14/09/2026
𝗕𝗲𝗿𝘂𝗳, 𝗣𝗿𝗶𝘃𝗮𝘁𝗹𝗲𝗯𝗲𝗻, 𝗘𝗶𝘀𝗵𝗼𝗰𝗸𝗲𝘆 𝘂𝗻𝗱 𝗧𝗿𝗮𝗶𝗻𝗶𝗻𝗴 𝗶𝗺 𝗦𝗼𝗺𝗺𝗲𝗿
Als Regionalligaspieler in Deutschland muss man sich Jahr für Jahr die Frage stellen: Wie kann ich mich über die diesjährige Sommerpause fit halten?
„Eishockeyspieler werden im Sommer gemacht.“ Diese geläufige Weisheit eines jeden Eishockeytrainers sagt nichts anderes aus, als dass der Grundstein für die physischen Herausforderungen einer Saison außerhalb der Eiszeiten gelegt werden muss. Die ebenso wichtigen Aspekte wie Stocktechnik, Zusammenspiel oder Taktik lassen sich am besten im Verbund auf dem Eis trainieren. Da der schnellste Mannschaftssport der Welt jedoch auch eine äußerst körperbetonte Angelegenheit ist, muss auch in der höchsten Amateurklasse Deutschlands der Körper über den Sommer auf die Strapazen einer anstehenden Spielzeit vorbereitet werden.
Im Gegensatz zu den Vollprofis stellt sich der Großteil der Regionalligaspieler in Deutschland Jahr für Jahr die Frage: „Wie schaffe ich es in den Monaten von April bis September ein Studium, eine Ausbildung, einen Vollzeitjob, Familie und Freunde sowie mein Sommertraining in einen Zeitplan zu integrieren?“ Logistisch und absprachetechnisch für alle Beteiligten eine wahre Herausforderung.
Somit stehen auch Jahr für Jahr unangenehm zu beantwortende Fragen im Raum. Sind die Arbeitszeiten, gemeinsame Zeit mit der Frau und das Training noch vereinbar? Kann ich es mir leisten, mein Arbeitsleben zugunsten meiner Familie und des Sports umzugestalten? Ist es mir das wert, den erarbeiteten Status bei meinem Arbeitgeber aufzugeben, um bei einem anderen Arbeitgeber noch einmal neu anzufangen? Kann ich es mir noch erlauben, meiner sportlichen Leidenschaft nachzugehen?
Im Fall unseres Neuzuganges Knut Apel stellten sich all diese Fragen auch über den Sommer. „Meine Frau und ich hatten viele und auch zum Teil hitzige Diskussionen darüber, wie es für die folgende Saison weitergehen kann. Wir sind dann zu dem Entschluss gekommen, dass sich etwas ändern muss.“ In den Jahren zuvor hat der gebürtige Krefelder auf unterschiedlichste Weisen trainiert, auch unter dem Aspekt seines weiteren Werdeganges. „Im Zuge meines Studiums musste ich auch ein Pflichtpraktikum absolvieren. Meine Entscheidung fiel auf ein Museum in meiner Heimatstadt Krefeld. Zum Glück hatte ich noch guten Kontakt zum damaligen und heutigen Trainer der Krefelder DNL, Elmar Schmitz. Er ließ mich über das achtwöchige Praktikum mit seiner Mannschaft mittrainieren.“
Aber auch abseits des Kufensports versuchte sich Knut auf unterschiedliche Arten fit zu halten. So spielte er naheliegenderweise auch zwei Jahre Inline-Hockey bei den Rhein-Main-Patriots. „In anderen Jahren blieb mir jedoch nichts anderes übrig, als mich mit dem Basketball auf dem Freiplatz hinter unserer Wohnung auf die Saison vorzubereiten. Ich hasse Linienläufe, insbesondere mit Ball, allerdings hat mir diese Alternative auch wieder mehr Zeit mit meiner Frau ermöglicht und ich konnte mein Studium abschließen.“
Von Spielzeit zu Spielzeit mussten immer wieder neue und auf die Lebensumstände angepasste Möglichkeiten gefunden werden, das Training in einen gemeinsamen Zeitplan zu integrieren. „Ich muss auch zugeben, dass es für uns beide eine Herausforderung darstellt, die gemeinsame Zeit bestmöglich zu nutzen. Daher bin ich auch froh, dass wir diese Lösung für uns gefunden haben.“
Diese sah so aus, dass Knut einen neuen Job annahm, der die Pendlerstrecke verringerte, somit den Sport seiner Frau über den Sommer mitmachen zu können. „Kim ist vor zwei Jahren in den Rennradsport eingestiegen. Dieses Jahr haben wir ihr dann das erste lizenzierte Rennrad gekauft. Wir wollten einfach zusammen über den Sommer so viel Zeit wie möglich miteinander verbringen, ohne dass ihr Studium, Hobby oder mein Training darunter leiden müssen“, erklärte der neue Rockets-Spieler.
Der Plan stand, jedoch musste noch ein gemeinsames Ziel gefunden werden, auf das es sich lohnte hinzutrainieren. „Meine Frau kam dann mit der irrwitzigen Idee, am Bodensee Radmarathon mitzumachen. 156 km am Stück mit teils starken Anstiegen. Da war mir klar, ich kann das Ganze nicht halbherzig angehen. Also wurde der Arbeitsweg kurzerhand in eine nahezu tägliche Trainingseinheit umfunktioniert.“ Morgens wurde das Auto stehen gelassen und der Arbeitsweg mit dem Fahrrad absolviert. Abends sowie am Wochenende kamen noch gemeinsame Ausfahrten hinzu.
Am vergangenen Wochenende fand dann die Rundfahrt um den Bodensee statt. Mit Kim und Knut am Start. „Es war definitiv eine Herausforderung. Doch die Vorbereitung von uns beiden war gut und ich bin insbesondere extrem stolz auf die Leistung meiner Frau. Wir haben von Anfang bis Ende die 156 km gemeinsam absolviert und sie hat kämpfen müssen. Dabei ist sie auch über ihre körperlichen Grenzen gegangen und hat es trotzdem zu Ende gebracht“, erzählt der sichtlich stolze Ehemann.
Sein Fazit zum absolvierten Sommertraining fiel wie folgt aus: „Dank des vielen und intensiven Radfahrens sollte ich mit guter Kondition und Beinmuskulatur in die anstehende Saison starten. Bezogen auf meine Vorbereitung für die Saison denke ich, dass wir es dieses Jahr so gut koordiniert und umgesetzt bekommen haben wie noch nie zuvor. Für eine weitere Saison würde ich es noch einmal genau so machen wie in diesem Sommer.“
Die Früchte des Sommertrainings von allen Spielern der Rockets könnt ihr am kommenden Wochenende begutachten. Am Samstag, den 19. September 2026, gastieren die Nijmegen Devils aus der niederländischen Eredivisie am Heckenweg und einen Tag später kommt um19:15 Uhr mit den Pforzheim Bisons ein Vertreter der Baden-Württemberg-Liga zum Test nach Diez. Persönlich könnt ihr die Spieler auf der Saisoneröffnungsfeier vor dem Spiel gegen Nijmegen kennenlernen. Das Rahmenprogramm beginnt gegen 15:00 Uhr, ehe um 18:15 Uhr das Eröffnungsbully stattfindet.