Cornelia Möcke

Cornelia Möcke Erreiche deine Karriereziele als introvertierte Frau: sichtbar, erfolgreich und authentisch –
ohne laut sein zu müssen.

Manchmal bin ich wirklich sprachlos. Vor allem dann, wenn ich hier und da durch Social Media scrolle und mir Beiträge un...
13/08/2026

Manchmal bin ich wirklich sprachlos. Vor allem dann, wenn ich hier und da durch Social Media scrolle und mir Beiträge und Kommentare von Content Creatorn oder eben „ganz normalen Menschen“ durchlese.

Ich bin sprachlos, mit welcher Selbstverständlichkeit so viele Menschen etwas zu sagen und vor allem zu bewerten haben.

Mich irritiert das.

Ja, ich habe hier und da auch eine Meinung, manchmal eine ganz andere als mein Gegenüber oder eben diese Menschen im Internet. Manchmal habe ich auch keine Meinung. Vielleicht, weil ich mich noch gar nicht mit dem Thema beschäftigt habe oder weil es vielleicht nicht zu jedem Thema sofort eine Meinung braucht.

Was mir gerade bei Social Media auffällt, ist, wie schnell und scheinbar oft unüberlegt eine Meinung kundgetan und über andere geurteilt wird.

Mir fällt auf, wie schnell Menschen anderen die Welt erklären wollen, von denen sie glauben, dass sie falsch liegen. Oft ohne wirklich handfeste Argumente oder gute Recherche. Oft sind es Meinungen, die aus irgendeinem Trigger heraus entstehen und kaum noch eine wirkliche Diskussion möglich machen.

Und manchmal merken diese Menschen noch nicht einmal, wie sie sich über diejenigen erheben, die anderer Meinung sind oder Dinge anders tun, weil sie überzeugt davon sind, selbst richtigzuliegen.

Auf dieser Basis ist oft weder eine Diskussion noch ein vernünftiges Gespräch möglich.
Bist du nicht so, wie ich das will, erkläre ich dir, wie du zu sein hast.

Ich glaube, dass sowohl die Person, die scheinbar anders ist, als auch die Person, die meint, sie müsse ihr die Welt erklären, es im Kern wirklich gut meint.

Was viele aber immer wieder vergessen: Jeder Mensch hat etwas anderes erlebt, andere Prägungen und Bedürfnisse und seine ganz eigenen Beweggründe, Dinge zu tun oder zu sagen.

Anstatt also ständig auf den, der nicht so tickt, wie sie es gerne hätten, draufzuhauen und ihn zu belehren, könnten sie bei sich schauen und sich fragen: Warum triggert mich diese Aussage so? Warum bekomme ich Puls, wenn diese Person XY sagt? Was ist da bei mir los?
Stattdessen hauen sie drauf und glauben, dass das der Weg ist.

So viele Menschen wünschen sich Frieden, doch dieses Verhalten ist von Frieden meilenweit entfernt.

Vielleicht ist ein erster kleiner Schritt, wenigstens zu versuchen zu verstehen, dass jeder Mensch anders ist und auch anders sein darf. Das heißt nicht, alles gutzuheißen. Es heißt vielmehr, den anderen sein zu lassen, wie er ist. So, wie sich viele wünschen, selbst so sein gelassen zu werden, wie sie sind.

Schlechte Stimmung entsteht oft durch Bewertung.Die Stimmung ist in einigen Unternehmen eher so semi gut.Würden wir ein ...
22/07/2026

Schlechte Stimmung entsteht oft durch Bewertung.

Die Stimmung ist in einigen Unternehmen eher so semi gut.

Würden wir ein bisschen graben, würden wir vermutlich feststellen, dass es zum Teil an klarer Führung, an eindeutiger Kommunikation oder vielleicht auch am gegenseitigen Verständnis fehlt.

Und manchmal liegt ein Teil der schlechten Stimmung bei uns selbst.

Wir erleben eine Situation. Jemand sagt etwas, antwortet anders als erwartet oder tut etwas nicht. Unser Gehirn springt sofort an und sortiert ein:

▪️gut oder schlecht.
▪️richtig oder falsch.
▪️professionell oder völlig daneben.

Diese schnelle Einordnung hatte für Menschen lange einen klaren Nutzen. Gefahren mussten erkannt werden. Zügig. Wer erst eine umfassende Analyse anfertigte, hatte möglicherweise ein Problem.

Heute sieht unser Arbeitsalltag etwas anders aus.

