16/09/2026
Du hast nur einen Platz für Verantwortung. Nicht zwei.
Das ist ein Gedanke, den ich gerade erst für mich sortiere. Aber er erklärt ziemlich viel.
In einem meiner Workshops sagte ein Geschäftsführer, er sei als Gesamtverantwortlicher dafür verantwortlich, dass ein Onboarding-Prozess immer noch nicht funktioniert. Im nächsten Satz kam: „am Ende will ich ja nicht derjenige sein, der jeden einzelnen Prozess anstößt."
Beides gleichzeitig geht halt nicht.
Ich kenne das aus meiner Zeit als Spieler. Ein Mitspieler hat in der Offensive nur auf sich gespielt, den Extra-Pass verpasst, den schnellen statt den besten Wurf genommen. Ich habe nichts gesagt, aber meine Laune und meine Körpersprache wurden schlechter. Als der Trainer wechselte, kam nicht der andere raus. Sondern ich.
Ich habe mich verteidigt: Wie soll ich positiv bleiben, wenn er nicht passt? Seine Antwort hat mich lange beschäftigt: Wessen Aufgabe ist es, ihm zu sagen, dass du frei stehst? Du, der direkt neben ihm auf dem Feld steht, oder ich an der Seitenlinie? Mach nicht jemand anderen dafür verantwortlich, dass du deine Verantwortung nicht übernimmst und dadurch Unsicherheit ins Team bringst.
Er hatte recht. Ich hatte meine Verantwortung abgegeben. Still, an den Trainer, ohne dass er wusste, dass er sie tragen soll. Und abgeben war ohnehin falsch. Sie war meine.
Das ist das Ding: Verantwortung hat genau einen Platz. Legst du deine bei jemand anderem ab, liegt sie bei einem, der gar nicht weiß, dass er sie hat. Gelöst wird dann nichts. Und wer die Verantwortung eines anderen an sich zieht, macht denselben Fehler von der anderen Seite.
Frag dich beim nächsten Ärger im Team einmal: wessen Verantwortung trage ich hier gerade? Und wo liegt dann meine?