13/07/2020
10.07.20 – 31. Tag – Hanweiler nach Mittersheim (Saarkanal)
Am nächsten Morgen sieht der Skipper das erste Boot ablegen, ein Stück die Saar zurückfahrend um weiter vorne das Signal für die Schleusung auszulösen. Eine Stunde später starten auch wir und wissen noch nicht, dass dies unser Großkampftag wird. 8 Stunden Fahrzeit für 45 km und 14 Schleusen! Es darf nur noch mit 6 km/h gefahren werden, woran sich der Skipper leider nicht immer halten kann, weil wir noch unser Ziel, was sich an diesem Tag stündlich ändert, erreichen müssen.
Wir starten erfolgreich mit der Schleuse 28 in Saargemünd (Die Nummer steigen ab). Auch die 27 geht noch, aber dann kommt die 26 und wir finden den Signalmast nicht. Umkehren und zurück das Ganze, irgendwo muss das Ding ja stehen. Aber wir finden nichts und Fragen ein Skipper Paar aus Deutschland, das dort festliegt und gerade an Deck rumwuselt. „Ganz vorn – links“ Also wieder vor die Schleuse und siehe da, der Empfänger ist genau neben dem Schleusenlicht angebracht. Erkennbar an dem blauen Schild und dem inaktiven Blinklicht, dem wir nun Leben einhauchen. Das wird uns später noch einmal begegnen.
Die Schleusen, die wir an diesem Tag fahren, haben alle die gleiche Macke. Es gibt weder eine Stange an der man fest machen kann, noch Schwimmpoller. Es gibt rechts und links nur jeweils eine Leiter und in größeren Abständen befinden sich Vertiefungen, in denen man einen relativ kurzen Stahlstab findet. Nennen wir das mal französische Poller. Festmachen an der Leiter soll angeblich verboten sein.
Wir denken uns das der gemeine Franzose mit einem Tau, das an der Mittelklampe des Bootes festgemacht ist, vielleicht noch eine Heck- oder Bugleine, die Treppe hinaufsteigt, die Taue um einen Poller legt und wieder zurück an Bord gibt oder selbst in der Hand hält. Natürlich wird er auch die Stangen für den Schleusenvorgang „bewegen“.
Wir versuchen an diesem Tag zwei verschiedene Techniken, da wir keine Absicht haben die verschmutzten Treppen hinaufzusteigen. Dabei muss man erklären, dass die Stangen, die man betätigen muss, im vorderen Drittel der Schleuse angebracht sind, aber eine Möglichkeit zum Festmachen einige Meter davor ist. Entweder an eine Leiter oder einen der französischen Poller in der Wand. Der Skipper fährt nun so an diese Stelle heran und die Skipperin legt die Leine um den Poller oder zieht die Leine so hoch wie möglich, am besten oberhalb des späteren Wasserspiegels durch die Leiter. (Dann doch die Leiter, ist ja keiner da!)
Die Leine, die wir verwenden, haben wir aus zwei Leinen zusammengeknotet und verfügt nun über eine Länge von mehr als 20 m. Es macht natürlich keinen Sinn diese 20 m Leine durch die Leiter zu ziehen, sondern die Skipperin nimmt das Auge des Taus, zieht es durch die Leiter und befestigt das Auge an der Mittelklampe. Das andere Ende erhält der Skipper in die Hand, der es locker am Steuerstand über den Arm gleiten lässt und das Boot soweit nach vorne fährt, bis die Skipperin mit sicherem Stand und dem Einsatz beider Hände die Stange nach ober drücken kann. Dann das Boot wieder zurück setzen bis auf die Höhe der Leiter oder den Poller und nun übernimmt wieder die Skipperin das Tau. Zieht man nun noch das Tau unter der Reling durch, bleibt das Boot ziemlich stabil an der Schleusenwand.
Für diese Rückwärtsfahrt und das weitere Manöver bleibt genügend Zeit, denn zunächst muss der Automatismus erst das untere Schleusentor schließen, was sich mit einem Klingelton ankündigt.
Kann man aber keine Leiter belegen sondern muss einen französischen Poller benutzen, kann es schon ganz schön zappelig werden. Zunächst legt man das Tau um den Poller und fährt das Manöver wie beschrieben. Dann aber muss der Skipper das Tau so halten, das es nicht über den Poller rutscht, während die Skipperin versucht mit dem gleichen Tau einen Poller auf der Schleuse zu erreichen. Dabei ist es uns ein paarmal passiert, dass das Tau von dem unteren Poller rutschte, weil der Wasserspiegel beim Schleusen schon zu hoch war und oben der zweite Poller noch nicht belegt war. Es wurde zappelig und war nur mit Bug- und Heckstrahlruder zu korrigieren.
Größere Boote haben es da wesentlich einfacher. Von dem höher gelegenen Deck können sie die Taue einfach über die Poller oben auf der Schleuse legen und fertig.
An diesem Tag sind wir durch bewaldetes Gebiet, aber auch durch Felder gefahren. Grün wohin das Auge schaute. Natur pur, aber leider keine netten Örtchen, die einen mal zum Stopp und schlendern angeregt hätten. Die Gegend, die wir befuhren, wirkte nicht sehr wohlhaben zu sein, eher das Gegenteil. Häuser mit Eternitplatten verkleidet. Fassaden bei denen der Verputz abbröckelte und seit seiner Errichtung nicht mehr gestrichen wurde.
Sehr zum Missvergnügen des Skippers kam hinzu das sehr bald nach dem Start der Kanal massiv mit Tang überwuchert war. Mehrfach hat sich der Tang um den Antrieb gewickelt und konnte nur durch Rückwärtsfahren ein wenig reduziert werden. Das Echolot fiel ebenfalls aus und der Skipper hatte Sorge, dass auch das Seewasserventil, was das Kühlwasser für den Motor ansaugt, verstopften könnte. Die Gefahr bestand darin, dass dann der Motor zu heiß wird, mit allen schädlichen Folgen, die dann dazu gehören. Oder noch besser Bug- und Heckstrahlruder ausfallen weil verstopf. Grrr
Erfolgreich abgeschafft erreichen wir die Anlagestelle von Mittersheim. Hier treffen wir auf das Boot, das am frühen morgen eine Stunde vor uns losgefahren ist. Sie berichten uns von einem Bodenkontakt bei der Fahrt in einem Gebiet ohne Tang. Auch wir haben das erlebt und das hat dem Skipper das Ruder aus der Hand geschlagen und BERA drohte auf das Ufer aufzulaufen. Da haben wir wohl beide die gleiche Stelle erwischt.
Die beiden sind auf dem Weg nach Sardinien. Wir berichten von unseren für dieses Jahr aufgegebenen Plänen und wünschen den beiden eine gute Fahrt.
Das Lokal an der Anlegestellt hat leider geschlossen. Stattdessen kocht der Skipper eine Spaghettisauce unter Verwendung der noch an Bord befindlichen Zutaten. Die Skipperin findet die Sauce ordentlich – der Skipper denkt: Glück gehabt – war Resteküche.
Am nächsten Tag werden wir abreisen ohne etwas für den Liegeplatz, Strom oder Wasser zu bezahlen. Hier wie auch an dem ebenfalls neu gebauten Liegeplatz in Harskirchen gibt es niemanden der die Gebühren erhebt. Angeblich hat man kein Personal dafür, aber vielleicht rechnet es sich nicht jemanden zu bezahlen, der weniger oder genau soviel einnimmt wie sein Lohn beträgt.