Nicht jede berufliche Situation ist lebensbedrohlich. Nicht jeder ungeschickte Satz ist ein Angriff. Und eine ausbleibende Antwort bedeutet nicht automatisch, dass uns jemand nicht ernst nimmt.

Trotzdem rutschen wir schnell in dieses Muster.

Eine Kollegin antwortet knapp.
Unhöflich.

Der Chef sagt einen Termin ab.
Typisch. Meine Themen sind ihm offenbar nicht wichtig.

Im Meeting wird unsere Idee nicht aufgegriffen.
War ja klar. Hier hört mir sowieso niemand zu.

Für einen Außenstehenden wären das zunächst Fakten:

Eine knappe Antwort.

Ein abgesagter Termin.

Eine Idee, die im Meeting nicht aufgegriffen wurde.

Die schlechte Stimmung entsteht häufig durch das, was wir daraus machen.

Mit jeder negativen Bewertung katapultieren wir uns ein Stück weiter in die Unzufriedenheit. Unser Fokus liegt immer stärker auf den Dingen, die scheinbar schlecht laufen. Also finden wir mehr davon.

Und dann wundern wir uns.

Warum wir am Ende des Tages müde sind.

Warum uns die Energie fehlt.

Warum sich inzwischen fast alles in diesem Unternehmen anstrengend anfühlt.

Ich denke dabei oft an einen Satz, der Viktor Frankl zugeschrieben wird:

„Zwischen Reiz und Reaktion liegt ein Raum. In diesem Raum liegt unsere Macht zur Wahl unserer Reaktion. In unserer Reaktion liegen unsere Entwicklung und unsere Freiheit.“

Diesen Raum können wir nutzen.

Bevor du das nächste Mal etwas als unhöflich, respektlos oder typisch bewertest, halte kurz inne.

Was ist tatsächlich passiert?

Und was hast du daraus gemacht?

Vielleicht ist die Situation immer noch blöd.

Vielleicht ist sie einfach nur ein Fakt.

Es ist ein Tag wie jeder andere.Du gehst zur Arbeit und denkst:▪️Die machen ihren Job einfach nicht gescheit.▪️Ich komme...
21/07/2026

Es ist ein Tag wie jeder andere.

Du gehst zur Arbeit und denkst:

▪️Die machen ihren Job einfach nicht gescheit.
▪️Ich komme mir vor wie deren Babysitter.
▪️Die machen alle, was sie wollen.
▪️Da passt gar nichts.
▪️Da ist ständig alles falsch.

Diese Gedanken begleiten dich durch den ganzen Tag. In Meetings, zwischen zwei Aufgaben und vielleicht sogar nach Feierabend beim Abendessen mit Freunden.

Deine Kollegen machen ihren Job nicht ordentlich.
..und dann wunderst du dich:

▪️Warum dir regelmäßig Informationen fehlen, die du für deine Arbeit brauchst.
▪️Warum du ständig nachfragen musst, ob eine Angabe wirklich stimmt.
▪️Warum kaum noch ein Arbeitstag vergeht, der sich nicht katastrophal anfühlt.
▪️Warum du mehr Zeit damit verbringst, die Arbeit anderer zu korrigieren, als deine eigene Arbeit zu erledigen.

Selbst wenn du diese Gedanken nie aussprichst, beeinflussen sie deine Haltung.

Sie verändern, worauf du achtest, wie du nachfragst und wie du auf deine Kollegen reagierst.

Du erwartest Fehler.
Also kontrollierst du genauer.
Du rechnest damit, dass Informationen fehlen.
Also prüfst du jede Angabe besonders gründlich.
Und genau die Fehler, mit denen du gerechnet hast, fallen dir besonders auf.

Das ist die selbsterfüllende Prophezeiung. Kein neues Konzept. Im hektischen Arbeitsalltag geht dieses Bewusstsein trotzdem schnell verloren.

Unsere Erwartungen beeinflussen unseren Blick.

Wer ständig mit Fehlern rechnet, sieht vor allem Fehler. Wer offen bleibt, erkennt eher, was funktioniert und wo tatsächlich Handlungsbedarf besteht.

Wenn du davon ausgehst, dass eine Kollegin immer alles falsch macht, achtest du besonders genau auf jeden Fehler. Was sie richtig macht, fällt dir kaum noch auf.

Deine Erwartung bestätigt sich immer wieder.

Wenn du davon ausgehst, dass sie ihre Arbeit überwiegend beherrscht, verändert sich deine Haltung. Du gibst ihr mehr Vertrauen und siehst auch, was funktioniert.

