23/09/2021
Aktuell haben sich neben vielen Promis auch drei Bundestagsparteien in unserem Kampf für ein frauenfreundliches, demokratisches Boxen eingereiht. Wir bedanken uns bei den LINKEn, bei den Grünen und auch bei der FDP. Ohne Eure Hilfe würden wir es nicht schaffen. Hier das aktuelle Statement Der LINKEN:
Sehr geehrte Frau Scheurich,
für Ihren offenen Brief danke ich Ihnen sehr herzlich.
Ich bewundere Ihren Mut, auch außerhalb des Boxringes. Und Sie haben als Spitzensportlerin und Mitglied einer Sportfördergruppe auch einen Anspruch auf Unterstützung durch die Bundespolitik.
Wir hatten in den vergangenen Monaten leider mehrere Sportverbände, die nicht durch hervorragende sportliche Leistungen, sondern durch skandalöse Vorfälle, Machtmissbrauch und auch sexualisierte Gewalt in die Schlagzeilen kamen. Mit dem Turnverband und dem Eisschnelllaufverband haben sich die Koalitionsfraktionen ausführlich, zum Teil in einer unsäglichen, vorverurteilender Art und Weise, beschäftigt. Nicht aber mit den Vorfällen im Boxsportverband, obwohl ich als Vertreter der LINKEN mehrfach gefordert hatte, dass sich das für den Sport zuständigen Bundesinnenministerium wie auch der Sportausschuss damit detailliert unter Einbeziehung der Betroffenen befasst. Zu den Corona-Vorfällen vor einem Jahr hatten wir auch eine Kleine Anfrage an die Bundesregierung gestellt (Drucksache 19/25570).
In Ihrem Brief beklagen Sie und die Mitzeichnenden, dass es für sie keine Lobby gibt. Das ist eine sehr harte Kritik, die ich angesichts meiner Aktivitäten nur zum Teil akzeptieren kann.
Bereits im Zusammenhang mit den Corona-Vorfällen wurden unverholen Drohungen gegen Sie ausgesprochen; ich verweise hier noch einmal auf unsere Kleine Anfrage. Trotz meiner Aufforderung ist das Bundesinnenministerium hier nicht aktiv geworden, selbst nachdem nun schon die zweite Athletensprecherin im Boxsportverband das Handtuch geworfen hat.
Bei aller "Autonomie des Sports" – auch ich habe inzwischen den dringenden Verdacht, dass beim Deutschen Boxsportverband wie auch bei manchen Landesverbänden einiges im Argen liegt und die Verbandsspitzen dabei Teil des Problems sind. Deswegen müssen aus meiner Sicht nach der Bundestagswahl der neue Sportausschuss, die oder der künftige Sportminister/in sowie auch der DOSB und Athleten Deutschland e.V. sich intensiv mit dem Verband und den im Raum stehenden Vorwürfen beschäftigen.
Der Sportausschuss tagte wegen der zu Ende gehenden Wahlperiode letztmalig am 23. Juni 2021 und war coronabedingt in den vergangenen Monaten nur eingeschränkt handlungsfähig. Auch waren für mich direkte Kontakte mit den Vertretern des Sports nicht in dem Maße möglich, wie es wünschenswert und eigentlich notwendig gewesen wäre.
Nach der Bundestagswahl wird es erfahrungsgemäß noch einige Zeit dauern, bis die Konstituierungsphase abgeschlossen ist, die Ausschüsse (also auch der Sportausschuss) gebildet sowie die Themen & Funktionen innerhalb der Fraktionen verteilt sind und der Bundestag wieder richtig arbeitsfähig ist. Es wäre also nicht redlich, Ihnen kurzfristige Maßnahmen in Aussicht zu stellen.
Ich kandidiere wieder für den Bundestag und hoffe im Fall meiner Wiederwahl, auch künftig für DIE LINKE die Sportpolitik machen zu dürfen.
Mein Vorschlag ist, mit Ihnen, den Mitzeichnenden und weiteren Personen Ihrer Wahl ein Gespräch im November/Dezember 2921 im Bundestag oder an einem Ort Ihrer Wahl durchzuführen. Dort können wir dann auch weitere Aktivitäten besprechen, damit der Deutsche Boxsportverband für Sie und andere wieder die Heimat wird, in der man mit Freude und Erfolg Sport treiben kann.
Selbstverständlich stehen ich oder mein Mitarbeiter André Nowak auch kurzfristig für ein persönliches Gespräch mit Ihnen zur Verfügung.
Mit freundlichen Grüßen
Dr. André Hahn
PS: Bitte leiten Sie meine Antwort an die Mitzeichnenden weiter, sie können mein Schreiben selbstverständlich auch öffentlich machen.
---
Dr. André Hahn, MdB (DIE LINKE)
Platz der Republik 1
11011 Berlin