12/06/2026
… und heute bei SWR I ein Name, der mit den furchtbaren Ereignissen am Ende des 2. Welt-kriegs zusammenhängt: Tolksdorf.
Die heutige Verbreitung zeigt nicht immer, woher der Name ursprünglich gekommen ist. Da hilft eine andere Kartierung: sie beruht auf den Verlustlisten des 1. Weltkriegs der Soldaten der deutschen Wehrmacht (rechte Karte). Sie beruht auf fast 8 Millionen Namen und ist sehr zuver-lässig in Bezug auf die Frage, woher ein Name ursprünglich gekommen ist.
Die anhängende Karte zeigt in rot das Vorkommen von 1918, in gründ das von 1996. Sie sagt alles …
Der Familienname Tolksdorf basiert auf einem ursprünglichen Beinamen, der dem ersten Na-mensträger aufgrund seiner Herkunft aus einem der ostpreußischen Orte Tolksdorf (1. heute polnisch Tołkiny, Wojewodschaft Olsztyn / dt. Allenstein, Gemeinde Korsze) oder 2. heute polnisch Tolkowiec, Wojewodschaft Elbląg / dt. Elbing, Gemeinde Płoskinia) näher kennzeich-nete.
So lautet die älteste, im Jahre 1300 überlieferte Form des Ortsnamens Tolksdorf / poln. Tolko-wiec Tuliten, des Weiteren 1300 in campum Tuliten; Tolkesdorf; 1328 de [aus] Tolcksdorff, 1339 de Tolkstorff; Tolkstroff; 1368 de Tolkisdorp; 1383 van Tolkistorf, 1486 in Tolkisdorff, um 1550 Tolcksdorff; 1615 Tolchsdorf, 1755 Tolksdorff, 1892 Tolksdorf, 1946 Tolksdorf Tulity, Tolkowiec, 1951 Tolkowiec, dt. Tolksdorf, 1982 Tolkowiec. Auszugehen ist hier von einer Grundform *Tulīt-ai (* = rekonstruiert). Es handelt sich hier laut R. Przybytek (Ortsnamen baltischer im südlichen Teil Ostpreußens, Stuttgart 1993, S. 304; Hydronymia Europaea, Son-derband) um eine mit der Endung -it gebildete Ableitung von einem preußischen Personenna-men *Tule; vgl. auch Tulen, litauisch Tulai. So lässt sich für den Ort die Grundbedeutung „Ort eines *Tule“ annehmen. Dem enthaltenen Personennamen liegt das preußische Wort *tul- ne-ben tūlan „schwer, viel“, tūlninai „mehr“ zugrunde, das noch in den litauischen Personennamen Tulys, Tulas (abgeleitet von litauisch tulas „oft; schwer, groß“, tūle „Menge, Masse“) enthalten ist. Die deutsche Form Tolksdorf enthält hochdeutsch Dorf und ein Element Tolk(s)-, das mit dem Ortsnamen Tolko verbunden werden kann (dies ist der Name eines früheren Dorfes in der Wojewodschaft Olsztyn / dt. Allenstein; dieser enthält den preußischen Personennamen Tolk, Tolck, Tolke, der am ehesten mit litauisch *tulks, vgl. heute noch in litauisch tùlkas, lettisch tulks „Dolmetscher“ = Lehnwort aus mittelhochdeutsch tolke „Dolmetscher“) zusammenge-führt werden kann. Die polnische Variante Tolkowiec beruht auf der deutschen Form, wobei das Suffix -owiec für deutsch -dorf eingetreten ist. Tulity geht dagegen eher auf die preußische Vor-lage *Tulit- zurück.
Der Name des zweiten nachweisbaren Tolksdorf / heute polnisch Tołkiny ist in den folgenden Formen historisch bezeugt: 15. Jh. Tolkynen, 1486 in Tolkszdorff, 1533 Tolksdorff, um 1550 Tolcksdorff, 1589 Tolksdorff, 1620–21 Tolksdorff, 1755 Tolksdorff, um 1790 Tolksdorf, 1892 Tolksdorf, 1946 Tolksdorf – Tolkowiec, Tołkiny, 1951 Tołkiny, dt. Tolksdorf, 1982 Tołkiny. An-zunehmen ist hier eine preußische Grundform *Tolkin-ai / *Tulkin-ai. Diese dürfte am ehesten mit preußisch *tulks, litauisch tùlkas, lettisch tulks „Dolmetscher“ bzw. mit dem litauischen Personennamen Tulk-ait-is, auch Tulke, Tulė, Tulys zu verbinden sein. Die polnische Variante Tołkiny basiert auf der preußischen Vorlage (ebenda, S. 303).