Natürlich kann sie trotzdem einen Fehler machen. Ein Fehler bedeutet jedoch nicht, dass sie immer Fehler macht. Ein misslungener Vorgang beweist auch nicht, dass grundsätzlich alles falsch läuft.

Allein diese Verallgemeinerungen machen die Zusammenarbeit anstrengend.

▪️Immer.
▪️Alles.
▪️Nie.

Solche Worte lassen kaum noch Raum für eine andere Wahrnehmung.

Falls du solche Situationen kennst, schau heute einmal genauer hin.

Ist wirklich immer alles falsch?

Oder gibt es etwas, das deiner bisherigen Annahme widerspricht?

Manche Gedanken begleiten uns so lange, dass wir sie kaum noch hinterfragen. Wir halten sie für wahr und handeln danach....
16/07/2026

Manche Gedanken begleiten uns so lange, dass wir sie kaum noch hinterfragen. Wir halten sie für wahr und handeln danach.

Unsere Gedanken beeinflussen, wie wir Situationen bewerten, welche Entscheidungen wir treffen und was wir dadurch erleben.

Darum lohnt sich die Frage:

Was muss ich glauben, damit ich das so erlebe?

Welcher Gedanke läuft bei dir schon viel zu lange ungeprüft mit?

Vor einigen Tagen war ich wieder auf einer Jobmesse unterwegs. Ich habe gecoacht, einem Vortrag gehalten und beeindrucke...
14/07/2026

Vor einigen Tagen war ich wieder auf einer Jobmesse unterwegs. Ich habe gecoacht, einem Vortrag gehalten und beeindruckende Menschen kennengelernt.

Sowohl in meinen Vorträgen als auch in meinen Coachings geht es vorrangig um eine spezielle Sache: Selbstbewusstsein im wahrstem Sinne des Wortes. Denn sind wir uns unserer selbst bewusst, denken wir anders über uns, habe eine andere Haltung und gehen anders in Gespräche als wir es tun, wenn wir es nicht sind.

Eine Dame schrieb mir im Nachgang eine E-Mail, über die ich ein wenig schmunzeln musste:

[...]
Danke für Ihren inspirierenden Vortrag.

Ich habe dastehend keine Schwierigkeiten, natürlich und selbstbewusst zu wirken, lediglich mein Alter, welches ich vor wenigen Tagen mit 60 Jahresringen erreichen durfte, gefällt potentiellen Arbeitgebern nicht wirklich..., Erfahrung ist eben doch nicht alles... ;-)

[...]

Mein Gedanke war sofort: Mmh... wenn Sie glauben, dass Erfahrung eben nicht alles ist und ein gewisses Alter Arbeitgebern nicht gefällt, wundern Sie sich, dass sich die Jobsuche als schwierig entpuppt?

Ich habe ihr ans Herz gelegt, diesen Glaubenssatz einmal zu hinterfragen, so, wie sie es in meinem Vortrag gelernt hat.

Das rate ich so ziemlich jedem, der mir mit solchen Glaubenssätzen um die Ecke kommt.

Ja, einige Glaubenssätze halten sich hartnäckig, doch wir dürfen immer wieder überprüfen, ob diese tatsächlich die ultimative Wahrheit sind. Meist werden wir feststellen, dass es oft nur Gehirnfürze, wie ich sie gerne nenne, sind, die uns bremsen, statt unterstützen. Und gerade bei der Jobsuche ist für mich oft nicht verwunderlich, dass hoch qualifizierte, gebildete Menschen mit einzigartiger Erfahrung keinen Job finden, wenn ich höre, was sie über sich, den potentiellen Arbeitgeber, den Arbeitsmarkt, die wirtschaftliche Lage, etc. glauben.

Darum werde ich nicht müde zu sagen: wir erleben, was wir denken.

Mein Buch „Nimm dich mal wichtig“ ist für mich eine echte Herzensangelegenheit.Ich habe es für Frauen und Männer geschri...
07/07/2026

Mein Buch „Nimm dich mal wichtig“ ist für mich eine echte Herzensangelegenheit.

Ich habe es für Frauen und Männer geschrieben, die viel leisten, oft funktionieren und sich selbst dabei zu leicht aus dem Blick verlieren.

Ein Mann war übrigens die Inspiration für dieses Buch.

Für mich geht es dabei um weit mehr als ein paar nette Gedanken für zwischendurch.

Es geht um Selbstachtung, Klarheit und den Mut, sich selbst im eigenen Leben wieder mehr Raum zu geben.

