29/06/2022
Braunschweiger Zeitung 30.06.2022
Voller Vorfreude auf die neue Staffel
Mit Platz 8 erreicht der FC Türk Gücü die beste Bezirksliga-Platzierung der Vereinsgeschichte
Auf ein Neues! Arne Ruff (rechts) und der FC Türk Gücü freuen sich auf die kommende Saison in einer neuen Staffel. (Jens Neumann)
Helmstedt Tabellenachter in der Fußball-Bezirksliga!
Am Ende war es die beste Platzierung in der Vereinsgeschichte des FC Türk Gücü Helmstedt auf dieser Ebene. Doch Freude wollte bei Trainer Fatih Özmezarci deshalb keineswegs aufkommen. Im Gegenteil: „Ich ärgere mich trotzdem“, sagte der 46-jährige Coach der Rot-Weißen.
Kein Wunder, schließlich wäre am Ende auch Platz 4 möglich gewesen. Ein Sieg im letzten Meisterrunden-Spiel beim VfB Fallersleben, der im Hinspiel noch mit 2:1 bezwungen worden war, und die Helmstedter hätten die Spielzeit eben als Vierter abgeschlossen. Und dann wäre das Saisonfazit von Özmezarci mit Sicherheit deutlich positiver ausgefallen.
Doch der Reihe nach: Sein erstes sportliches Etappenziel hatte der FC Türk Gücü im Oktober 2021 schließlich noch im Endspurt erreicht. Im letzten Vorrunden-Spiel der Staffel 1 C setzten sich die Helmstedter mit 3:2 gegen den WSV Wendschott durch und qualifizierten sich damit für die Meisterrunde, in der sie noch einmal angreifen wollten.
Der Klassenerhalt war sicher, der ganz große Druck somit verflogen – und alles wurde auf null gestellt. Neues Spiel, neues Glück, hieß die Devise.
Der Anfang war verheißungsvoll: 3:0 in Mörse, 3:3 in Brome – in seinen beiden einzigen Meisterrunden-Partien vor der Winterpause blieb Türk Gücü ungeschlagen.
In Lauerstellung – zudem mit Nachholspielen in der Hinterhand – ging es in die Pause und somit auch ins Trainingslager nach Lara.
An der türkischen Riviera bastelte Özmezarci mit seinem Team an der Form für die zweite Saisonhälfte.
„Noch nie erlebt, dass ich so viel improvisieren musste“
In der gab es dann allerdings nur noch eine Konstante bei den Helmstedtern: das Verletzungspech! Gerade im Defensivbereich brachen nahezu alle Alternativen weg. „Ich habe mal mit 32 Jahren als Trainer angefangen. Aber ich habe es noch nie erlebt, dass ich so viel improvisieren musste. Wir hatten so viele Verletzte“, betont Özmezarci und merkt an: „Das war schon ganz schön stressig. Die Erfahrung nehme ich mit.“
So war der Zug nach ganz oben für Türk Gücü ziemlich schnell abgefahren, spätestens nach der 2:5-Heimschlappe gegen Brome Ende April hatte sich das Thema erledigt. „Die Luft war raus.
Es war keine einfache Sache, da es für uns dann nur noch um die goldene Ananas ging. Wir waren froh, als die Saison zu Ende war“, gab Özmezarci zu, der in der Schlussphase der Spielzeit seinen Kader immer wieder mit Akteuren aus der zweiten Mannschaft auffüllen musste. „Sie haben in der 2. Kreisklasse um den Aufstieg gekämpft, standen im Pokalfinale.
Wir konnten die Spieler nicht bei uns festspielen. Wir wollten ihre Saison ja nicht kaputt machen“, erklärte der Coach. Ein Plan, der aufging: Die Reserve stieg auf – und gewann den B-Pokal!
Die Erstvertretung bestritt die letzten vier Saisonspiele indes allesamt nur mit einem Mini-Aufgebot, schloss die Serie mit vier Niederlagen am Stück ab – und wurde somit am Ende eben nicht Vierter, sondern nur Achter. Wie gesagt: Es war dennoch die bisher beste Platzierung der Vereinsgeschichte im Bezirk.
Und damit soll das Ende der Fahnenstange noch nicht erreicht sein. Mit Blick auf die neue Saison wurde der Kader nicht nur noch einmal qualitativ verstärkt mit Akteuren wie İlyas Bircan (3. türkische Liga), Adrian Goransch (SF Lotte), Semih Kurtoglu, Mikail Ilica (beide FC Germania Bleckenstedt) oder Paul Probodziak und Daniel Pflüger (beide Eintracht Braunschweig II). Nein, vor allem in der Breite stellten sich die Helmstedter, die ihre Leistungsträger allesamt behielten, deutlich besser auf.
„Wir haben bis jetzt gute Transfers getätigt und versucht, unsere Schwächen zu beseitigen“, meinte Özmezarci, der seine Schützlinge am Sonntag erstmals wieder zu einer lockeren Einheit bitten wird. „Wir wollen dann die alten Spieler verabschieden und die neuen begrüßen, gemeinsam nach dem Training brunchen.“ Beim offiziellen Trainingsstart am Dienstag werden dann Akteure wie Daniel Müller, Malik Ayaz, Daniel Michel, Henrik Maushake, Adil Eser und Timo Richter nicht mehr dabei sein, die den Verein verlassen.
„Heimspiele“ für die Akteure – viele bekannte Gegner.
Mit Kubilay Kaan Kaptan wird Özmezarci einen neuen Co-Trainer an seiner Seite haben, der „seinen Pass sogar mitbringt“, wie der Coach schmunzelnd erzählte. „Er ist auch noch fit“, sagte der Coach über den 35-jährigen Ex-Spieler des SSV Kästorf und BSV Ölper.
Neu wird übrigens auch die Umgebung sein, in der Türk Gücü künftig unterwegs ist – nach dem Aufstieg des FC Schunter wurden die Helmstedter in die Staffel 2 umgesiedelt. „In der vergangenen Saison habe ich eine neue Liga kennengelernt.
Nun komme ich in eine Staffel, in der ich 80 Prozent der Mannschaften schon kenne“, meinte Özmezarci mit Blick auf die Gegner aus den Kreisen Wolfenbüttel, Braunschweig und Peine. „Wir freuen uns einfach auf die neue Staffel – und die neue Saison. Für viele unserer Spieler werden es dort praktisch Heimspiele sein...“
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