12/12/2019
Immer wieder hört man von Hypermobilität aber was genau ist das.
Ich hoffe wirklich das ich jetzt alles zu 100 Prozent richtig beschreiben kann. Aber genau auf dieses Problem kann man sich spezialisieren und diese Spezialisten kann man im Wissen einfach nicht übertreffen.
Hypermobiliät ist eine enorm hohe Bewegungsmöglichkeit im Körper des Pferdes – auch als Gelenk-, Band- und Kapsellaxität bekannt. Für diese abnorme Beweglichkeit sind zu weiche Gelenke die Grundlage. Dem liegt jedoch nicht nur eine Gelenkdysfunktion zu Grunde, sondern auch ein Defekt im Bindegewebe. Was das Thema Hypermobilität so extrem komplex gestaltet.
Bei unseren Pferden ist es leider so, dass eine hohe Beweglichkeit mittlerweile als positiv gilt= „weiche Bewegung“ „hohe Bewegung“ „extreme GGA“ „viel Schub“
Um eine HM wirklich feststellen zu können gibt es bei uns Menschen ein zwei Punktesystem:
Den Beighton-Score und die Brighton-Criteria.
Beighton-Score geht es um die Überbeweglichkeit der Gelenke mit Hilfe eines Winkelmessers und Grad zahl.
In der Brighton-Criteria werden Beschwerden begutachtet.
Der Beighton Test wäre durchaus denkbar und innerhalb einer AKU z.B. bei der Beugeprobe beim Pferd mit zu beurteilen.
Denn normal ist das Beugen vom Fesselgelenk bis zum Ellenbogen
Bei HM geht das Beugen des Hufes bis neben den Unterarm ohne Kraftaufwand. Somit wäre das Beugen an sich schon der erste Aufschluss
Die beiden besagten Tests gibt es aber nicht beim Pferd.
Woran erkenne ich nun das mein Pferd HM ist.
Indizien können sein=
- neigt massiv zur Trageerschöpfung
- durchtrittige Fesseln
- schwabbelig im Gewebe
- weiche Unterlippe
Bitte beachtet das ein weiches Gewebe nicht immer positiv ist- von wegen mein Pferd ist total entspannt und locker- ist nicht gleichzusetzen mit ach wie toll. Ein zu geringer Muskeltonus ist meist ehr negativ. Denn Hypermobil ist meist mit hypoton gekoppelt. (zu große Beweglichkeit mit zu geringer Gewebs-Muskelspannung. Diese Pferde rollen sich meist alleine ein und geben dem Druck im Genick zu schnell nach. Man bekommt mit den Zügeln kaum keine richtige Anlehnung. HM Pferde sind oft wie „Jungpferde“ und bewegen sich mit Koordinationsproblemen (Probleme beim Schmied)
Es gibt auch Problempferde mit HM die Panikattacken oder Angststörungen besitzen oder sogar auch Durchgehen. Das kann durch vegetative Störungen, wie z.B. Schwindel oder auch massive Kopfschmerzen oder kleine Gelenksubluxationen, die einen plötzlichen Schmerzreiz setzen, ausgelöst werden.
Bei einer HM gibt es eine Vielzahl von Varianten.
Man kann bei Pferden theoretisch davon sprechen das HM angeboren ist- denn dummerweise ist sie das Zuchtziel. Durch Training kann man es natürlich verstärken oder verringern, je nachdem, ob man mit einer bestehenden HM mobilisierend oder stabilisierend arbeitet. Diese HM ist leider Rassetypisch mal mehr mal weniger vertreten.
Oftmals zu sehen bei denen wo das Gangbild im Vordergrund steht (Friese, PRE, Isländer usw.)