„Nimm dich mal wichtig“ lädt dich ein, genauer hinzuschauen:

Was brauchst du wirklich?
Und wo kommst du selbst zu kurz?

Es ist ein Impuls, dich selbst wieder ernst zu nehmen, deine Bedürfnisse klarer zu sehen und bewusster für dich einzustehen.

Wenn du für den Urlaub eine Lektüre suchst, die gut ins Gepäck passt und im Alltag weiterarbeitet, dann schau dir mein Buch gern an.

Erhältlich als Taschenbuch, gebundene Ausgabe und eBook: https://amzn.eu/d/00b0yDEs

Ich habe gerade nicht besonders viel zu sagen.Wenn ich durch Social Media scrolle, habe ich das Gefühl, dass viele Mensc...
20/05/2026

Ich habe gerade nicht besonders viel zu sagen.

Wenn ich durch Social Media scrolle, habe ich das Gefühl, dass viele Menschen sehr schnell sehr viel Meinung haben. Zu politischen, gesellschaftlichen und beruflichen Themen ebenso wie zu privaten Entscheidungen anderer Menschen.

Austausch ist wichtig. Diskussion ist wichtig. Haltung ist wichtig.

Was ich allerdings immer häufiger beobachte, ist etwas anderes. Viele Beiträge und Kommentare wirken nicht wie ein reflektierter Beitrag, sondern wie eine spontane emotionale Entladung. Jemand liest etwas, fühlt sich getroffen, bewertet innerhalb weniger Sekunden und schreibt eine Antwort, die vielleicht kurz Erleichterung verschafft, aber selten konstruktiv ist.

Dabei frage ich mich oft, ob dieser Kommentar wirklich nötig gewesen wäre. Oder ob ein kurzer Moment des Innehaltens gereicht hätte, um zu merken: Hier geht es vielleicht gar nicht nur um das Thema. Hier wurde auch etwas in mir berührt.

Ich kenne solche Reaktionen selbst. Wir alle kennen sie. Es gibt Sätze oder Haltungen anderer Menschen, die sofort etwas in uns auslösen. Manchmal ist es Ärger. Manchmal ist es Unsicherheit. Manchmal ist es das Gefühl, nicht gesehen oder nicht ernst genommen zu werden.

Der Punkt ist nur: Nicht jeder innere Impuls muss sofort nach außen getragen werden.

Unser Gehirn liebt Klarheit. Es möchte einordnen und Sicherheit herstellen. Es möchte wissen, ob etwas richtig oder falsch ist, gefährlich oder harmlos, für uns oder gegen uns. Das ist menschlich und oft sinnvoll.

Nur leben wir gerade in einer Zeit, in der vieles nicht eindeutig ist. Politisch nicht. Beruflich nicht. Gesellschaftlich nicht. Privat oft auch nicht.

Und genau da zeigt sich für mich eine Qualität, die uns an vielen Stellen fehlt: Ambiguitätstoleranz. Also die Fähigkeit, Widersprüche und Unsicherheit auszuhalten, ohne sofort alles bewerten, bekämpfen oder wegdiskutieren zu müssen.

Ich glaube, echte Reife zeigt sich nicht darin, zu allem sofort eine Meinung zu haben. Sie zeigt sich darin, einen Moment länger bei sich zu bleiben, bevor man reagiert.

Was genau triggert mich hier gerade? Warum will ich sofort antworten? Geht es mir wirklich um Austausch, oder möchte ich gerade nur Spannung loswerden? Will ich etwas beitragen, oder will ich einfach nur recht haben?

Das sind unbequeme Fragen. Aber sie würden vielen Diskussionen guttun.
Denn eine klare Haltung ist wichtig. Aber eine klare Haltung ohne Selbstreflexion wird schnell zur Rechthaberei.

Vielleicht brauchen wir mehr Menschen, die nicht jeden Trigger zur Wahrheit erklären. Menschen, die nicht jede Irritation sofort in Angriff verwandeln. Menschen, die Spannung aushalten können, ohne sofort eine einfache Antwort finden zu müssen.

Das wäre für mich echte Selbstführung. Auch dort, wo wir scheinbar nur schnell einen Kommentar schreiben.

Vielleicht beginnt konstruktive Kommunikation genau dort, wo wir nicht sofort reagieren, sondern erst einmal ehrlich mit uns selbst werden.

27/04/2026

Mich beschäftigt gerade ein Beitrag auf LinkedIn, in dem eine Frau beschreibt, dass eine Bekannte angeblich gekündigt wurde, weil sie „zu selbstbewusst“ gewesen sei.

