03/02/2026
Opel Kadett A
Die Konstrukteure in Rüsselsheim hatten sich ein gutes Konzept einfallen lassen, nachdem sie den Auftrag vom amerikanischen Mutterkonzern General Motors erhielten, einen „perfekten Anti-VW“, gemeint war der VW Käfer, zu konstruieren.
Sportlich, kompakt und trotzdem Platz für die ganze Familie. Das versprach Opel mit seiner Baureihe „Kadett A“, die ab Juni 1962 im neuen Opel Werk in Bochum vom Band lief.
Der neue Kadett bot den Insassen tatsächlich deutlich mehr Platz, bessere Sichtverhältnisse und einen richtig großen Kofferraum. Im Vergleich zum Käfer bot der neu konstruierte Motor mit 1,0 Liter Hubraum und 40 PS einen günstigeren Verbrauch und den Insassen bei kaltem Wetter eine wirksame Heizung. Zudem gab es den Kadett ab Werk in unterschiedlichen Karosserieausführungen. Mit Limousine, Coupe und dem ab 1963 gebauten Caravan (Kombi) sollte eine möglichst große Käuferschicht angesprochen werden. Das alles wurde durch eine für deutsche Verhältnisse aufwendige Werbeaktion unterstützt.
Die guten Fahrleistungen waren u.a. auch der selbsttragenden Karosserie geschuldet, die leider keinen guten Rostschutz seitens Opel bekam. Deshalb zeigte sich später eine enorme Rostanfälligkeit. Das ist der Grund dafür, dass der Kadett A, trotz großer Stückzahlen, schon Mitte der 1970er Jahre fast komplett aus dem deutschen Straßenbild verschwunden war. Heute sind von fast 650.000 produzierten Kadett A nur noch etwa 390 zugelassene Exemplare bekannt.
Einer der wenigen Überlebenden ist dieser karibagrüne Kadett A aus 1963. Er wurde zunächst nach Piemont, im nord-westlichen Italien ausgeliefert. Der Besitzer schonte das Fahrzeug und fuhr nicht oft damit. Auch seine Nachkommen hatten offenbar kein großes Interesse daran, den Kadett zu fahren, bis sich jemand aus der Familie im Jahr 1995 dazu entschloss, dem Opel wieder neues Leben einzuhauchen. Das geschah, indem er eine große Inspektion, neue Bremsen, einen neuen Auspuff und neue Reifen bekam. Außerdem wurde er in fast original Farbe neu lackiert.
Doch trotz all dieser Mühe sprang irgendwie der Funke von den Familienmitgliedern zum Kadett nicht über. So wurde er 2016 an einen Oldtimersammler in Norddeutschland verkauft. Mit roten Nummern versehen, lernte der Opel allerdings nicht sehr viel von seiner neuen Heimat kennen. Meistens stand er mit anderen Fahrzeugen zusammen in einer trockenen Halle.
Nach fünf weiteren Jahren, mit nur etwa 38.000 km auf dem Tacho wurde der Kadett nach Mittelhessen verkauft. Der neue Besitzer führte zunächst eine komplette Inspektion durch. Ergebnis: Neben dem Wechsel von allen Flüssigkeiten und neuen Reifen waren kleinere Reparaturen auszuführen. Aber das Hauptproblem war Rostansatz. Deshalb wurden der Fußraum und der Unterboden entkernt, versiegelt und neu lackiert. Anschließend wurde der Unterboden gewachst, so dass Feuchtigkeit in Zukunft kein ernst zu nehmendes Problem mehr sein sollte.
Das „Kadettchen“, das von seinem Besitzer liebevoll „Wölkchen“ genannt wird, ist seit dem wieder angemeldet. Ab und zu, bei schönem Wetter, mit etwas Glück, kann man den seltenen Gast auf unseren Straßen bewundern.