22/06/2026
Motor Trachenberge trauert um Udo Post
Sein letzter Gegner war unnachgiebig, brutal und übermächtig. Udo Post hat sich ihm tapfer gestellt und das Schicksal seiner schweren Erkrankung ertragen. Als ihm seine langjährigen Weggefährten Frank Konrad und Andreas Fohrwerk, mit denen gemeinsam er schöne Trainerjahre bei Motor Trachenberge erlebt hatte, am 21. April einen Besuch im Hospiz am Radebeuler Augustusweg abstatteten, konnten sie zwei Stunden mit ihm sprechen. Einen gefassten Eindruck habe er gemacht, zudem ließ Udo über sie noch letzte Grüße an alle Trachenberger ausrichten. Danach musste er noch quälend lange weitere zwei Monate im Sterbebett verbringen, bis er am 19. Juni 2026 von seinem Leiden erlöst wurde.
In tiefer Trauer verabschiedet sich die SG Motor Dresden-Trachenberge nun von ihrem hochverdienten Ehrenmitglied sowie ehemaligen Spieler und Trainer Udo Post, der im Alter von 72 Jahren viel zu früh verstorben ist. Udo prägte unseren Verein nicht nur über Jahre, sondern insgesamt mehr als ein halbes Jahrhundert lang. Die größten Erfolge der ersten Männermannschaft im Fußball von den 1970er bis 1990er Jahren sind für immer aufs Engste mit seinem Namen verbunden.
Geboren am 11. November 1953 in Pirna, zog er im Alter von vier Jahren an die Hans-Sachs-Straße nahe dem Trachenberger Platz. Fünf Jahre später meldete ihn sein Vater bei der BSG Motor Trachenberge-West an, für die er bis zur Auflösung seiner Nachwuchsmannschaft Ende der 1960er Jahre aktiv war. Gezwungenermaßen wechselte Udo daraufhin zu Motor Industriegelände, kehrte aber mit Erreichen des Erwachsenenalters an die Aachener Straße zurück. Seine erste Saison im Herrenbereich endete direkt mit einem der größten Erfolge der Vereinsgeschichte: Die SG Motor, die damals in der 2. Kreisklasse Dresden spielte (Vorläufer der Stadtliga B), gewann 1972 durch den Finalsieg gegen Empor Löbtau sensationell als erste unterklassige Mannschaft den Dresdner FDGB-Kreispokal, den nunmehrigen Stadtpokal. Als seinerzeit jüngster Stammspieler dieser Truppe hatte Udo daran seinen Anteil.
Wenige Monate später trat er seine anderthalbjährige Armeedienstzeit bei der NVA an, während der er in Ost-Berlin für die ASG Vorwärts Treptow aktiv war. Im Gegensatz zu diesmal war aber auch sein zweiter unfreiwilliger Abschied längst nicht für immer: Nach seiner Rückkehr absolvierte er 1974/75 seine zweite vollständige Saison für die erste Männermannschaft, die gleich mit dem nächsten Erfolg endete: Trachenberge krönte sich zum Dresdner Kreismeister und stieg in die Bezirksklasse auf. Damals bekam Udo mit gerade mal 21 Jahren eine verantwortungsvolle Position auf dem Rasen übertragen: Er war seither der Libero.
Im VEB Transformatoren- und Röntgenwerk (TuR) Dresden absolvierte er die Meisterschule, wurde Meister im Transport und Umschlag. Und er widerstand seinerzeit dem Druck seitens seines Arbeitgebers, zu dessen Betriebssportgemeinschaft Motor TuR Übigau zu wechseln. Stattdessen schrieb er lieber seine Trachenberger Erfolgsgeschichte weiter, nunmehr als Mannschaftskapitän.
Von 1987 bis 1991 war er Spielertrainer, danach Cheftrainer der ersten Männermannschaft. Diese wurde 1995 unter seiner Ägide Meister der Bezirksklasse Staffel 4, was bis heute der größte Erfolg in der Trachenberger Vereinsgeschichte ist. Leider scheiterten die Motoren damals in der Aufstiegsrelegation, sodass ihnen der Aufstieg in die Bezirksliga verwehrt blieb. Udo kickte seit 1991 nur noch für die Alten Herren, musste sich aber wegen Personalmangels im April 2000 bei einem Spiel in Lommatzsch ausnahmsweise auch noch mal in der Bezirksklasse selbst einwechseln. Wenige Monate später löste ihn Andreas Fohrwerk als Trainer ab. Seither betreute Udo gemeinsam mit Frank Konrad die Alten Herren als Trainer, er selbst kickte mit Anfang 60 letztmals bei einem Pflichtspiel mit. Im Rahmen des Vereinsfests zum 70-jährigen Bestehen von Motor Trachenberge im Juli 2022 erklärte er seine Trainerkarriere für beendet. Wenige Monate später wurde er aufgrund seiner herausragenden Verdienste in den erlauchten Kreis der Ehrenmitglieder unseres Vereins aufgenommen. Bereits 1998 hatte er als langjähriger Ehrenamtler die Verdienstnadel des Sächsischen Fußballverbands (SFV) erhalten.
Eigentlich wollte er nur noch als Zuschauer in Erscheinung treten. Doch als Motor Trachenberge im Sommer 2024 erstmals eine eigene Ü50-Mannschaft in den Spielbetrieb schickte, kribbelte es dann doch wieder und Udo übernahm den Trainerposten. Dies sollte zwar auch wegen seines glücklichen Händchens einmal mehr von Erfolg gekrönt, aber leider nicht von längerer Dauer sein. Denn seine Erkrankung schränkte ihn immer mehr ein. Sein Verein und seine Vereinskameraden lagen ihm immer am Herzen. Auch in schwierigen Zeiten. Im Mai 2023 verstarb seine Frau Gabi. Nun hat er selbst den Rasen für immer verlassen. Udo hinterlässt seine beiden Töchter Andrea und Jana. Und viele traurige Sportkameraden, die aber viele positive Erinnerungen an ihn in den Köpfen behalten werden. Seinen Hinterbliebenen wünschen wir in dieser schwierigen Zeit viel Kraft. Die SG Motor Dresden-Trachenberge wird Udo Post stets ein ehrendes Andenken bewahren.
Dresden, 22. Juni 2026 / Der Vorstand