Und ja, natürlich triggert so eine Aussage.

Gerade Frauen erleben im beruflichen Kontext immer noch, dass Klarheit schnell als schwierig, Stärke als unbequem und Selbstbewusstsein als Bedrohung gelesen wird. Das will ich gar nicht kleinreden.

Genau deshalb sollten wir das Ganze differenzierter betrachten.

Denn die Frage ist doch: Was ist wirklich passiert?

Was meinten die beteiligten Führungskräfte mit „zu selbstbewusst“?

Meinten sie tatsächlich Selbstbewusstsein im wortwörtlichen Sinne?

Oder ging es vielleicht um Auftreten, Kommunikation, Konfliktverhalten, Tonalität, Teamdynamik oder etwas ganz anderes?

Ich weiß es nicht.

Und genau das ist der Punkt.

Niemand von uns war dabei.

Wir lesen eine Erzählung über eine Bekannte, die ihre Erfahrung durch ihre eigene Wahrnehmungsbrille schildert. Diese Erzählung wird von einer weiteren Person aufgenommen, ebenfalls durch deren eigene Prägung, Haltung und Interpretation. Danach landet sie auf LinkedIn, und plötzlich wissen hunderte Menschen ganz genau, was passiert ist.

Kündigungsschutzklage hier.

Abfindung da.

„Typisch Führungskräfte.“

„Typisch alte weiße Männer.“

Und ich sitze davor und denke: Leute, ernsthaft?

Wo ist die Pause zwischen Reiz und Reaktion geblieben?

Wo ist die Frage geblieben, ob wir gerade Fakten bewerten oder eine Interpretation?

Wo ist die Bereitschaft, einen Moment lang auszuhalten, dass wir nicht genug wissen?

Mich macht das traurig, weil genau hier sichtbar wird, wie schnell aus Empörung eine kollektive Vorverurteilung wird.

Und nein, das bedeutet nicht, dass ich die betroffene Frau infrage stelle.

Es bedeutet auch nicht, dass ich Führungskräfte automatisch verteidige.

Es bedeutet nur, dass ich finde: Wenn wir über Selbstbewusstsein, Macht, Führung und Fairness sprechen, brauchen wir mehr Differenzierung als „die Guten hier, die Bösen dort“.

Selbstbewusstsein bedeutet für mich nicht, sofort öffentlich zu urteilen.

Selbstbewusstsein bedeutet, sich der eigenen Wahrnehmung bewusst zu sein.

Es bedeutet, die eigene Empörung ernst zu nehmen, aber ihr nicht blind das Steuer zu überlassen.

Es bedeutet, Fragen zu stellen, bevor man Schlüsse zieht.

Und manchmal bedeutet es auch, auszuhalten, dass eine Geschichte komplizierter sein könnte, als sie auf LinkedIn klingt.

Ich wünsche mir mehr Frauen, die selbstbewusst sind.

Sehr sogar.

Aber ich wünsche mir auch mehr Menschen, die reflektiert genug sind, nicht jede starke Emotion sofort für die ganze Wahrheit zu halten.

Denn genau da beginnt aus meiner Sicht echte innere Stärke.

Heute Morgen habe ich viele Hochstaplerinnen getroffen. 😉In meinem Online-Vortrag „Schluss mit dem Imposter-Syndrom“, or...
22/04/2026

Heute Morgen habe ich viele Hochstaplerinnen getroffen. 😉

In meinem Online-Vortrag „Schluss mit dem Imposter-Syndrom“, organisiert vom Büro für Staatsbürgerliche Frauenarbeit e.V., ging es um genau diese destruktiven Gedanken, die viele Frauen im Job kennen:

„Ich bin gar nicht so kompetent, wie andere denken.“
„Andere sind besser als ich.“
„Wenn ich Fehler mache, merken alle, dass ich eigentlich nichts kann.“

Das Imposter-Syndrom bedeutet nicht, dass jemand tatsächlich wenig kann.

Es beschreibt vielmehr das Gefühl, den eigenen Erfolg nicht verdient zu haben und irgendwann als „Hochstaplerin“ entlarvt zu werden, trotz objektiver Kompetenz.

Genau das macht es so tückisch:
Von außen wirken viele Frauen souverän, leistungsstark und verantwortungsbewusst.
Von innen laufen Zweifel, Perfektionismus, Vergleiche und die Angst vor Fehlern.

