12/10/2022
Berlin, Berlin, wir fahren nach Berlin!
647,8 km in one go in die Hauptstadt
Auch 2022 war ich wieder für die Stiftung KinderHerz unterwegs. Aufgrund meiner langwierigen Coronainfektion und anderer Widrigkeiten viel später im Jahr als 2021, aber nichtsdestotrotz haben wir super kurzfristig doch noch eine Tour geplant und umgesetzt. Es war ein grandioses Abenteuer nonstop von Erftstadt nach Berlin zu radeln.
Antworten auf das wie, warum, wann, wo und überhaupt findet ihr weiter unten....Fotos natürlich auch, denn das Ding ist bereits done and dusted.
Jetzt seid ihr dran. Ich freue mich über jeden Euro für die Herzkinder!
Schaut doch mal rein:
https://www.stiftung-kinderherz.de/aktiv-werden/mitmachen/kinderherz-radler-on-tour/spendenaktionen #/detail/36527
Berlin - ein 647,8 km langes Abenteuer
Wo fange ich an zu erzählen? Wo ist der Anfang dieser Reise? Es gab im letzten Jahr die Idee, 2022 eine 600 km-Tour „in one go“, also “nonstop” für die Stiftung Kinderherz zu fahren. Denn nach 500 kommt 600. Und 500 km-Touren habe ich bereits drei gemacht. Aber 2022 lief nicht so ideal. Eine Verletzung mit notwendiger OP, annähernd 10 Wochen Coronaprobleme und ein Zusammenstoß mit einem Auto. Der Sommer und damit die beste Zeit für lange Touren war vorbei. Aber davon wollte ich mich nicht aufhalten lassen. Wer die Festive 500 Ende Dezember nonstop fahren kann, sollte im Oktober 600 km fahren können. Es gab verschiedene Optionen, aber am Ende war Berlin die erste Wahl. Mit dem Rad nonstop von Erftstadt in die Hauptstadt. Bäääm! Damit war aber auch klar, dass 600 km nicht reichen werden. Aus den geplanten 626 km wurden am Ende aufgrund von Straßensperrungen, Umleitungen und Navigationsproblemen 647,8 km! Die Planungszeit betrug wenige Tage. Das allein war schon eine Herausforderung, aber in „Spontanaktionen“ sind wir Profis.
Ich fahre solche Touren i.d.R. alleine ohne Windschatten, weiß aber meist ab ca. Kilometer 200 den großartigsten Menschen auf diesem Planeten irgendwo in meiner Nähe. Auf dem Rad bin ich alleine, aber letztlich ist es Teamwork. Eine gemeinsame Reise, ein gemeinsames Abenteuer. Das macht es so groß.
Auf knapp 650 km in 24 Stunden netto und 32:30 Stunden brutto passiert natürlich viel. Es würde für ein ganzes Buch reichen, aber es genügt, wenn zwei Menschen die ganze Geschichte kennen.
Ich mache mir im Vorfeld wenige Gedanken über die Streckenlänge. Ich weiß, es wird eine lange Reise, aber ich weiß auch, dass mein Körper und mein Geist in der Lage sind, anzukommen. Immer vorausgesetzt, dass es keine unlösbaren Materialprobleme oder sonstigen unüberwindbaren Hindernisse gibt. Vor allem nachts kann viel passieren. Und so setzte gegen 3 Uhr morgens Regen ein. Ich wusste, dass es in der Nacht möglicherweise leicht regnen könnte. Das Checken des Wetterberichtes ist ein wichtiger Teil der Vorbereitung. Ich möchte es mir nicht schwerer machen als nötig! Aber der Nieselregen wurde stärker. Letztlich regnete es heftig und was noch deutlich schlimmer war, es setzten heftige Windböen ein. Ich entschied mich gegen 3:45 Uhr für eine Pause. Ich war klatschnass, begann zu frieren und wollte mich dem gefährlichen Wind in der Dunkelheit nicht weiter aussetzen. Ich mag solche langen Unterbrechungen nicht, weil man aus dem Rhythmus kommt, aber es war definitiv die richtige Entscheidung. Auch wenn ich das nasse Zeug glücklicherweise ausziehen konnte, habe ich noch eine halbe Stunde im Auto gezittert. Aber….der Weg ist das Ziel. Um halb 6 bin ich mit trockenen Klamotten, aber nassen Schuhen wieder aufs Rad gestiegen. Zum Glück war ich recht schnell wieder im flow. Dennoch kam zwischen 7 und halb neun ein Tief. Aber das kenne ich. Dann braucht es mentale Stärke und mehr Kopf- als Beinarbeit. Die Kaffeepause in Wanzleben vor Magdeburg war die Rettung. Danach war ich wieder da!
Ich habe immer versucht, das Tempo beizubehalten, was mir gut gelungen ist. Die 24 Stunden Fahrzeit habe ich zwar um eine Minute verpasst, aber mit dem 27er-Schnitt bin ich sehr zufrieden. Die Beine wurden nicht müde, der Kopf schon. Alles hat Grenzen. Aber ich wusste, dass gerade die letzten Kilometer Richtung Potsdam und Berlin nochmal viel Konzentration erfordern.
Am 05.10. bin ich um kurz nach 8 Uhr in Erftstadt gestartet und war am 06.10. um 16:30 Uhr am Brandenburger Tor. Ich wurde dort bereits von dem Menschen erwartet, der solche Abenteuer mit mir gemeinsam erlebt und erst möglich macht. Wir haben unser Ziel erreicht. Ein gutes Gefühl, ein perfektes Team! Ich fühlte mich fit, war voller Adrenalin und lag letztlich erst um 21 Uhr im Bett. Über 50 Stunden ohne Schlaf. Ich behaupte nicht, dass das gesund ist, aber die positiven Auswirkungen eines solchen Abenteuers überwiegen für mich den vorübergehenden Schlafmangel deutlich.
32:30 Stunden brutto hätte ich gerne unterboten, aber die Zwangspause in der Nacht hat dies verhindert.
Hinterher denke ich immer, „schade, dass es schon wieder vorbei ist“.
Warum ich das mache? Weil ich es kann! Ich liebe es, durch eigene Muskel- und Mentalkraft von A nach B zu gelangen, durch die Nacht zu fahren und mit mir und meinen Gedanken alleine zu sein.
In diesem Sinne freue ich mich schon auf das nächste Abenteuer!