Zu den kritischen Reitweisen gehört ganz klar der Dressursport (der erzwingende Dressursport). Nicht die Dressur im eigentlichen Sinne, jedoch das, was heutzutage im Sport daraus gemacht wird. Auch vielfach Übungen aus der Akademischen Reitkunst und Zirkuslektionen ich glaub man nennt das ja Zirzensik sind kritisch zu betrachten . Jedoch sieht man es auch beim Springen da diese Pferde ja immer höhere Anforderungen bewältigen müssen.
Trotzdem haben die Springpferde heute eine längere Nutzungsdauer aufzuweisen, als die Dressurpferde. Eine erschreckende Entwicklung.
Distanzritte sind für hm Pferde auch keine gute Idee, da die Trageerschöpfung früher einsetzt.
Im Allgemeinen zähl eigentlich auch das Freizeitreiten dazu, viele denken ein Pferd könne die ganze Woche stehen und am Wochenende wird dann ein vier Stunden ausritt gemacht.
Hypermobilität bei Pferden ist ein immer größer werdendes Problem und keine Krankheit. Die Krankheit nennt man dann Hypermobilitätssyndrom (HMS)
HM kann man weder operieren noch irgendwas Anderes machen. Man sollte nur bedenken das nicht immer das reiten im Vordergrund steht.
Man kann HM Pferde reiten man sollte jedoch auf die HM achten und wie Doll sie ist, man sollte mit einbeziehen wie schwer man selber ist und wie hoch die Belastung ist und wie gut mein Pferd trainiert ist usw.
Letztendlich gibt es viele Menschen, die auf solchen Pferden reiten und es gar nicht wissen. Sie freuen sich, wenn sie ein liebes Pferd haben, dass vielleicht mal stolpert, aber butterweich zu sitzen ist, was dem geplagten Reiterrücken zugutekommt.
Was man seinem Pferd abverlangt, liegt immer individuell bei dem Menschen, der sich für sein Tier verantwortlich fühlt.
Man muss auch bedenken: Woher soll ein Reiter wissen, dass sein Pferd körperliche Probleme hat, wenn er es teuer beim Züchter als Top-Dressur-Crack mit überragendem Bewegungspotential gekauft hat.
Fakt ist: Pferde leiden stumm und lassen sich viel gefallen.
Sollte man aber wissen das sein Pferd HM positiv ist, sollte man fair sein und helfen wie z.B. den Raumgriff zu verkleinern um Tragkraft aufzubauen und den Rumpf zu stabilisieren. Man steigert das Körpergefühl und die Sicherheit des Pferdes damit sie sich zentrierter fühlen.
Wichtig ist, das Pferd gut zu beobachten, weil hypermobile Pferde in jedwede Richtung ausweichen und sich prima durch die Lektionen schummeln können. Am besten man bittet jemanden, das Training aus verschiedenen Blickwinkeln zu filmen oder lässt einen anderen trainieren und guckt selber zu, was das Pferd macht. Denn mit etwas Abstand sieht man die Ausweichbewegungen besser.
Sollte einem Bewusst werden das sein Pferd HM hat. Bitte hinsehen, nachdenken, informieren. Das sollte jeder tun, der überlegt, ob sein Pferd ins Schema Hypermobilität passt. Wenn ja, dann absteigen und Bodenarbeit zur Stabilisierung und zum Kraftaufbau machen. Fragt eure Trainer, Ausbilder, Therapeuten, ob sie von Hypermobilität Ahnung haben und euch somit ein gesundes Training vermitteln können. Denn hier kommt es nicht darauf an, eine bestimmte Übung zu machen, sondern zu erkennen, was für Ausweichbewegungen das Pferd macht und zu wissen, wie man diese verhindert, damit die Lektion auch zum Kraftaufbau nützt.
Prinzipiell gilt vor allem für Freizeitreiter: Sucht nach stabilen Pferden, die einen tragfähigen Körper haben. Keine super Gänge, keine langen Beine, keine Bewegungswunder, sondern gute, solide Pferde. Es wird leider immer schwieriger, diese zu finden, weil der Bewegungshype vor keiner Rasse Halt macht.