01/11/2025
Hieb- und stichfest:
Meisterhafter Lehrgang zur Selbstverteidigung beim KSM
Erfahrungsbericht von Kilian A. Culhane
Schule macht Spaß! Vor allem, wenn sie sich der Kampfkunst und Selbstverteidigung widmet.
Schulleiter und Gastgeber Michael Mentsches (5. DAN) hatte geladen und 45 Sportler waren gekommen, um am Sonntag, den 19. Oktober 2025, auf dem Gelände des KSM in Mönchengladbach von 12.00 - 16.00 Uhr am Lehrgang „Selbstverteidigung im und am Auto und Verteidigung gegen Messerangriffe“ unter der routinierten und souveränen Leitung von GM Datu Dieter Knüttel mit großartiger Unterstützung von Martin Kosa (1. DAN) teilzunehmen. Viele Athleten sind Mitglieder beim KSM und trainieren sonst Krav Maga (hebräisch: קרב מגע, was so viel wie „Kontaktkampf“ bedeutet), ein pragmatisches, reaktionsbasiertes und intensives israelisches Selbstverteidigungssystem, das von Imrich Lichtenfeld entwickelt wurde und heutzutage weltweit von Sicherheitskräften wie Zivilisten angewendet wird.
Bei uns im Verein, im KSC Manila, fragt Datu Dieter Knüttel nach jeder absolvierten Einheit in die Runde: „Und, hat’s Spaß gemacht?“. Ja, hat es! Denn der Spaß steht für mich beim Modern Arnis im Vordergrund. Ich weiß aber auch um den Realitätsbezug und damit den Verteidigungsaspekt des Lehrgangsschwerpunktes beim KSM. Und hatte mich für diese Fortbildung angemeldet, um mögliche Reaktionsmuster in nachgestellten eskalierenden Situationen kennenzulernen und spielerisch zu festigen.
Wie begegne ich jemandem, der mich gewaltsam daran hindern will, in mein Fahrzeug zu steigen?
Kann ich mich wirklich verteidigen, wenn mich jemand im Innenraum eines Autos würgt?
Wie lenke ich eine Messerattacke um?
Kurzvideos in den sozialen Medien lassen Selbstverteidigung oft sehr einseitig aussehen: entweder kinderleicht und sicher oder komplex und im Ernstfall nicht abrufbar.
Zeit, es selber auszuprobieren!
Beim monatlichen Selbstverteidigungstraining im KSC Manila habe ich bereits mit dem Messer als Verteidigungswerkzeug gearbeitet, aber das hier war etwas anderes.
Hier stand ich mit der Trainingsgruppe auf einem Privatgrundstück, um uns herum parkten gut ein Dutzend Fahrzeuge (die eigenen, wohlgemerkt) und bei spätsommerlichem Wetter ging es darum, sich blitzschnell vor potenziellen Angreifern am Auto zu schützen, „seinen“ Wagen zu entriegeln, einzusteigen und wieder zu verriegeln. Nach und nach arbeiteten wir uns mittels verschiedener Szenarien in den Innenraum der Karossen vor. Es galt, Angriffswinkel zu kontrollieren und sich bei der Verteidigung Türscharniere und Kanten ebenso wie die Hupe oder die A- und B-Säule des Autos und nicht zuletzt herumliegende Alltagsgegenstände zu Nutze zu machen, um einen möglichen Angreifer abzuwehren oder sich zumindest Zeit zu verschaffen.
Zusätzlich herausgefordert wurden wir damit, einen imaginären Einbrecher sprichwörtlich vor die (Auto-)Tür zu setzen. Im Wechsel trainierten und manövrierten wir zwei Stunden lang mit immer mehr Variablen und Ergänzungen und merkten schnell: Fahrzeug-Innenräume sind sehr viel enger, als sie scheinen, und genau diese Enge erschwert den Selbstschutz.
Erst recht, wenn der eigene Angriffswinkel von unten z.B. durch die Kante des Autodachs blockiert ist. Oder wenn für kleinere Menschen der Griff zur Tür - sei es, um diese als Waffe einzusetzen, sei es, um sie zu schließen - mehr als nur ein Ausstrecken des Armes, sondern während der Konfrontation vollen Körpereinsatz erfordert. Übernahmen die „Längeren“ unter uns die Rolle des widerständigen Angreifers, war es sehr schwierig, sie aus dem Auto zu bugsieren. In Summe ging es bei diesem Modul darum, uns bekannte Techniken an enge Räume und einen geringen Bewegungsradius anzupassen. Wahrlich ein Nischenthema, aber ein spannendes!
Nach einer kurzen Pause tauschten wir den Parkplatz gegen die mit Matten ausgelegte Halle und gingen zur Messerverteidigung über. Eins gegen eins übten wir, Messerangriffe abzuwehren und umzuleiten, um daraus in einen toten Winkel des Feindes zu gleiten. Die Kontrolle zu gewinnen war das Ziel, um danach Folgetechniken wie Entwaffnungen anzuwenden.
Dabei habe ich gemeinsam mit meinem Gegenüber festgestellt, dass wir uns in dieser ‚Laborsituation‘ bei entschleunigtem Tempo bei etwa zwei von zehn Messerangriffen treffen würden, weil wir zu langsam auf den Angriff reagieren oder die Abwehrtechnik nicht sauber ausführen. Wenn die Wahrscheinlichkeit, im kontrollierten Setting - theoretisch - verwundet zu werden, schon bei 20 % liegt, möchte ich mir die Gefahr nicht ausmalen, die von einem Überraschungsangriff mit einem spitzen und scharfen Messer bei hoher Geschwindigkeit ausgeht.
Dafür sorgten Datu Dieter Knüttel und Martin Kosa, die ausführlich und ausdauernd mit plakativen Beispielen, handfesten Demonstrationen und umfangreichen Erläuterungen die Gefahren nachstellten, die von einer Messerattacke ausgehen können. Datu Dieter gelang es dabei, wie immer mühelos, seine Methodik an den jeweiligen Kenntnisstand des Sportlers anzupassen und jeden da abzuholen, wo er gerade steht, so dass sich alle Teilnehmer gut aufgehoben fühlten.
Eine weitere Veranstaltung zum Thema „Messer“ findet am 16.11.2025 wieder in den Räumen des KSM statt, diesmal unter der Leitung von Michael Mentsches. Weil ich den Lehrgang selber als bereichernd, eindrücklich und nachhaltig erlebt habe, kann ich uneingeschränkt empfehlen, daran teilzunehmen. Have fun!