Im Vortrag haben wir darüber gesprochen, wie diese Denkmuster entstehen. Häufig nicht aus dem Nichts, sondern aus frühen Prägungen wie:

Leistung = Anerkennung
Bescheidenheit wird stark betont
frühe Kritik oder ständiger Vergleich
sehr früh Verantwortung übernehmen

Und wir haben auch über die Lösung gesprochen.

Nicht darüber, „lauter“ zu werden. Nicht darüber, sich einfach nur zusammenzureißen. Sondern über Selbstbewusstsein im wahrsten Sinne des Wortes:

sich seiner selbst bewusst zu sein.

Denn genau da beginnt Veränderung:
wenn Frauen ihre Stärken klarer sehen, ihre vermeintlichen Schwächen hinterfragen, ihre Werte kennen und alte Muster nicht länger für die Wahrheit halten.

Mein wichtigster Satz aus dem Vortrag heute Morgen war:

Der Gedanke „Ich bin nicht gut genug“ ist keine Tatsache.

Danke an das Büro für Staatsbürgerliche Frauenarbeit e.V. für die, wie immer, tolle Organisation und an alle Teilnehmerinnen für Ihre Offenheit.

„Nein sagen“ will gelernt sein. Und genau darin liegt oft der eigentliche Kern.Anfang März durfte ich beim Frauenfrühstü...
27/03/2026

„Nein sagen“ will gelernt sein. Und genau darin liegt oft der eigentliche Kern.

Anfang März durfte ich beim Frauenfrühstück zum Internationalen Frauentag in Flörsheim einen Impulsvortrag zum Thema Abgrenzung halten. Im Nachgang ist dazu dieser Artikel erschienen. Beim Lesen wurde mir noch einmal sehr deutlich, wie grundlegend dieses Thema für viele Frauen nach wie vor ist.

Denn Nein sagen ist selten einfach nur eine Frage der richtigen Formulierung. Es ist meist auch keine Frage von Schlagfertigkeit oder Durchsetzungsstärke. Viel häufiger geht es um etwas, das tiefer liegt.

Viele Frauen wissen sehr genau, dass sie an bestimmten Stellen Nein sagen sollten. Und dennoch tun sie es nicht. Nicht, weil sie schwach wären. Nicht, weil sie es nicht besser wüssten. Sondern weil in genau diesen Momenten alte Überzeugungen aktiv werden.

Dann tauchen innere Sätze auf wie: Ich darf niemanden enttäuschen.
Ich muss es allen recht machen.
Wenn ich Nein sage, wirke ich egoistisch.
Wenn ich mich abgrenze, werde ich abgelehnt.

Solche Gedanken entstehen nicht erst im aktuellen Moment. Sie haben meist eine längere Geschichte. Und genau deshalb hilft es oft nur begrenzt, sich vorzunehmen, beim nächsten Mal „einfach klarer“ zu sein.

Was es braucht, ist Bewusstheit.

Bewusstheit darüber, was in einem selbst abläuft. Bewusstheit darüber, welche Muster greifen. Bewusstheit darüber, dass ein Nein kein Angriff ist, sondern Ausdruck von Selbstführung.

Für mich hängt das eng mit Selbstbewusstsein im eigentlichen Wortsinn zusammen. Selbstbewusstsein bedeutet nicht Lautstärke. Es bedeutet, sich seiner selbst bewusst zu sein. Wer die eigenen Bedürfnisse, Grenzen und Werte kennt, kann sie auch klarer vertreten. Nicht hart. Nicht übergriffig. Sondern respektvoll und eindeutig.

Genau das war auch im Austausch mit den Frauen vor Ort spürbar. Viele der geschilderten Situationen waren völlig unterschiedlich und hatten doch einen gemeinsamen Kern: die Schwierigkeit, bei sich zu bleiben, wenn im Außen Erwartungen, Druck oder die Angst vor Ablehnung spürbar werden.

Abgrenzung ist deshalb für mich kein Randthema. Sie ist eine Fähigkeit, die sowohl im beruflichen als auch im privaten Alltag zentral ist. Sie schützt nicht nur vor Überforderung, sondern schafft Klarheit, Verlässlichkeit und letztlich auch bessere Beziehungen.

Ich freue mich sehr über diesen Artikel und über die Möglichkeit, diesem Thema noch einmal Sichtbarkeit zu geben. Und ich freue mich vor allem darüber, dass solche Gespräche zeigen, wie viel in Bewegung kommen kann, wenn Frauen beginnen, sich selbst ernster zu nehmen.

Adresse

Erbenheim
65205

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