20/11/2025
Warum der Rückbau des Bikeparks Herzogenrath ein Fehler ist – und warum die Stadt ihrer Verantwortung gegenüber Jugendlichen nicht gerecht wird
Der geplante Rückbau der Mountainbike-Strecke auf dem ehemaligen Grube-Adolf-Gelände markiert einen Tiefpunkt in der Jugendförderung der Stadt Herzogenrath. Was hier auf dem Papier als „ordnungsgemäße Wiederherstellung des Waldes“ begründet wird, entpuppt sich bei genauerem Hinsehen als Scheitern einer Kommune, die ein beispielhaftes Jugendprojekt zwar duldet, aber nie wirklich getragen hat.
Ein Vorzeigeprojekt der Jugendarbeit – seit 2013
Der Bikepark Herzogenrath ist nicht irgendeine Freizeitanlage. Er ist das Ergebnis einer beispiellosen Initiative junger Menschen, die bereits 2012 mit der Planung und Antragstellung begannen. Im August 2013 erfolgte der offizielle Baubeginn. Ziel war es, Jugendlichen endlich einen legalen, sicheren und offiziell begleiteten Ort für ihren Sport zu bieten – mitten im Wald, mit genehmigten Rampen und unter pädagogischer Begleitung.
Dieses Projekt erfüllte damit exakt die Anforderungen des § 11 SGB VIII: Mitbestimmung, Selbstgestaltung, außerschulisches Lernen, Bewegung, Verantwortung und soziales Engagement. Es war über Jahre hinweg ein Paradebeispiel dafür, wie Jugendbeteiligung in der Praxis funktioniert.
Zwölf Jahre Einsatz – und noch nicht einmal zwei Jahre geöffnet
Umso dramatischer ist der Blick auf die Realität:
Von den zwölf Jahren, die das Projekt existiert, war die Strecke insgesamt nur etwa zwei Jahre wirklich nutzbar.
Gesperrt wurde wegen:
- Krötenwanderungen
- ausstehenden TÜV-Terminen
- auslaufenden oder nicht verlängerten Auffahrgenehmigungen
- fehlenden Nutzungsgenehmigungen
- notwendigen Umbauten oder Sicherungsmaßnahmen
Natürlich gibt es für viele dieser Gründe nachvollziehbare Sachzwänge. Doch dass es nie gelang, den Park über einen längeren Zeitraum regulär geöffnet zu halten, zeigt vor allem eines: Es fehlte an einer konsequenten, zielgerichteten und vorausschauenden Unterstützung seitens der Stadtverwaltung.
Die verlorenen Jahre der Genehmigungs-Odyssee
Besonders schwerwiegend ist die Phase nach Auslaufen der ersten zehnjährigen Nutzungsgenehmigung. Die Verantwortlichen warteten über zwei Jahre auf eine Entscheidung über die Verlängerung – letztlich ohne Erfolg.
Die untere Landschaftsbehörde lehnte ab. Daraufhin ging der Antrag erneut in eine Prüfung, deren Ausgang bis heute ungewiss blieb.
Anstatt in dieser Zeit:
- alternative Standorte zu prüfen,
- neue Fördermittel zu akquirieren,
- technische Lösungen zu erarbeiten,
- oder politische Prioritäten zu setzen,
geschah – nichts. Und heute wird behauptet, der Rückbau sei alternativlos.
Drei Menschen halten zwölf Jahre lang durch
Trotz aller Rückschläge, Verzögerungen und Hürden gab es einen kleinen Kern von nur drei engagierten Personen, die dieses Projekt über zwölf Jahre hinweg am Leben hielten. Ihr Einsatz ist außergewöhnlich und weit über das hinausgegangen, was man von Ehrenamtlichen erwarten kann.
Besonders bitter ist, dass ihnen über all diese Jahre hinweg wiederholt eine offizielle Ehrenamtsanerkennung zugesagt wurde – doch bis heute ist nichts davon umgesetzt worden. Diejenigen, die am meisten leisteten, erhielten nicht einmal die Wertschätzung, die ihnen versprochen wurde.
Begleitet wurden sie die gesamte Zeit über von der Mobilen Jugendarbeit der Stadt, die das Projekt immer unterstützt hat.
Der Rückbau ist nicht alternativlos – er ist das Ergebnis fehlender Bemühungen
Die Stadt verweist auf die Entscheidung des Regionalforstamts, das eine Verlängerung der Nutzung aufgrund möglicher Bodeneingriffe ablehnt. Dies ist zwar sachlich nachvollziehbar – aber nicht ausreichend, um die Schließung ohne Ersatz zu rechtfertigen.
Denn stattdessen hätte die Stadt:
- frühzeitig neue Flächen suchen,
- Modulare, rückbaubare Streckenmodelle prüfen,
- Fördergelder nutzen,
- politische Prioritäten setzen,
oder ein gemeinsames Lösungskonzept mit Jugendlichen, Forstamt und Behörden entwickeln können.
Nichts davon ist in nennenswertem Umfang geschehen. Stattdessen heißt es nun: „fehlende finanzielle Möglichkeiten“. Doch fehlende Mittel sind meist weniger das Problem – sondern fehlender politischer Wille und zu spätes Handeln.
Ein Rückschritt für Jugend, Gesundheit und gesellschaftliches Engagement
Eigentlich bräuchten Jugendliche heute mehr denn je Räume zur Bewegung, Begegnung und Selbstwirksamkeit. Ein Bikepark erfüllt dies in idealer Weise: niedrigschwellig, kostengünstig, gesundheitsfördernd, sozial integrativ und pädagogisch sinnvoll.
Der Rückbau widerspricht daher allem, was eine moderne Jugendpolitik erreichen will – und auch den Nachhaltigkeitszielen, insbesondere in den Bereichen Gesundheit, Städtebau und Partizipation.
Fazit: Herzogenrath verspielt die Chance eines echten Leuchtturmprojekts
Ob der Bikepark je wieder dauerhaft öffnen kann, ist ungewiss. Sicher ist jedoch:
Die Stadt verliert nicht nur eine Sportanlage, sondern ein Symbol für Engagement, Ausdauer und gelebte Jugendbeteiligung.
Statt ein Erfolgsprojekt weiterzuentwickeln, wird es nun begraben – und mit ihm das Vertrauen vieler junger Menschen, die jahrelang für diesen Ort gekämpft haben.
Der Rückbau mag formal korrekt sein.
Politisch und gesellschaftlich aber ist er ein Fehler.