31/10/2017
Vielen, vielen Dank, liebe Frau Käsemann, für Ihre Zeit und Mühe, diesen Brief an den Herrn Oberbürgermeister Dr. Würzner zu schreiben!
Eine der wichtigsten Passagen des Briefes:
"... Die Stadt Heidelberg sollte ein Gemeinwohlinteresse daran haben, solche Angebote der Kinder- und Jugendarbeit für seine jüngsten Stadtbewohner zu erhalten!
Zumal der Jugendhof Heidelberg e.V., welcher der Verpächter für das Gelände des Reitvereins Jugendhof Heidelberg e.V. ist, für seine Angebote der Kinder- und Jugendarbeit finanziell von der Stadt Heidelberg unterstützt wird. ..."
Hier der komplette Inhalt, für alle zum Nachlesen:
Zur Aktion “Hol den Oberbürgermeister – Rettet den Reitverein Jugendhof e.V.”
Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister Dr. Würzner,
ich bin über die Reaktion Ihres „GetTheMayor“-Teams auf das aktuelle Projekt „Rettet den Reitverein Jugendhof e.V.“ sehr enttäuscht!
Ihr Team hat das Projekt mit über 320 (!) Stimmen eine Woche vor Ablauf der Frist vorzeitig beendet mit der Begründung:
„Leider können wir keine Projekte annehmen, die Gegenstand privatrechtlicher Streitigkeiten zwischen Dritten sind. Die Stadt Heidelberg kann sich nicht in Vertragsangelegenheiten einmischen, die zwischen Ihnen und Ihrem Vermieter geklärt werden müssen.“
Ich denke, hier liegt ein großes Missverständnis vor und ich möchte mit diesem Schreiben dazu beitragen, es zu klären und die Situation sowie das eigentliche Anliegen des Reitvereins Jugendhof e.V. näher zu erläutern.
Hierzu zunächst ein kurzer Hintergrund zu meiner Person: Mein Name ist Nicole Käsemann und meine 7-jährige Tochter geht seit Beginn des Schuljahres 2017/18 beim Reitverein Jugendhof e.V. zum Voltigieren.
Es war schon seit einiger Zeit ihr größter Wunsch, reiten gehen zu können. Wir haben lange gesucht, bis wir das passende Angebot gefunden haben. Der Reitverein Jugendhof e.V. bietet hier in der Region ein einmaliges Reitangebot für Kinder und Jugendliche an, die voltigieren oder reiten wollen bzw. mit therapeutischem Reiten in ihrer Entwicklung unterstützt und begleitet werden.
Der Reitverein zeichnet sich vor allem dadurch aus, dass es sich bei den eingesetzten Ponys und Pferden ausschließlich um Schulpferde handelt und nicht wie in anderen Reitställen/Reitschulen zugleich Privatpferde auf dem Gelände und im Stall untergebracht sind bzw. Privatpersonen die Reithalle zeitgleich nutzen. Dies spiegelt sich nicht nur in der Atmosphäre vor Ort wider sondern auch in der Ausbildung der Ponys und Pferde, die allesamt den täglichen Umgang mit Kindern und Jugendlichen gewohnt sind, die auf Zuruf reagieren, stehen bleiben, zutraulich sind, nicht nervös oder erschrocken auf auch mal lautere oder aktivere Kinder bzw. auf Kindergruppen reagieren und die es auch schüchternen und zurückhaltenden Kindern ermöglichen, Vertrauen zum Tier zu fassen.
Für unsere Familie ist dies ein absoluter Pluspunkt! Uns Eltern gibt dies die benötigte Sicherheit, dass unsere Tochter beim Reitverein gut aufgehoben ist. Und unsere Tochter, die aufgrund ihrer Hochsensibilität schon von klein auf an Schwierigkeiten hatte, mit neuen und unbekannten Situationen umzugehen, die sehr auf Rückhalt und Sicherheit durch uns Eltern angewiesen ist, hat sich so erstaunlich schnell beim Reitverein Jugendhof e.V. sicher und wohl gefühlt, dass sie bereits nach 2 Terminen ohne unsere ständige Begleitung zurechtkam! Dies ist für mich als Mutter wie auch als Diplom-Sozialpädagogin das beste Zeichen, dass sie hier am richtigen Platz ist.
