21/07/2021
Sehr viel wahres dran... kaum jemand möchte die ungeschönte Wahrheit hören...
Aber das sind wir unserem Partner Pferd schuldig, Kritik annehmen, sich selbst und das eigene Handeln reflektieren und NIEMALS aufgeben!
Hätten Sie es gerne ehrlich?
Oder möchten Sie es lieber so, dass auch nicht ein Anschein von einer Kritik dabei aufkommen könnte?
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Als ich reiten gelernt habe und auch als ich in späteren Jahren konsequent unter anderem mit Siegfried Peilicke (dem ehemaligen Bundestrainer Junioren und junge Reiter Dressur) trainiert habe, war es ganz normal, dass man mit Kritik leben musste.
Bimbo – so war sein Spitzname – brüllte auch schon mal durch die ganze Halle: „was reitest du da eigentlich für ein Mist?…. Du musst es so machen…“
Damit konnte ich wunderbar leben auch wenn ich manchmal am liebsten im Boden versunken wäre. Durch ihn und vor allem durch Paul Stecken habe ich reiterlich wie auch menschlich wahnsinnig viel gelernt!
Ausbilden bis auf S-Niveau ist kein Problem. Reiterlich-Menschlich habe ich gelernt mich immer zu hinterfragen und mir immer zu überlegen, was hätte ich anders oder auch besser machen können, wenn etwas nicht so funktioniert wie ich mir vorstelle. Ich habe auch gelernt, dass im Zweifelsfall ICH das Problem für mein Pferd bin…
Mit dieser Ehrlichkeit und Offenheit gehen heute wenige in den Reitunterricht.
Was wollen die Leute hören?
Das alles Klasse ist?
Wenn man sich manch ein Pferd betrachtet, wird einem sofort klar, dass es ganz schnell in die richtige Richtung gehen muss, sonst sind die Pferde schneller kaputt, als man zusehen kann.
Sagen darf man das heute vielfach nicht! Kritik ist nicht erwünscht. Fachliche Anmerkungen und Erklärungen nimmt manch ein Reiter trotzdem persönlich. Man selbst steht dann dabei und kann das gar nicht fassen.
Sagt man aber nicht, dass gesundheitliche Probleme bevorstehen und das Kind ist irgendwann in den Brunnen gefallen, dann heisst es: warum hast du das nicht früher gesagt?
Merkt man es frühzeitig an, dann übertreibt man, sieht die Dinge zu eng, sieht Gespenster, will ja alles nur schlecht machen und im allerbesten Fall hat man eigentlich sowieso keine Ahnung.
Eine Entwicklung, die ich persönlich in Anbetracht unserer qualitativ hochwertigen und extrem sensiblen Pferde erschreckend finde.
Wenn ich heute irgendwo hinkomme, dann frage ich meist als erstes: hätten Sie es gerne „dütsch un dütlich“ oder möchten Sie es lieber gut verdaulich?
Sicherlich ist es frustrierend, wenn im Laufe einer Lektion oder einer Pferdebegutachtung herausgekommen ist, dass in den letzten Jahren vielleicht sehr sehr viel in die falsche Richtung gelaufen ist. Das muss man erst mal verdauen. Das kann ich verstehen.
Da es aber um die Gesundheit des Pferdes geht, denke ich ist es eigentlich gut zu wissen wo man steht. Ab einem gewissen Punkt hilft es nicht mehr, die Dinge schönzureden, denn nicht selten haben die Pferde, die man sieht nicht mehr sehr viel Zeit.
Ich wäre in solchen Momenten froh, wenn mir jemand einen Weg aufzeigen würde, wie man vielleicht doch noch die Kurve kriegt.
Das ist immer häufiger nicht erwünscht! Läuft es nicht richtig, dann liegt es am Sattel, natürlich an der Zucht, unbedingt an der FN-Reiterei, am Vorbesitzer, an der Fütterung, an der Haltung aber sicherlich nicht an einem selbst. Die Pferde zahlen dafür einen hohen Preis.
Nicht umsonst sind immer mehr schon sehr junge Pferde auf die Knochen kaputt….
…. Und das liegt in den meisten Fällen nicht an der Sc******ke, sondern bei vielen Pferden an ihrem Reiter, der es bequemer findet im etablierten Brei zu rühren, statt die Wahrheit anzunehmen und daraus etwas Gutes zu machen….