16/05/2026
Ein Platz allein genügt nicht
Am 16. Mai hätte Marga Goren-Gothelf ihren 101. Geburtstag begangen. Dass in Berlin wenige Tage zuvor der Margot-Friedländer-Platz eingeweiht wurde, verleiht diesem Datum zusätzliche Gegenwart. Öffentliche Erinnerung ist keine Nebensache. Sie entscheidet mit darüber, wen eine demokratische Stadt sichtbar macht und wessen Geschichte sie als Verpflichtung begreift. Brandenburg an der Havel hat mit dem Marga-Goren-Gothelf-Platz bereits ein wichtiges Zeichen gesetzt. Aber ein Platz allein genügt nicht.
Marga Goren-Gothelf wurde 1925 in Brandenburg an der Havel geboren. Die Familie betrieb Geschäfte in der Hauptstraße und in der Steinstraße.
Mit der nationalsozialistischen Machtübernahme begann die schrittweise Entrechtung. Die Familie verlor ihre wirtschaftliche Existenz, wurde gesellschaftlich isoliert und schließlich vertrieben. 1938 wurde Marga gemeinsam mit ihrer Mutter und ihrer Schwester im Zuge der sogenannten „Polenaktion“ aus Brandenburg deportiert. 1939 gelang ihr über einen Kindertransport die Flucht nach England. Die Mutter wurde später in Majdanek ermordet, die Spur der Schwester Paula verliert sich im Warschauer Ghetto.
Nach dem Krieg engagierte sie sich bei der Rettung jüdischer Überlebender auf dem Weg nach Palästina. In Israel baute sie sich mit Uri Goren eine Familie auf, arbeitete als Lehrerin und später als Schulleiterin in Rishon LeZion. Jahrzehnte später kehrte sie nach Brandenburg zurück — nicht mit Ressentiment, sondern mit der Bereitschaft zum Gespräch. Besonders jungen Menschen vertraute sie ihre Geschichte an. Darin liegt die eigentliche Größe dieser Frau: im beharrlichen Willen, Erinnerung in Verständigung zu verwandeln. Deshalb wurde sie 2022 Ehrenbürgerin ihrer Geburtsstadt.
Dazu gehört auch, den nächsten Schritt im Stadtraum zu denken. Brandenburg an der Havel verlegt seit 2022 erfreulicherweise wieder Stolpersteine für verfolgte, ermordete und überlebende Jüdinnen und Juden. Es wäre daher folgerichtig, auch für die Familie Gothelf zu prüfen, welche Form eines solchen Gedenkens historisch angemessen und möglich ist.
Webseite & Bestellung:
marga-goren-gothelf.de