13/05/2025
Exkursion in die Biodiversitätsstadt Bad Saulgau – ein Rückblick
Am 10.5. machten sich 33 neugierige Menschen aus Diespeck und Umgebung auf den Weg nach Bad Saulgau. „Biodiversitätsstadt“- was uns da wohl erwarten würde?
Wir kamen früher als gedacht an und konnten die Zeit nutzen, um durch die Stadt zu schlendern, einen Kaffee im Sonnenschein zu trinken oder über den Markt zu bummeln.
Im Stadtforum empfing uns dann der Umweltbeauftragte Thomas Lehenherr und stellte uns in einem sehr anschaulichen Vortrag das Biodiversitätskonzept der Stadt vor. Schon seit Mitte der 1990er Jahre wird sich dort für die Artenvielfalt eingesetzt und ein inzwischen deutschlandweit anerkanntes Konzept entwickelt und umgesetzt. 2011 erhielt Bad Saulgau die Auszeichnung „Landeshauptstadt der Biodiversität“ und gewann seitdem etliche Preise, unter anderem auch Gold beim „Entente Florale Europe“, dem größten europäischen ökologischen Wettbewerb.
Das Biodiversitätskonzept der Stadt stützt sich auf fünf Säulen, die Herr Lehenherr erläuterte und mit Bildern veranschaulichte:
- Naturpfade und Naturwanderwege
- Gewässerrenaturierungen
- Biotopanlagen
- Umwandlung von Einheitsgrün in artenreiches Grün im Siedlungsbereich
- Der NaturThemenPark (NTP)
Herr Lehenherr zeigte uns die Vorteile dieses Konzeptes auf. Anfangs, als es darum ging, die Flächen umzugestalten, neu anzusäen und anzupflanzen, sei der Aufwand für den Bauhof und die Stadtgärtnerei natürlich intensiv gewesen.
Die Blühflächen würden zwei Mal im Jahr gemäht und abgerecht, um die Fläche mager zu halten und die Blütenvielfalt zu ermöglichen. Dadurch, dass nicht gemulcht, sondern abgerecht werden müsse, sei es zwar bei beiden Mahden mehr Arbeit, allerdings fielen die Stunden, die sonst aufgebracht werden müssen, um häufiger zu mähen, weg.
Inzwischen sei auch eine deutliche Kostenersparnis spürbar, da bei Beeten und Rabatten auf einjährige Bepflanzung verzichtet und auch kein Dünger eingesetzt würde. Die Beete wurden mit mehrjährigen und gut hitzeverträglichen Stauden bepflanzt. Somit sei der Pflegeaufwand überschaubar.
Von Anfang an wurde die Bevölkerung und viele öffentliche und nichtöffentliche Einrichtungen und Organisationen mit einbezogen. Bei der Umsetzung zahlreicher Projekte, etwa bei Gewässeraktionen und Baumpflanzungen, arbeiten der Umweltbeauftragte und die Stadtgärtner:innen beispielsweise mit Schulklassen und Firmen zusammen. Auch für die Bevölkerung gibt es bei Aktionstagen Möglichkeiten, sich zu beteiligen.
In der Stadt informieren große und kleine Hinweistafeln über den Sinn und Zweck der angelegten Flächen und auch beim Warten an der Ampel oder am Ortseingang gibt es Informationsmöglichkeiten.
Da wir für unsere Exkursion als Schwerpunkt für die 4. Säule „Umwandlung von Einheitsgrün in artenreiches Grün im Siedlungsbereich“ gewählt hatten, führten uns anschließend der Stadtgärtner Jens Wehner seine Frau durch die Stadt und zeigten uns zahlreiche Projekte. So sind beispielsweise alle Verkehrsinseln begrünt, auf den Seitenstreifen blüht und grünt es und durch die ganze Stadt finden sich unzählige Staudenbeete mit Pflanzen, die gut mit den neuen, herausfordernden klimatischen Bedingungen zurechtkommen. Bei der Neupflanzung von Bäumen in der Innenstadt und an Straßen wird darauf geachtet, schmalkronige Bäume, die üppig blühen, zu pflanzen.
In den Pflanzkübeln in der Innenstadt wachsen statt Blumen Kräuter und Naschobst, Probieren ausdrücklich erwünscht!
Besonders schön anzusehen waren Straßenlaternen, an denen an Rankhilfen z.B. wilder Wein und Blauregen emporkletterten, ein herrlicher Anblick – der auch noch Futter für Insekten und Nisthilfe für Vögel bietet.
Zum Abschluss brachte uns der Bus noch zum Kurpark. Dieser wurde in den letzten Jahren ebenfalls nach dem Konzept der Artenvielfalt umgestaltet und bietet neben Wasserläufen und Verweilmöglichkeiten bunte Staudenbeete und einen informativen Heilkräuterbereich.
Im zugehörigen Café konnten wir uns für die Heimfahrt stärken.
Beflügelt und ermutigt durch all die Eindrücke traten wir den Heimweg an. Wir hoffen, mit unserer Begeisterung anzustecken und einige Ideen in unserer schönen Heimatgemeinde umsetzen zu können! Die Stadt Bad Saulgau stellt ihr Konzept übrigens kostenfrei zur Verfügung, in der Hoffnung, dass viele Bausteine auch anderswo verwirklicht werden.
Mehr Informationen gibt es unter www.bad-saulgau.de
Der GBV hat für das geplante Projekt, die schrittweise Umgestaltung der Blühfläche am Köstner-Areal, das in Zusammenarbeit mit den Klimaräten, Privatpersonen und Gruppen entstehen soll, noch viele neue Ideen dazu bekommen. Wer sich dafür interessiert und vielleicht bei einem Teilbereich mitmachen möchte: am 23.5. treffen wir uns um 16.30 Uhr am Köstner-Areal (Ortseingang beim kleinen Spielplatz), um unsere Pläne und Überlegungen vorzustellen. Herzliche Einladung hierzu!
Wir bedanken uns herzlich bei der Gemeinde Diespeck, die durch ihre Unterstützung diese Fahrt ermöglicht hat, bei Jochen vom Busunternehmen Wild für die sichere Beförderung und bei allen Teilnehmenden für die gute Stimmung und die inspirierenden Gespräche!
Bad Saulgau, Kurstadt an der Oberschwäbischen Barockstraße, ist ein prädikatisiertes Heilbad.