch der sportliche Erfolg ausblieb, mehren sich im Kinzenbacher Fanlager die Rufe nach einer neuen Lösung auf dem Posten. Immer wieder fällt in diesem Zusammenhang der Name von Edelfan Martin Henkelmann. Keine Auswärtsreise ist dem treuen Begleiter der SGK zu weit und auch in Sachen Trainingsbeteiligung sticht er den Großteil des Kinzenbacher Kaders aus.
Dementsprechend verwundert das Statement von Neu-Abteilungsleiter Simon Schulze zu der Personalfrage nicht „Ohne Wenn und Aber. Martin ist aktuell deutlich näher an der Mannschaft dran als Nils. Wir werden uns in den kommenden Wochen zusammensetzen und analysieren, wie wir uns auf dieser Position für die Zukunft aufstellen.“
Ähnlich spannend wie in der Causa Sportdirektor ging es in der zweiten Hälfte auf dem Feld weiter. Nach ausgeglichenem Beginn konnte sich der Tabellenletzte Stück für Stück absetzen. Sieben Minuten vor Spielende lag die SGK mit 57:48 in Führung. Die Stimmung im Fanblock der HCV Funkengarde erreichte ihren Höhepunkt. Wetzlar stand mit dem Rücken zur Wand. Bereits drei Spieler aus der Starting Five der Gäste waren ausgefoult. Dies hatte u.a. zu massiven Diskussionen mit den Schiedsrichtern geführt. Entsprechend hitzig ging es in der Eduard-David-Sporthalle zu. Nach dem Motto „Jetzt erst recht!“ bäumten sich die Domstädter auf und starteten eine Aufholjagd. Kinzenbach wirkte stellenweise wie gelähmt. 20 Sekunden vor Spielende war die Partie gedreht. Wetzlar führte mit 63:61. Ein Sieg mit 6 Punkten Differenz schien für die SGK in der regulären Spielzeit unmöglich. Die einzige Lösung: Die Rettung in die Verlängerung inklusive der Chance, sich in der Overtime eben jenen 6-Punkte-Vorsprung zu erspielen, der für den Klassenerhalt notwendig war. Im entscheidenden Angriff fasste sich Tim Arabin ein Herz und schloss per Korbleger zum umjubelten 63:63-Ausgleich ab. Beide Teams mussten nun in die fünfminütige Verlängerung.
Die Overtime startete aus Sicht von Freitag & Co. positiv. Nach zwei Minuten stellte Marc Schuhmacher aus der Nahdistanz beim 69:63 erstmals wieder auf den benötigten 6-Punkte-Abstand. Abermals blieb die SGK-Truppe nicht fokussiert genug. Es ergab sich ein ständiges Hin und Her. Fünf Sekunden vor Ende der Extra-Spielzeit war die Führung auf 73:68 geschmolzen, ehe die Ferber-Schützlinge noch einmal den Ball eroberten. Per langem Pass wurde Youngster Tim Steinmüller in Szene gesetzt. Der 1,90m Hüne machte sich mit langen Schritten auf den Weg zum Korb. Mit dem gleichzeitigen Ablaufen der Spieluhr verfehlte sein Layup jedoch knapp das Ziel. Der Traum vom Klassenerhalt war geplatzt. Das 73:68-Endergebnis reicht nicht, um den direkten Vergleich mit den Gästen zu gewinnen und somit die Hypothek aus dem Hinspiel zu begleichen.
Und obwohl das Happy End ausblieb, wird die Partie einen festen Platz in den Kinzenbacher Geschichtsbüchern einnehmen. Trotz des Abstiegs macht die Leistung auf und neben dem Feld stolz. Dass sich die Mannschaft nach zehn Niederlagen in Serie auf eine solche Art und Weise aus dem mentalen Loch kämpfte und die Partie gewann, spricht für sich und ist sicherlich keine Selbstverständlichkeit. Das haben die Jungs auch den zahlreichen Fans in der Halle zu verdanken.
Ihr wart ein echter Energie-Booster für uns und habt für eine tolle Atmosphäre gesorgt. DANKE, dass ihr uns unterstützt habt!
SGK – Team!
Für die SGK spielten:
Akulenko (3 Pkt.), Arabin (14), De. Freitag (5), Do. Freitag (10), Hestermann, Knell (10), Licher (6), Pirker, Schmidt (2), Schuhmacher (17), M. Steinmüller (4), T. Steinmüller (2).