17/11/2025
Heute:
Fandemo in Leipzig…
Ich wurde heute früh aus dem Schlaf gerissen. Nein, nicht durch die sehr lebhaften Nachbarskinder, nein- ein Streifenwagen mit tosendem Martinshorn nötigte mich gegen halb 9 das warme Bettchen zu verlassen. Die ein Steinwurf entfernt freiwillige Feuerwehr macht das auch schon mal, also nicht so ganz überraschend. Aber es erinnerte mich eben, dass die Königin und ich den Vormittag in Leipzigs Innenstadt verbringen wollten. Die blanke Neugier trieb vor allem mich die seit Tagen angekündigte Fandemo einiger Faninitiativen.
Grund ist eben die bald stattfindende Innenministerkonferenz, die über schärfere Maßnahmen in den Stadien beraten soll. Ich hab dazu natürlich auch ne Sicht darauf, und wenn man sich auf YT nach einem Fussballwochenende einige Videos anschaut, wie sehr oft sich einige oder auch durchaus viele daneben benehmen, ob im Stadion oder auf dem Weg dorthin-ja da kriegt man das blanke Kotzen und man schämt sich Fußballfan zu sein.
Das man nicht alle über einen Kamm scheren sollte, ist natürlich klar und auch deswegen machten sich heute zahlreiche Fangruppen aus allen Himmelsrichtungen der Bundesrepublik an einem Sonntag nach Leipzig, auch weil der DFB Tross durch das WM -Quali Spiel eh schon in Leipzig weilt und demnach die öffentliche Wahrnehmung der Medien durchaus präsent ist.
Also frühstücken, fernsehtauglich machen-wer weiß und dann ab in die S-Bahn. 10 Minuten sind's bis zum Markt und der Heli kreiste schon über den Richard-Wagner-Platz am Goerdelerring. Hier waren schon fast alle Teilnehmer versammelt, lediglich die Rostocker und Nürnberger brauchten noch ein wenig, weil sie sich an anderen Plätzen der Innenstadt getroffen hatten und mit Polizeieskorte zum Versammlungsort gebracht wurden. Es wurde hier und da an der Demo-Taktik getüftelt, versuchte man doch die sich nicht so nahestehenden Vereine zu trennen, mit kleineren Vereinen dazwischen. Keiner Provokation oder Würze wollte man hier Raum geben.
Was dann aber so an Vereinen vor Ort war, verschlug uns doch die Sprache: Klar, die Großen waren dabei. Voran in zahlenmäßig hoher Präsenz Union Berlin, VfB Stuttgart, Dynamo Dresden und Hansa. Die Bayern, Hertha BSC, Karlsruhe, HSV, 1. FC Köln. Ein buntes Fahnenmeer beeindruckte uns und gab ein friedliches Bild ab. Eine Schweigeminute zu Ehren der Verstorbenen aller Fanszenen gab mir ne Erpelpelle.
Der Tross setzte sich über den Innenstadtring in Bewegung. Ohne Pyro, dafür mit jeder Menge Sprechgesänge, Winkelelementen, Schildern. Und wie erwähnt, das Teilnehmerfeld war bunt gemischt: Fans von Kickers Emden, VfB Oldenburg, VfL Osnabrück,VfL Wolfsburg, ein paar Bremer, ein paar Dortmunder und Schalker,1. FC Heidenheim, Hannover 96, meines 1, FC Kaiserslautern, Mainz 05, SC Paderborn, 1. FC Saarbrücken, TuS Koblenz, Hessen Kassel, Erzgebirge Aue, Chemnitzer FC, Lok Leipzig, HFC, RW Erfurt, FSV Zwickau, CZ Jena, Stuttgarter Kickers, Jahn Regensburg, Energie Cottbus, 1860 München, Bayer Leverkusen, Alemannia Aachen, 1. FC Nürnberg, FC Augsburg, eine Handvoll Magdeburger, Braunschweiger, Babelsberger, Bochumer, Fürther zogen wie auch Abordnungen aus Neustrelitz, Nordhausen, Plauen, Sandhausen und Fortuna Köln friedlich und ruhig nebeneinander durch Leipzig.. Auch von Holstein Kiel, Arminia Bielefeld, BFC Dynamo auch dem SC Freiburg. Bestimmt hab ich noch den einen oder anderen Verein vergessen.
Aber: von den auch von Repressalien der Staatsmacht oder Auflagen gefressenen Chemikern aus Leutzsch war genauso wenig zu sehen wie von den mutlosen Dosenfans vom Cottaweg. Leider war dann folglich von einer der stärksten Fangruppen der BL, nämlich der Eintracht aus Frankfurt nichts zu sehen, die wohl mit den Chemie Leipzig Fans im Unterholz ihre eigene Suppe kochten und sich damit selbst so ein bisschen ausgegrenzt haben. Haben die Eintracht Fans doch schon gezeigt, dass sie uns alle auch begeistern konnten, z.B. mit den unfassbaren Aktionen in Barcelona oder im heimischen Waldstadion. Wer weiß wozu es letztlich gut war, um auch hier der Deeskalation Folge zu leisten.
Natürlich fehlten auch andere Vereine wie Düsseldorf, Gladbach oder St.Pauli, deren Gründe ich natürlich nicht kenne und mir kein Urteil erlauben kann. Naja, vielleicht wollten sie mit ihren Familien den Sonntagsspaziergang anders gestalten.
Der Sprecher bei der Abschlussrede-wieder am Goerdelerring- sprach von einem friedlichen Treffen von 20.000 Teilnehmern. Das könnte vielleicht ein wenig hoch gegriffen sein, die Osnabrücker Fans, die mit uns die Straßenbahn genutzt hatten, zitierten die Polizeiangaben von 8000. Ich denke, irgendwo in der Mitte wirds dann richtig sein. Letztlich waren wir beide beeindruckt von der Kraft einer jederzeit entspannten, friedlichen Atmosphäre, auch wenn ich befürchte, dass einige der teilnehmenden Fans am kommenden Woche wieder Gründe liefern werden, warum die Innenminister sich über härtere Maßnahmen in den Stadien austauschen.