02/02/2019
#5
💥Wie oft in Deinem Leben wurdest Du schon enttäuscht?
💥Von wem wurdest Du enttäuscht?
💥Was genau war es, das Dich so enttäuscht hat?
Der Begriff der Enttäuschung ist im Allgemeinen sehr negativ besetzt. Er wird gerade in zwischenmenschlichen Situation gern als subtiler Vorwurf genutzt.
"Oh, da bin ich aber enttäuscht."
"XY hat mich da echt enttäuscht."
"Da bin ich aber enttäuscht. Das hätte ich nicht von Dir erwartet."
Den dazugehörigen Gesichtsausdruck und den entsprechenden Tonfall zu diesen Äußerungen hat jeder unweigerlich vor Augen - oder? ;-)
Aber warum dieses Getue? Was ist passiert?
Ich hatte eine Vorstellung von etwas oder jemandem, habe etwas erwartet und stelle nun fest, dass ich mich getäuscht habe. Mir offenbart sich die Realität. Die Täuschung fliegt auf und etwas oder jemand zeigt sein "wahres Gesicht".
Was für ein Geschenk!!!
Zwei Gedanken dazu.
Gedanke 1:
Seien wir doch mal ehrlich. In wie vielen Fällen hatten wir schonmal ein ungutes Gefühl oder eine vage Ahnung, dass etwas nicht stimmt und vertrauten der eigenen Wahrnehmung nicht, handelten dem eigenen Empfinden zuwider, erklärten uns Ungereimtheiten mit dem Verstand und wurden am Ende enttäuscht? Sollten wir aus diesen Erfahrungen nicht eigentlich lernen, viel mehr in unser Gefühl, unsere Wahrnehmung und damit in uns selbst zu vertrauen? Warum drücken so viele Menschen immernoch alles in den Kopf und versuchen sich Situationen ausschließlich mit dem Verstand zu erklären? Unser Bauchgefühl, unsere Intuition sind so starke Werkzeuge, eine natürliche KRaft, die wir alle in uns tragen. Warum diese Tools nicht nutzen und zumindest auf eine Ebene mit der Ratio stellen? Ich glaube, damit könnten wir die ein oder andere Enttäuschung vermeiden.
Gedanke 2:
Ich persönlich habe immer wieder Probleme mit Menschen, die nicht authentisch agieren. Das verwirrt mich. Ich spüre im Gespräch, dass irgendwas nicht stimmt bzw. nicht stimmig ist, dass da eine Rolle gespielt wird und ich werde orientierungslos. Ich frage dann mittlerweile relativ direkt nach und spreche über meine Wahrnehmung, gleiche sie mit der Realität ab. Das findet unterschiedlich Anklang bei meinem Gegenüber, denn meist hat der- oder diejenige gute Gründe, diese Täuschung aufzubauen. Oft ist es ein Schutz, den wir Menschen brauchen, weil wir denken wir wären unzulänglich und müssen etwas darstellen, was wir nicht sind, um gemocht zu werden. Zudem glauben die Täuscher, dass sie die Rolle perfekt ausfüllen und keiner was merkt. Ich mag dieses Spiel nicht. Ist es nicht viel schöner, wenn wir alle wissen, woran wir sind? Wenn unser gegenüber klare kongruente Signale sendet, direkt kommuniziert? Wenn wir uns direkt begegnen? Wenn ich meine Irritation ausspreche, reagieren einige Menschen angestrengt, andere erleichtert, dass sie mit dem Theater aufhören können - denn das kostet viel Energie.
Früher in meiner Dating-Zeit habe ich Männer, die mich z.B. in der Disco angesprochen haben oder mir ein Getränk ausgeben wollten, sehr früh im Gespräch gesagt, wenn ich kein Interesse hatte. Sobald ich spürte, dass dieser Mann andere Vorstellungen vom Verlauf des Abends hatte als ich oder wenn ich eben einfach nur Tanzen und Spaß haben wollte und nicht auf Partnersuche war, habe ich klar gesagt, was war:
"Das ist wirklich sehr nett von Dir, aber ich bin heute Abend nicht interessiert. Es gibt hier eine Menge toller Frauen, die sich sicher freuen würden, wenn Du ihnen einen Drink spendierst, aber ich bin heute die Falsche."
Ich fand das nett und ehrlich. Das war aus meiner Sicht eine Win-Win-Situation für beide Seiten. Er hatte die Chance noch eine andere Eroberung zu tun und ich musste nicht am Ende des Abends nach mehreren kostenlosen Getränken und einem mehr oder minder interessanten Smalltalk die Annäherungsversuche abwehren, die sich der potentielle Verehrer mit der Investition in meine Drinks meinte verdient zu haben, sondern konnte den Abend frei genießen.
Es war immer wieder erstaunlich, dass viele Herren nach meiner (wie ich immernoch finde) freundlichen Absage extrem bissig und verletzend wurden. "Du meinst wohl, Du bist was besseres." oder "Du bist ganz schön arrogant." waren da noch die netten Reaktionen...
Sie waren enttäuscht. Ihr Bild von mir entprach nicht der Realität und ich habe mich nicht ihren Erwartungen entsprechend verhalten. Und ich kann sie verstehen. Sie haben sich ein Herz gefasst und haben mich angesprochen und so ein Korb kann wehtun.
Genauso habe auch ich schon schmerzhafte Ent-Täuschungen erlebt. Menschen, die mich verletzt haben, Situationen, die anders gelaufen sind als erwartet.
Und doch bin ich sehr dankbar für Ent-Täuschungen. Denn es ist immer das Ende einer Täuschung. Endlich zeigt sich die Realität und ich kann mich wieder orientieren.
Das bedeutet nicht, dass es nicht auch immer wieder schmerzt, wenn sich der Vorhang hebt und die nicht immer erfreuliche Wahrheit ihr Gesicht offenbart.
Das Spannende ist für mich immer wieder, dass es, wenn wir es schaffen ehrlich und nüchtern auf die Situation zu schauen, sehr häufig nicht der Gegenüber ist der "Schuld" trägt. Er oder sie ist oder handelt ja nunmal so wie er oder sie ist.
Es sind unsere Vorstellungen und Erwartungen, die auf Sand gebaut sind, weil wir uns weigern die Realität zu akzeptieren. Und sich das einzugestehen oder es uns überhaupt zu erlauben zu sehen, dass wir selbst einen Teil der Verantwortung tragen für den eigenen Schmerz oder eine Demütigung, ist nicht immer leicht.
Wenn Du Dich das nächste Mal enttäuscht fühlst, spür in Dich rein und frag Dich, welche Täuschung aufgeflogen ist, die Dich so wütend, traurig oder ratlos macht. Frag Dich, was wahr ist, was die Realität ist. Denn auch wenn es wehtut, am Ende hat das Leben immer recht.