23/09/2021
🏆Wir gratulieren Philipp Dienstbühl ganz herzlich zum Finish seiner 6. Langdistanz dem Ironman in Nizza vom 12.09.21. Hier könnt Ihr seinen tollen Erfahrungsbericht lesen :
Wenn man denkt, man ist ein erfahrener Athlet...
.. fährt man zu seiner 6. LD ohne seine Schaltung vor Ort nochmal zu testen, aber der Reihe nach. Nach der 3. Verschiebung war es nach 2 Jahren seit der Anmeldung soweit: Ich starte in Nizza. Einem Rennen, für das ich mich wegen der schönen Radstrecke mit nur einer Runde und der Aussicht auf Sonne angemeldet hatte. Ich hatte mächtig Respekt vor der Radstrecke. 2.400 HM bin ich noch nie gefahren. Überhaupt war ich noch nie in den Bergen Radfahren. Mega viel trainiert hatte ich wegen des schlechten Wetters Anfang des Jahres auch nicht. Aufgrund von Corona fanden der 70.3 und der IM quasi gleichzeitig statt. Beim IM waren 1.280 Athleten am Start – also deutlich weniger als sonst. Außer, dass man bis zum Start und im Ziel Maske tragen musste und es kein Wechselzelt oder eine Wettkampfbesprechung geschweige denn eine Pasta- oder Awardsparty gab, merkte man von Corona nicht so viel. Die dümmliche „4m Abstand beim Laufen“-Regel wurde von jedem ignoriert und von den Referees zum Glück auch nicht durchgesetzt.
Das Rennen fing wie immer mit einem Rolling Start an. Nachdem man sich einsortiert hatte und das Rennen gestartet war, ging es „fließend“ ins Wasser. Nach 2 Runden ohne Australian Exit, in denen ich nur selten Rhythmus fand, kam ich etwas zu weit vom Ausstieg weg mit ekligen Salzwassergeschmack im Mund am Ufer an. 1:22 Std. – nicht gut, aber für mich im Bereich von ok. Ab auf die Radstrecke. Hier gab es gleich mal eine Premiere: Meine Beine haben sich vorbelastet angefühlt. Das hatte ich nach dem Schwimmen noch nie in einem Rennen. Also gab es auf dem Weg zur ersten Verpflegungsstelle ein Gel mehr. Ich hatte aufgrund des Streckenprofils dem Rennrad gegenüber dem Triathlonrad den Vorzug gegeben. Da an den Anstiegen und gerade auf den Abfahrten das RR die bessere Wahl für mich war. Zudem hatte ich noch eine „Geheimwaffe“ auf dem RR: Eine 3-fach Kurbel, deren kleines Blatt ich nie benutze. Und als ich Sie am ersten steilen Stich benutzen wollte (um meine Beine zu schonen), musste ich feststellen, dass die Kette nur dann vorne auf das kleine Blatt ging, wenn ich hinten auf einem Mittleren war und einigermaßen Frequenz getreten bin. Ich konnte also am Berg nicht auf das kleine Blatt vorne Schalten und musste das immer vorher machen. Ohne Streckenkenntnis war ich sehr zögerlich, was „hochschalten“ vorne anging... Der 2. längere Anstieg hatte es in sich und man fuhr – ob ich mir das Höhenprofil eingeprägt hatte – in banger Erwartung, was noch kommt. Die 1. (oder2.) Abfahrt war dafür der Hammer; ein Anblick, wie man ihm kaum aus Katalogen kennt und schön zu fahren noch dazu. Alleine das dafür lohnt sich der Start in Nizza. Gegen Ende der Radstrecke, etwa 13 km vor der WZ, als es nur noch bergab und geradeaus ging, ereilte mich dann noch ein Platten – auch eine Premiere – und das ohne Einwirkung eines Schlaglochs oder Steins... einfach so. Dummerweise hatte ich keine Ventilverlängerung dabei, so dass ich den Schaden nicht beheben konnte. Einen Materialwagen gab es nicht. Zum Glück kam ein Athlet aus meinem Hotel vorbei und der gab mir seinen Schlauch mit langem Ventil. Ich konnte weitermachen! Etwa 40 min hat mich der Spaß gekostet. Aber dennoch. Mega glücklich und vor allem fit kam in ich der WZ an. Trotz eines Splits von 7:2x Std! Beim Laufen habe ich mich ständig versucht zu bremsen. Dann nach Plan ein Gel und ein Salzbonbon zugeführt sowie getrunken. Ich bin so spät dran, dass ab der Mitte der 2. Runde das Thema Wärme, Salzverlust, Kühlung keine Rolle mehr spielt – oder zumindest glaubte ich das. Schon gegen Ende der ersten Runde wurde alles schwerer und ab der 2. Runde war es nur noch Quälerei. Dieser Punkt kam in Anbetracht des guten Zustands, mit dem ich in T2 ankam, des defensiven Tempos (bin auf 4:15 Std. gegangen) und der relativ konsequenten Verpflegung viel zu früh. Gehen war noch schwieriger als Laufen – da dachte ich mir platzen die Beine. Ich war dabei aber kurzatmig trotz sehr niedrigem Puls (59% HFmax). Ende der 2. Runde musste ich mich übergeben – in der 3. nochmal. Diese komischem Maurten Gels schmecken gut, sind aber „im Rückwärtsgang“ sehr zäh. Vielleicht hatte ich auch nur zu wenig getrunken. Nach so 5 Std. auf der allerletzten Rille bin ich dann so um 22:00 Uhr ins Ziel gekommen. Sowas will ich nie wieder erleben. Das hatte ab der 3. Runde mit Sport nichts mehr zu tun. Solange ich nicht weiß, was zu diesem frühen Volleinbruch beim Laufen geführt hat, mache ich keinen WK mehr. Schön ist es in Nizza trotzdem – und ich würde hier auch gerne mal die 70.3-Strecke ausprobieren...