21/01/2026
Pferde sind von Natur aus nicht gerade. Jedes Pferd hat – genau wie wir Menschen – eine stärkere und eine schwächere Seite. Das ist zunächst völlig normal. Problematisch wird es erst dann, wenn diese natürliche Schiefe im Training unbeachtet bleibt.
Schaut euch den Mann im Bild an, der nur eine Körperseite trainiert. Die starke Seite wird immer stärker, während die schwache Seite schwach bleibt. Genau das passiert auch mit Pferden, die geritten oder gearbeitet werden, ohne dass auf Geraderichtung geachtet wird. Sie nutzen bevorzugt ihre ohnehin starke Seite, während die schwächere Seite weiter zurückbleibt.
Die Folge ist eine einseitige Belastung des Körpers, die langfristig zu Verspannungen, eingeschränkter Beweglichkeit und erhöhtem Verschleiß führen kann.
Um den Pferdekörper möglichst gleichmäßig zu belasten und gesund zu erhalten, ist Geraderichtung deshalb ein zentraler Bestandteil der Ausbildung. Ein geradegerichtetes Pferd kann sich besser tragen, Kräfte sinnvoll verteilen und sich insgesamt harmonischer bewegen.
Geraderichtung entsteht dabei nicht nur durch gezieltes Training. Sie entwickelt sich oft ganz natürlich, wenn Pferde abwechslungsreich bewegt werden. Unterschiedliche Böden, kleine Steigungen, Kurven oder wechselnde Untergründe im Gelände fordern das Pferd dazu auf, seinen Körper immer wieder neu zu organisieren. Wer das nutzt, unterstützt die Geraderichtung bereits im Alltag.
Zusätzlich kann man ganz bewusst an der Geraderichtung arbeiten, zum Beispiel mit der Equikinetic. Hier wird das Pferd gezielt dazu eingeladen, beide Körperseiten gleichmäßig zu nutzen und insbesondere die schwächere Seite zu kräftigen.
Ein gutes Indiz für die Geraderichtung ist der Hufabdruck im Boden. Tritt der Hinterhuf versetzt und nicht in die Spur des Vorderhufs, ist das Pferd noch nicht geradegerichtet. Man kann sich ein geradegerichtetes Pferd vorstellen wie ein Pferd auf Schienen: Die Hinterbeine spuren exakt in die Spur der Vorderbeine.