07/06/2018
Wiederrum verloren hat der ehemalige Eigentümer von Schloss Frankleben. Er hatte Berufung vor dem Landgericht in Halle eingelegt gegen ein Urteil das ihn, respektive die von-Bose-von Pacher Stiftung in deren Besitz sich das Schloss seit 2017 befindet, zur Zahlung eines Ordnungsgeldes in vierstelliger Höhe verurteilt. Hiermit ahndet das Gericht das fortlaufende Versperren des Zugangs zum unter anderen vom Verein PONI gemieteten Gelände am Schloss durch Beleidigungen, Bedrohungen und tätliche Angriffe.
Die Stiftung wird unterstützt von einer sich „Landsknechte von Bose und Pacher“ nennenden vermeintlichen Bürgerinitiative.
Was zuvor geschah:
Man nehme einen Verein, der sich mit heilpädagogischer Arbeit mit Pferden für sozial benachteiligte Kinder einsetzt, einen selbsternannten Adligen aus München, der für ein Mitglied der Regierung Sachsen-Anhalts ein Schloss verwaltet, einen Bürgermeister, dessen Kanzlei diesen vertreten hat und der seine Befugnisse nutzt, den Verein aus seiner Stadt zu vertreiben, einen Kirchenrat und Stadtrat, der eine Bürgerinitiative gründet, die zu Straftaten aufruft und Selbstjustiz ausübt, ein sonderbares Gerichtsurteil mit merkwürdigem Inhalt und last, but not least, eine beispiellose Zerstörungsorgie an einem kalten Samstag im November– und fertig ist eine ebenso unglaubliche, wie traurige Geschichte aus Deutschlands wildem Osten:
„Jetzt sind die bösen Männer nicht mehr da, jetzt kann uns nichts mehr passieren“, ein zaghaftes Strahlen überzieht das Gesicht des kleinen Jungen, als er diese Worte zu dem wuscheligen Pony sagt, das er mit Hingabe bürstet.
Es ist derselbe kleine Junge, der mit seinem Bruder an der Hand hilflos weinend und zitternd in den Trümmern stand, um ihn herum ein tobender Mob, Männer, die völlig haltlos, völlig entfesselt seinen geliebten Ponyhof zertrümmerten, zerschlugen, dem Erdboden gleichmachten.
Frankleben, Schlossgelände Herbst 2017, ein Bild der Verwüstung. Überall liegen Latten und zerborstenen Bretter, Trümmer, zerbrochene Zäune, tiefe Fahrrillen im Matsch, hier eine in den Matsch gefahren Pferdebürste, eine Mädchenbürste, mit Blümchen drauf. Dort ein Kinderhandschuh, nur noch die Fingerspitzen ragen aus der Fahrspur des Traktors, daneben ein Reithelm, zerborsten, zerbrochen.
Was ist geschehen?
Vor den Augen von ca 20 Kindern hat am Samstag den 11.November in Frankleben der Geschäftsführer der „von Bose- von Pacher Stiftung“, die das Schloss besitzt, ihr vermeintliches Recht in die eigene Hand genommen. Unterstützt von einer dubiosen Gruppe, die unter dem Namen „Landsknechte von Bose und Pacher“ im Internet zuvor monatelang Verleumdungen gegen den Verein verbreitete, wurde mit Hilfe einer großen Landmaschine innerhalb weniger Stunden das Vereinsgelände des PONI e.V. verwüstet, völlig zerstört. Diese Selbstjustiz verstehen die Täter dem Vernehmen nach als Folge eines jahrelangen Rechtsstreits, der zuletzt mit einem vorläufig vollstreckbaren Urteil zu Gunsten des Schlossherrn vom Oberlandgericht Naumburg entschieden wurde. Diese Vollstreckung in Form von Übergabe einiger Flächen aus der Pachtsache war jedoch zuvor sachgerecht und unter Aufsicht einer Gerichtsvollzieherin abgeschlossen.
Eine Korrektur des Urteils wollte die Stiftung offenkundig am Samstag in Selbstjustiz vornehmen, indem sie Flächen räumte, die vom Urteil eindeutig nicht betroffen sind. Diese selbsternannte Räumung artete schnell in eine maßlose Orgie von Gewalt und Zerstörungswut aus. Vor den Augen der Kinder und erwachsenen Vereinsmitglieder, die ohnmächtig, weinend und fassungslos der blindwütigen Zerstörung ihres Eigentum zusehen mussten und vor den Augen einer untätigen Polizei, wurden wahllose Gebäude und Zäune zerstört, Gegenstände, die der Landmaschine im Weg standen wurden hemmungslos niedergefahren, verängstige Pferde sprangen aus geborstenen Umzäunung ihres Auslaufs und liefen kopflos über die Straßen davon, verängstige Kinder zogen ihre Ponys am Zügel hinter sich her, auf der Flucht vor dem wütenden Mob, der mit Schaufeln, Vorschlaghämmern und Beilen auf das Vereinsgelände losging.
Ein Albtraumszenario der Eigenmacht, der Selbstjustiz, selbstgerechte entfesselte Menschen, die jedes Maß, jede Menschlichkeit verloren haben und sich noch feixend, lachend und klatschend über die zitternden und weinenden Kinder lustig machten, vom Leid Handyvideos erstellten.
Warum, fragt sich der Verein, der bis zuletzt Verhandlungsangebote an die Stiftung unterbreitet hatte, der bereits auch öffentlich angekündigt hatte, das Gelände freiwillig zu verlassen. Warum? Und warum auf diese Art?
Über den Grund der Vermietung der Stallanlage auf dem Schlossgelände in Frankleben und weiterer Teile des Schlossparks an den gemeinnützigen Verein PONI im Jahre 2013 kann man nur mutmaßen.
