26/05/2018
"Kant aß nur einmal im Tage, und zwar zu Mittage, aber mit einem sehr starken Appetit. Den ganzen übrigen Tag genoß er nicht das Mindeste außer Wasser. Sein Tisch bestand aus drei Schüsseln, nebst einem Beisatz von Butter und Käse, und im Sommer noch von Gartenfrüchten. Die erste Schüssel enthielt jederzeit eine Fleisch-, größtenteils Kalbssuppe mit Reis, Graupen oder Haarnudeln. Er hatte die Gewohnheit, auf seinem Teller noch Semmel zur Suppe zu schneiden, um sie dadurch desto bündiger zu machen. In der zweiten Schüssel wechselten trockenes Obst mit verschiedenen Beisätzen, durchgeschlagene Hülsenfrüchte und Fische miteinander ab. In der dritten folgte ein Braten; ich erinnere mich aber nicht, jemals Wildpret bei ihm gegessen zu haben. Des Senfs bediente er sich fast zu jeder Speise... Butter und Käse machten für ihn noch einen wesentlichen Nachtisch aus. ... Er aß ein feines, zweimal gebackenes Roggenbrot, das sehr wohlschmeckend war. Der Käse wurde öfters fein gerieben auf den Tisch gesetzt. ... Bei großen Gesellschaften kam noch eine Schüssel und ein Beisatz von Kuchen hinzu. Die Lieblingsspeise Kants war Kabljau. Er versicherte mich eines Tags, als er schon völlig gesättigt war, dass er noch mit vielem Appetit einen tiefen Teller mit Kabljau zu sich nehmen könnte." Man sieht, unser Philosoph, an das gute Essen in feinen Gasthäusern gewöhnt, verschmähte auch in seinem Hause eine gute und reichliche Tafel nicht, deren einzelne Gänge er selbst anordnete; indes wenn er auch auf gute Zubereitung und deshalb eine geübte Köchin sah, mochte er doch am liebsten "eine gute Hausmannskost ohne alle Delikatessen". Zu seinen Leibgerichten gehörten vielmehr Pastinakmöhren mit geräuchertem Speck, dicke Erbsen ("der muß ja ein Ochs sein, dem das Gericht nicht schmeckt", erklärte er noch bei seiner letzten Geburtstagsfeier 1803) mit Schweinsklauen, Teltower Rüben, die ihm sein Schüler Kiesewetter aus Berlin, und Göttinger Würste, mit denen ihn von der Leinestadt her sein früherer Famulus Lehmann sowie der Buchhändler Nicolovius versorgten, berichtet sein früherer Schüler Jachmann (S. 166—170).
Wer kann bei dieser Gemüsekombination mit feiner Rosmarin- und Knoblauchnote sowie gerösteten Nüssen schon widerstehen?