10/05/2026
Halb tot — und irgendwo war noch eine Rakete im Rucksack.
Voller Zweifel ging ich an den Start.
In der gesamten Trainingsphase hatte ich genau einmal die 10 km bei einem „lockeren“ Lauftraining geschafft — und das lag Monate zurück.
Danach kamen Umzug, Erkältung, Chaos und vermutlich noch ein paar apokalyptische Reiter dazu.
Das Training wurde jedenfalls immer dünner.
Aber wie ein verwirrter Waldkobold mit fragwürdigen Lebensentscheidungen raffte ich mich trotzdem immer wieder auf.
Die Vorstellung, später über 1:15 Stunden zu brauchen, löste schon leichten Horror in mir aus.
Ich hatte zwischendurch ernsthaft das Bild im Kopf, wie die Helfer bereits die Ziellinie abbauen, während ich irgendwo im Nirgendwo noch versuche, meine Beine diplomatisch zur Zusammenarbeit zu überreden.
Ich konnte überhaupt nicht einschätzen, welche Zeit mich über 10 km im Wettkampf erwarten würde.
Also lief ich die erste Runde doch etwas schneller als geplant — einfach aus Angst, das Schlusslicht zu werden.
Naja, und die gesamte Atmosphäre riss mich auch irgendwie mit.
Musik, viele Menschen, Pappschilder….😅🙈
Uiuiui…
Schon relativ früh wurde klar:
Die komplette Strecke in diesem Tempo durchzuziehen wäre ungefähr so realistisch wie ein entspanntes Picknick mit zwei Waschmaschinen an den Waden.
Ab Kilometer 5 wurden die Beine schwer.
Die Füße klebten gefühlt am Asphalt fest wie alter Kaugummi unter einer Schulbank.
Also: Tempo rausnehmen.
Kurz gehen.
Die Muskeln neu booten.
Weiterlaufen.
Der Puls blieb dabei meistens erstaunlich gechillt im 160er-Bereich.
Nur meine Beine hatten offenbar intern bereits den Betriebsrat eingeschaltet.
Ja, ich weiß schon:
Muskeln und Sehnen brauchen länger als das Pumpsystem, wenn man noch am Anfang steht.
Nur… wann hört dieser Anfang eigentlich auf?
Immerhin laufe ich seit letztem September.
Irgendwann müssten die Beine doch mal merken, dass das hier keine kurzfristige psychische Störung mehr ist.
Nun ja — gestern jedenfalls noch nicht.
Aber:
Ich blieb unter meinem persönlichen Horror-Limit von 1:15 Stunden.
Und das macht mich gerade ehrlich stolz.
Kurz vor der letzten Kurve konnte ich tatsächlich nochmal alle Kräfte bündeln.
Ich war selbst überrascht, dass irgendwo noch Reserven versteckt lagen —
für einen kleinen Endspurt mit einer kurzen Pace von 4:17.
Im Ziel begrüßte mich dann noch ein guter Geist und riet mir, nicht stehen zu bleiben.
Sehr vernünftiger Hinweis.
Auch wenn meine Beine sich in dem Moment bereits langsam in Sternenstaub verwandelt hatten.
Also danke dafür 🙏