18/08/2023
„Es kann viel erreicht werden“
Volker Schüßler, Vorstandssprecher der TG Dragons, spricht im Interview
über Landesliga-Baseball, die Spielgemeinschaft mit Passau und den Verein
Vor kurzem hat die erste Mannschaft
der SG Passau Beavers/Deggendorf
Dragons die erste Runde
der Baseball-Saison 2023 in der
Landesliga Mitte beendet. Und
auch die Spielzeit der „Zweiten“ in
der Landesklasse Mitte ist abgeschlossen.
Erstmals hatten sich die
niederbayerischen Vereine zusammengetan,
Grund dafür war der
Spielermangel, mit dem beide zu
kämpfen haben. Im Interview bilanziert
Volker Schüßler, Vorstandssprecher
der TG Dragons, die abgelaufene
Saison, die Zusammenarbeit
der Dragons und Beavers und
erläutert die Planungen der Deggendorfer
Baseballer.
Herr Schüßler, die erste Runde
der Baseball-Saison 2023 ist für die
Dragons vorbei – wie fällt die Bilanz
der beiden Mannschaften aus?
Volker Schüßler: Kurz gesagt,
ausbaufähig. Es ist noch viel Luft
nach oben. Aber da Baseball ein
technisch intensives Spiel ist, in
dem es auf ein homogenes Team ankommt,
konnte man auch nicht
mehr erwarten. Wichtig war, dass
gespielt wurde.
Aufgrund des Spielermangels sowohl
in Deggendorf als auch donauabwärts
in Passau haben sich die
beiden Vereine vor der abgelaufenen
Spielzeit dazu entschlossen, eine
Spielgemeinschaft zu bilden. Wie
gut hat die Zusammenarbeit mit
den Beavers geklappt und soll die
Spielgemeinschaft fortgesetzt werden?
Schüßler: Natürlich mussten
sich die Teams erst finden und auch
die Organisation musste sich der
neuen Situation anpassen. Das war
am Anfang, zugegebenermaßen und
verständlicherweise, holprig. Mit
der Zeit spielte es sich immer besser
ein, ist aber durchaus noch ausbaufähig.
Dies spiegelte sich auch in
den Ergebnissen wieder, aber zum
Ende der ersten Runde sah man,
dass sich die Spieler immer besser
zurechtfanden, die Spiele wurden
knapper und das eine oder andere
konnte auch gewonnen werden. Da
nach den Sommerferien die zweite
Runde der Liga ansteht, wird die
Saison selbstverständlich zu Ende
gespielt. Danach wird man sich zusammen
setzen und sich austauschen
und weiter schauen.
Die Dragons gibt es seit 1991,
nach über 30 Jahren musste zum
ersten Mal eine Spielgemeinschaft
eingegangen werden. Wie schwer ist
es, Jugendliche – aber auch Erwachsene
– in Niederbayern von einer
amerikanischen Sportart mit langer
Tradition zu begeistern? Oder lassen
Sie mich die Frage anders formulieren:
Wie sieht es mit dem
Baseball-Nachwuchs in der Donaustadt
aus?
Schüßler: Tatsächlich sind die
Spieler nicht das große Problem.
Kinder oder Jugendliche zu finden,
ist relativ leicht. Ich möchte betonen,
relativ. Aber es ist durchaus
machbar. Schwieriger wird es, die
Kinder und Jugendliche von der
Sportart langfristig zu begeistern
und zu binden. Hierzu braucht es
engagierte Ehrenamtliche. Und hier
ist das große Problem zu finden.
Dieses haben aber nicht nur wir
Dragons, das haben mittlerweile
alle Vereine. Es möchte sich niemand
mehr der Verantwortung stellen
beziehungsweise sich an ein
Amt binden.
Sie meinen, solange jemand Lust
auf Baseball hat, ist er im Verein dabei,
und wenn diese schwindet,
heißt es „Auf Wiedersehen“. Welche
Auswirkungen hat das auf einen
Verein?
Schüßler: Früher war ein Verein
eine Solidargemeinschaft. Man war
Spieler, nach seiner aktiven Karriere
blieb man dem Verein treu und
übernahm Aufgaben, ob als Trainer,
Schiedsrichter und in anderen Vereinsfunktionen
und man blieb Mitglied.
Nur so konnte es funktionieren.
Denn die Kosten für einen aktiven
Spieler sind natürlich höher, als
der Mitgliedsbeitrag einbringt. Also
braucht man eine größere Masse an
passiven Mitglieder und die Summe
aller Mitgliedsbeiträge decken dann
die Kosten der aktiven Spieler.
Wenn das nicht gegeben ist, müsste
man einen Mitgliedsbeitrag von den
Spielern verlangen, den sicherlich
keiner bereit ist zu zahlen. Durch
die Veränderung der Gesellschaft zu
mehr Egoismus wird dieser Solidarzweck
durchbrochen. Wenn nun die
Leute mit dem aktiven Spielen aufhören,
treten sie als Mitglieder sehr
zeitnah aus dem Verein aus und sind
auch nicht mehr bereit, Aufgaben
im Verein zu übernehmen.
Mit diesen Herausforderungen
hat derzeit die Mehrheit der deutschen
Sportvereine zu kämpfen. Wie
haben sich die Probleme bei den
Dragons konkret gezeigt?
Schüßler: Als zum Beispiel bei
uns die letzte Generation an Herrenspieler
die aktive Zeit beendet
haben, war keiner bereit, Aufgaben
zu übernehmen. Wir hätten tolle,
erfahrene Leute gehabt, die auch
sehr gut mit Kindern umgehen und
jungen Spieler enorm viel beibringen
hätten können. Das wollten sie
aber nicht, ihre Freizeit war ihnen
zu wichtig – Stichwort Work-Life-
Balance. Aber Kinder und Jugendliche
kann man nur mit engagierten
und erfahrenen Leuten begeistern
und dadurch langfristig an den Verein
binden. Das ist ein Kreislauf,
der sich leider immer schneller
dreht und wie schon erwähnt, die
ganze Struktur des Vereinslebens –
unabhängig von der Sportart – belastet
und weiter und stärker belasten
wird. Meines Erachtens werden
zukünftig die Vereine untereinander
enger zusammenarbeiten müssen
beziehungsweise sich zusammenschließen
müssen, damit sie die
Aufgaben der Zukunft bewältigen
können. Wir Dragons haben hier ja
letztes Jahr schon den ersten Schritt
getan und haben eine Fußballabteilung
integriert (Anm. der Redaktion:
Aufnahme des ehemaligen Vereins
Türk Gücü Deggendorf).
Baseball ist Randsportart in
Deutschland, aber quer durch Bayern
gibt es Enthusiasten, die den
Sport betreiben, ihn populär machen
wollen und mehr Zuschauer
ans Field zu locken. Wie sehen hierzu
die Bemühungen der Dragons
aus?
Schüßler: Nun wir müssen erst
wieder unser Grundgerüst aufbauen.
Da sind wir gerade dabei. Wenn
das Grundgerüst erfolgreich aufgebaut
wurde – das wird sich im
nächsten Jahr zeigen, ob wir das
schaffen – kann dann wieder über
andere Ziele gesprochen werden.
Wie aber vorher schon erwähnt,
wenn sich engagierte Leute zusammentun,
kann in einem Verein viel
erreicht werden. Dann kann es auch
wieder sehr schnell in die andere
Richtung gehen.
Interview: Marcus Winklmeier