Das Schloss war bis 1945 im Besitz der Familie des sachsen-anhaltinischen Datenschutzbeauftragten Harald von Bose gewesen. Rückgabeansprüche der Familie konnten nach der Wende nicht rechtskräftig gültig gemacht werden, da die juristische Voraussetzung für eine Rückübertragung nicht bestand.
Im Jahr 2007 erwarb der dubiose Österreicher Franz Pacher (von?) Theinburg (die Nutzung des Adelsprädikates wurde ihm ab 2016 offensichtlich untersagt, heute also nur „Pacher-Theinburg“) das Schloss und gründete eine gemeinnützige GmbH mit Namen SPAN. Seit Erwerb wurden dieser gGmbH öffentliche und private Fördergelder in nicht unerheblichen Umfang für die Sanierung des Schlosses zur Verfügung gestellt.
Zum Jahreswechsel 2016/17 wurde das Schloss in eine „von Bose - von Pacher Stiftung“ überführt. Zu Beginn des Jahres 2017 präsentiert sich Regierungsmitglied Harald von Bose in der Presse als Vorstand der Stiftung und neuer Schlossherr.
Seit 2015 bereits versuchte Pacher-Theinburg den mit dem Verein PONI geschlossenen Mietvertrag zu kündigen. Die Struktur des Vertrages ließ jedoch eine Auflösung nicht so einfach zu, nicht zuletzt da der Verein sich verpflichtet hatte, Gebäude und Gelände zu sanieren und hier erhebliche Mittel investiert hatte.
Da 2016 der Verein auf dem Rechtswege vor dem Landgericht in Halle einen deutlichen Sieg errang, mussten andere Methoden der Vertreibung her: Es erfolgten zahllose Anzeigen bei wirklich allen auch nur entfernt relevanten Behörden und halten den Verein auf Trab: Veterinäramt, Bauamt, Gesundheitsamt, Umweltamt, unzählige Strafanzeigen gegen den Verein, vielmehr dessen ersten Vorsitzenden. Alle Verfahren werden in der Folge eingestellt, das Landesverwaltungsgericht veranlasste 2018 die Zurücknahme sämtlicher durch das Umweltamt Saalekreis gegen den Verein erlassenen Beschlüsse und Geldforderungen.
Seit 2015 wurde zudem eine beispiellose Boykottkampagne ins Leben gerufen: Von einer „Bürgerinitiative“ die sich „Landsknechte von Bose und Pacher“ nennt wurden Mitglieder und Gäste des Vereins, deren Namen man in Erfahrung bringen konnte angeschrieben, anonym angerufen, bedroht, beschimpft und verleumdet, bei ihren Arbeitgebern angezeigt, im Internet verleumdet.
Es wurden vom Gelände Personen, vorzugsweise Behinderte, Kinder und Frauen vertrieben, beschimpft und bedroht, mit Fahrzeugen verfolgt und mit Baumaschinen fast angefahren. Der Hauptzugang zum Schloss wurde mehrfach mit Ketten und Vorhängeschlössern versperrt. Das Schloss selbst wird mit einem separaten Ring aus Gitterzäunen und Maschendraht eingezäunt. Entgegen einer einstweiligen Verfügung des Landgerichts Halle werden Wege mit Zäunen, Gegenständen, Fahrzeugen verstellt und versperrt oder mit einem dort angebundenen Hund abgeriegelt.
Im Namen des Stiftungsvorstandes und Datenschutzbeauftragten von Bose wurde eine Videokamera installiert, die die Vereinsmitglieder monatelang überwachte.
Pferdekoppeln wurden nachts geöffnet und Pferde freigesetzt, Koppelzäune durchgeschnitten und abgerissen, ganze Koppeln auf den Pachtflächen Dritter abgebaut, Material gestohlen und zerstört.
Mehrere Strafanzeigen werden gestellt, so sich eingeschüchterte Opfer bereitfinden,auszusagen, dreimal wurde bislang Strafbefehl gegen Pacher-Theinburg und Mitglieder der "Landsknechte" erlassen, eine Verurteilung vor dem Strafrichter in Merseburg erfolgte.
In einem Berufungsurteil des OLG in Naumburg, dessen unzusammenhängender Urteilstext mehr Fragen aufwirft, als Antworten bereitstellt bekommt Pacher-Theinburg 2017 in zweiter Instanz Recht. Dem Verein können vorläufig vollstreckbar bestimmte auf dem Gelände gelegene Flächen gekündigt werden. Dass der Name Harald (von Bose?) in dem Urteil auftaucht ist ebenso ohne Zusammenhang, wie die inhaltlichen Bestimmungen, die eine komplette Rückgabe im Sinne der von Bose-von Pacher Stiftung oder der möglicherweise inzwischen liquidierten GmbH SPAN(?) dann doch letztlich unmöglich machen.
Die darauf folgenden Zerstörungen vom November 2017 setzen der Geschichte in Frankleben ein vorläufiges Ende.
Bürgermeister Schmitz aus Braunsbedra, dessen Kanzlei Pacher (von?) Theinburg zunächst rechtlich vertreten hatte, spielt in dem ganzen Possenstück eine dubiose Rolle: In einem Schreiben an drei besorgte Mütter, die ihn bereits 2015 über die grobe Behandlung ihrer Kinder durch Pacher-Theinburg und ihre Befürchtungen informierten und um Schutz für die Vereinsmitglieder baten, stellt sich der Bürgermeister eindeutig auf die Seite des Schlossbetreibers.
Die Zerstörungsaktion vom November und Vertreibung des ausschließlich gemeinnützig tätigen Vereins aus Frankleben, so Schmitz auf Nachfrage, unterstütze er vorbehaltlos.