10/08/2026
Der äußere Zügel – oder besser gesagt die Hilfengebung an selbigem – ist mit eine der am häufigsten missverstandenen Hilfen, habe ich manchmal das Gefühl.
Man hört immer wieder: „Der äußere Zügel verhindert das Ausfallen der äußeren Schulter“, „Das Pferd muss an den äußeren Zügel herantreten“, „Der äußere Zügel muss immer dran sein“ etc. pp.
Auch der Satz „Innen treiben, außen begrenzen“ wird oft so verkürzt, dass daraus teilweise ziemlich merkwürdige Reitbilder entstehen.
Wenn ich dann komme und bei Pferden mit verkürzten Hälsen und fester Unterhalsmuskulatur erst einmal das **Nachgeben am inneren Zügel zelebriere**, wirkt das auf die Reiter häufig zunächst befremdlich. 😊
Zum Glück merken sie meist sehr schnell, wie dankbar das Pferd diese Art der Hilfengebung annimmt: Der Hals bekommt wieder Raum, die innere Seite kann loslassen und die Verbindung zur Hand kann überhaupt erst wieder elastischer werden.
Dass das natürlich kein Endstadium ist und der äußere Zügel keineswegs überflüssig wird, steht auf einem anderen Blatt. Das Ziel ist schließlich nicht, dauerhaft „ohne Außenzügel“ zu reiten – sondern dass das Pferd aus Balance und Losgelassenheit heraus eine ehrliche Verbindung auch zum äußeren Zügel suchen kann. Und dafür muss ich diese Verbindung nicht mit der Hand erzwingen oder den äußeren Zügel permanent festhalten.
In der „Reitlehre“ von Wilhelm Müseler ist dieser Zusammenhang übrigens noch einmal sehr schön beschrieben. 😊