10/06/2026
...oder auch: "Sie sind doch so reflektiert, das bekommen Sie schon hin."
Und es stimmt, ich bin reflektiert und ich mag meine Reflexionsfähigkeit. Sie hat mir schon oft geholfen und lässt mich Dinge verstehen, aus unterschiedlichen Blickwinkeln.
Als ich Versionen dieser Sätze in meiner Verzweiflung als frischgebackene Zweifachmama von Therapeut*innen & Coaches gehört habe, war ich erst stolz und hab's als Kompliment genommen.
In der Therapie konnte ich in jeder Stunde genau erklären, was die Woche schwer gemacht hat. Welche Dynamik dahintersteckt, warum ich so reagier wie ich reagier. Ich hab Zusammenhänge benannt, hab geheult und dachte, jetzt passiert endlich was.
Und dann bin ich nach Hause gefahren und im Alltag wieder an meine Grenzen gestoßen. Nichts hat sich verändert, die Dynamiken liefen Woche um Woche weiter. Ich hab noch mehr Bücher gelesen und wurde noch strenger mit mir, hab versucht meine Ansprüche runterzuschrauben, mich noch besser zusammenzureißen.
Bis zur nächsten Explosion. 🌋
Heut weiß ich: Die wöchentliche Therapie war der einzige Ort, an dem ich mir mal das Heulen erlaubt hab. Weil ich dort halt mal kurz nicht funktionieren musste. Ich hab jede Woche dieselbe Geschichte erzählt, bis die Therapeutin meinte "Gut, dass Sie hier reden können, Wissen haben Sie ja genug."
Sie hat ihren Job gemacht aber die Therapie hatte ihre Grenze erreicht und mir gezeigt, wo die Verarbeitung durch Reden ihr Ende findet.
Ich wusste genug, aber mein Nervensystem hat in den Stunden brav zugehört und dann im Alltag trotzdem noch die alten Muster abgespult.
💭 Verstehen und erklären können ist nicht gleich Veränderung.
Und das ist auch der Punkt, den ich heute in meiner Arbeit ständig sehe: die Reflektiertesten, die verzweifeln, weil sich im Alltag trotzdem nix ändert. Weil das Wissen im Kopf sitzt und der Körper noch woanders ist. Und weil Neurodivergenz den Zugang zum Körper manchmal schwierig macht.
Was mir gefehlt hat, war nicht mehr Reden und Rationalisieren. Sondern den Körper mitzunehmen.
Genau deshalb gibt's "Unapologetically Unmasked": für neurodivergente Menschen, die sich längst verstanden haben und merken, da