Dass dieser Entwicklungssprung möglich war, ist nicht nur den Ponys und Pferden zu verdanken, sondern auch dem zugrundeliegenden Konzept für die Voltigier- und Reitstunden. In Kleingruppen werden die Kinder von einer Reitlehrerin und einer Unterstützerin betreut, auch die Integration von Kindern mit Beeinträchtigungen ist auf diese Weise möglich.
Der Reitverein Jugendhof e.V. leistet mit seiner Arbeit ein einmaliges integratives Angebot der Kinder- und Jugendarbeit in Heidelberg. Dieses Angebot darf nicht einfach so aufgrund einer „privatrechtlichen Streitigkeit zwischen Dritten“ – wie Sie es nennen – sang und klanglos für die Heidelberger Kinder und Jugendlichen wegbrechen!
Die Stadt Heidelberg sollte ein Gemeinwohlinteresse daran haben, solche Angebote der Kinder- und Jugendarbeit für seine jüngsten Stadtbewohner zu erhalten!
Zumal der Jugendhof Heidelberg e.V., welcher der Verpächter für das Gelände des Reitvereins Jugendhof Heidelberg e.V. ist, für seine Angebote der Kinder- und Jugendarbeit finanziell von der Stadt Heidelberg unterstützt wird.
Für mich sieht die Situation daher aktuell so aus, dass ein von der Stadt unterstütztes Angebot der Kinder- und Jugendarbeit ein anderes Angebot der Kinder- und Jugendarbeit in seiner Existenz gefährdet. Das Anliegen des Reitvereins Jugendhof Heidelberg e.V. ist für mich daher auch kein reiner „Gegenstand privatrechtlicher Streitigkeiten zwischen Dritten“. Vielmehr ist die Stadt Heidelberg durch die finanzielle Unterstützung des Jugendhofs Heidelberg e.V. zumindest peripher mit dieser Angelegenheit bereits verbunden.
Weiterhin hatte ich das Anliegen des Reitvereins beim Einstellen seines Interesses auf der Plattform „Hol den Oberbürgermeister“ so verstanden, dass gar nicht erwartet wird, dass Sie sich in die laufende Vertragsangelegenheit oder die Schlichtungsversuche einmischen. Vielmehr möchte der Reitverein Jugendhof e.V. Ihren Blick, Ihr Interesse und Ihre Aufmerksamkeit auf ein Projekt lenken, das zum Gemeinwohl der Kinder und Jugendlichen in Heidelberg äußerst erhaltenswert ist.
Der Verein bittet um Ihre Unterstützung, um weiterhin bestehen und seine erfolgreiche Arbeit fortsetzen zu können. Ihre Unterstützung kann dabei beispielsweise der Einsatz bei der Suche nach einem neuen Standort für den Reitverein sein.
In diesem Sinne bitte ich Sie, das vorgeschlagene Projekt mit seinen im ersten Durchlauf 326 Stimmen und im zweiten Durchlauf zum aktuellen Zeitpunkt auch bereits über 100 Stimmen anzuerkennen.
Bitte setzen Sie sich nach Ihren Möglichkeiten dafür ein, dass der Reitverein Jugendhof e.V. seine Arbeit fortsetzen kann. Es würde Kindern und Jugendlichen ermöglichen
• voltigieren oder reiten zu lernen
• mittels therapeutischem Reiten in ihrer Entwicklung unterstützt zu werden
• artgerechte Tierhaltung und Tierpflege kennen zu lernen
• Mitverantwortung für „ihr“ Reit- oder Voltigierpferd zu übernehmen
• soziale Kompetenzen im Umgang miteinander, während der Übungsstunden, im Verein und während gemeinsamer Aktionen wie beispielsweise dem „offenen Ponyreiten“ auszubilden.
Vielen Dank für Ihre Unterstützung.
Mit freundlichen Grüßen,
Nicole Käsemann