06/05/2021
Über Unsicherheit und das subjektive Gefühl von Bedrohung
Ungewissheit gefährdet unsere individuelle Handlungs- und Funktionsfähigkeit, die eng mit der Kontrollierbarkeit und Vorhersagbarkeit von Situationen verknüpft ist. Eine erfolgreiche Auseinandersetzung mit den Anforderungen des Lebens setzt ein gewisses Maß an Überschaubarkeit, Vorhersehbarkeit und Stabilität unseres Umfelds voraus; um sinnvoll agieren zu können, müssen wir wissen, mit welcher Situation wir es zu tun haben, was uns möglicherweise als Nächstes erwartet, was wir tun könnten und mit welchen Konsequenzen wir rechnen müssen....
Wenn diese Form von Kohärenz (logisch, nachvollziehbar) und Ordnung der Umwelt fehlt, fühlen wir uns den Ereignissen hilflos ausgeliefert.
Es gibt diese Situationen, die Gefühle von (starker) Verunsicherung auslösen. Vor allem im Kontakt mit unseren Mitmenschen, mit dem sozialen Netz das uns umgibt.
Dinge die andere Menschen tun oder sagen, können uns zutiefst verunsichern und aus der Bahn werfen. Manchmal sind es schon feine Gesten eines anderen Menschen, die und an uns Selbst und unserer Wahrnehmung zweifeln lassen.
Warum ist das so?
Wir sind soziale Wesen, brauchen die Sippe, die Gruppe, den Clan. Vereinfacht gesagt sichert das unser Überleben und die Erhaltung unserer Spezies. Soziale Kontakte schützen vor Einsamkeit, vor Gefahren und stärken das Immunsystem. Im Optimalfall bekommen wir in unserer ersten Lebensphase eine tiefe Basis von Urvertrauen, von einem Gefühl des "in sich selbst und in der Welt sicher und geborgen sein" mit auf den Weg. Ist dies nicht der Fall, lernt unser System "Achtung Dauergefahr". Wir entwickeln Überzeugungen wie "das Leben ist unsicher". Doch wir Menschen möchten in der Regel Unsicherheit vermeiden oder reduzieren, und das tun wir, indem wir versuchen, Gefahren abzuwenden, ihnen zu entkommen und kognitive, emotionale oder Verhaltens- Sicherheiten (wieder) herzustellen. In dem wir uns stark in uns selbst zurückziehen als Selbstschutz, oder versuchen uns anzupassen.
Unsicherheit wird immer dann als unangenehm erfahren, wenn sie als Bedrohung der Handlungs- und Funktionsfähigkeit wahrgenommen wird und elementare Bedürfnisse nach Begreifen und Kontrolle von Lebenssituationen auf dem Spiel stehen. Dann, wenn unser System in den Modus "Achtung Gefahr" schaltet.
Zu verstehen, was in uns passiert ist der erste Schritt. Mit unseren Emotionen zu sein, ist der zweite für den Heilungsprozess. Ich möchte dich mit meinem Post einladen, dir selbst mit Mitgefühl und Wohlwollen zu begegnen, vor allem dann, wenn starke Emotionen in dir sichtbar werden.
Love, Lia