14/02/2025
Burgdorf - Artikel aus dem Anzeiger der HAZ und NP vom 14.02.2025
Er kann nicht ohne – und sie können nicht ohne ihn
Noch immer am Schlag: Klaus Volkmann (78) hat vor 50 Jahren die Faustballsparte bei der TSV Burgdorf mitgegründet und steht weiterhin auf dem Platz.Foto: Debbie Jayne Kinsey
Es geht einfach nicht ohne. „Es nützt ja nichts. Ich bin so mit dem Verein verwurzelt“, sagt Klaus Volkmann. Der inzwischen 78-Jährige ist bei der TSV Burgdorf nicht nur eines von sieben Gründungsmitgliedern der Faustballsparte, die am Sonntag, 16. Februar, 50-jähriges Bestehen feiert. Er ist seit 47 Jahren Vorsitzender der Abteilung, kümmert sich quasi als Mädchen für alles um viele Dinge. Und: Volkmann ist auch noch in der Mannschaft Männer 60 aktiv. An ein Aufhören denkt er aktuell nicht – weder als Aktiver, noch als Funktionär.
Die Erinnerungen an die Gründung vor 50 Jahren sind bei Volkmann noch sehr lebendig. Im Schweinestall fing die Erfolgsgeschichte am 16. Februar 1975 an. Uwe Habenich, Kurt Karos, Hermann Moses, Friedrich Röttger, Emanuel Hiller, Claus Przygodda und Volkmann hatten zuvor schon mit anderen Faustballern in einer Hobbymannschaft des Finanzamtes zusammengespielt. „Denen wurden wir aber zu gut und sie sagten, wir sollten unseren eigenen Weg gehen“, sagt Volkmann. Den gingen sie. Die Gründung feierten sie mit Schlachtewurst und Bier. Dass es den Sport bei der TSV nach einem halben Jahrhundert immer noch gibt, überrascht selbst den Vorsitzenden. „Das hatte ich damals nicht gedacht“, sagt er. Sein Sohn Thorsten Volkmann, Sportwart bei den TSV-Faustballern, fügt hinzu: „Ohne ihn würde es hier schon längst kein Faustball mehr geben.“
Abkreiden, Essen einkaufen:
Damit sich die Mitglieder wohlfühlen, kümmert sich Volkmann senior um nahezu alles. So vermisst er vor den Heimpartien in der Feldsaison die Rasenfläche, kreidet diese anschließend ab, spannt die Leine in zwei Meter Höhe. Er füllt die erforderlichen Formulare zu den Spielen aus, beschafft Materialien für den Verkauf von Essen und Getränken. Und all das macht er immer noch gerne, sagt er.
Vor 50 Jahren war er als Jüngster der Gruppe zunächst zum stellvertretenden Vorsitzenden der Abteilung gewählt worden. Chef wurde Moses. „Er war Hausmeister und hatte uns erst auf die andere Hobbygruppe aufmerksam gemacht. Ohne ihn wären wir alle vielleicht gar nicht zum Faustball gekommen“, sagt Volkmann. Doch nach drei Jahren wollte Moses nicht mehr vorn stehen. Volkmann rückte nach. „Und so ist es geblieben“, sagt er.
Volkmann vermisst die Gemeinschaft:
Neben dem Sport erinnert sich Volkmann besonders an die Gemeinschaft. „Das Gemütliche, das Zusammensein. Das war toll“, sagt er. „Wenn wir einen Pokal gewonnen haben, dann wurde der drei-, viermal vollgemacht. Das ist heute nicht mehr so.“ Der 78-Jährige ergänzt: „Wir konnten mit Kleinigkeiten richtig schön einen draufmachen. Die Jungen heute können nicht mehr so feiern.“
Dass das Miteinander insgesamt abnimmt, bedauert Volkmann. Ohnehin werde es immer schwieriger, Spieler für sich zu gewinnen. Dazu trage unter anderem der Ganztag in der Schule bei, der den Besuch von Trainingseinheiten teilweise erschwert. Darüber hinaus kommen Nachwuchsspieler ohnehin meist nur aus den eigenen Reihen. „Faustball ist ein Familiensport. Meine Frau hat gespielt, ich spiele, beide Kinder spielen, jetzt sogar die Großkinder“, sagt Volkmann. „Man wächst da hinein und gibt es an die nächste Generation weiter.“
Frauen und Mädchen ziehen sich zurück:
Die Mitgliederzahl hat sich – trotz zwischenzeitlicher Schwankungen nach dem Weggang der weiblichen Jugend und dem Auflösen der Frauenmannschaft – immer wieder stabilisiert. „In den 70er- und 80er-Jahren hatten wir vier Männermannschaften, auch noch Frauen und insgesamt 60 Mitglieder“, sagt der Vorsitzende. Heute zählt er noch immer 60 Mitglieder, allerdings dominieren deutlich die männlichen Sportler.
Volkmann hofft, dass sich die Zahl weiter hält. Immerhin hat sich die erste Männermannschaft zu einem der Aushängeschilder der Stadt entwickelt. In der Hallensaison 2022/2023 feierte das Team den Aufstieg in die 2. Bundesliga in der Halle, 2023 folgte der Sprung auf dem Feld. Dort erreichte das Team ein Jahr später den Klassenerhalt. „Bis dahin waren wir immer ein Fahrstuhlverein und kamen nie über die Niedersachsenliga hinaus“, sagt der Vorsitzende. Dass es nur das eine Männerteam, drei Seniorenmannschaften und drei Teams im Nachwuchsbereich gibt, bedauert Volkmann zwar, sieht die Abteilung aber noch immer gut aufgestellt. „Andere Mannschaften gibt es inzwischen schon gar nicht mehr“, sagt er.
Nach der Halle kommt die Vorfreude auf den Rasen:
Auf das eigene Spielen möchte Volkmann noch immer nicht verzichten. „Wir sind nicht mehr ganz so ehrgeizig, aber spielen auch nicht lapidar.“ Zwischen Hallen- und Freiluftsaison möchte er sich nicht für eines entscheiden müssen. „Beides hat seinen Reiz. Und wenn man mit der Halle durch ist, freut man sich auf draußen. Und nach einem Spiel im Regen denkt man wieder an die Halle“, sagt er.
Auf dem Spielfeld war Volkmann im Laufe der Jahrzehnte auf allen Positionen mal zu Hause. Er konnte allen Positionen etwas Positives abgewinnen. „Wenn man dem Gegner als Schlagmann welche einschenken kann, dann ist das eine gute Sache“, sagt er. „Oder als Mittelmann bedient man den Mitspieler. Aber auch dem Gegner in der Abwehr Paroli bieten zu können, macht Freude.“
Das 50-jährige Bestehen feiert die Abteilung aus Burgdorf nur vereinsintern. Allerdings können sich Interessierte für den Besuch einer Trainingseinheit bei Thorsten Volkmann per E-Mail an [email protected] anmelden.
Artikel von: Mark Bode
Am 16. Februar vor 50 Jahren gründeten sieben Männer die Faustballsparte der TSV Burgdorf: Klaus Volkmann (78) ist von Beginn an dabei