11/09/2026
Die Rivalen im Radsport DÜRKOPP und RABENEICK
Michael Mertins
Mit einer Pop-up-Ausstellung zum Denkmaltag am 13. September erinnert der Förderverein der Radrennbahn an die Aktivitäten der Firmen DÜRKOPP und RABENEICK. In der Nachkriegszeit gehörten ihre Werksteams zu den erfolgreichsten in Deutschland, ihre siegreichen Fabrikate waren bei der Kundschaft heiß begehrt.
Direkt nach dem Zweiten Weltkrieg lag die Fahrradindustrie in Bielefeld am Boden, ebenso der Profi-Radsport - einerseits durch den eklatanten Materialmangel, andererseits durch die Verluste großer Radsporttalente wie Heinz Wengler oder Willi Oberquelle, die ihr Leben an der Ostfront gelassen hatten. Doch die britische Besatzungsmacht sorgte für einen zügigen Wiederaufbau dieses Industriezweigs, um den Bedarf an Fahrrädern decken zu können. Zum Neustart des Profisports kam es durch die Deutschlandfahrt 1948 - das übrigens schon mit Unterstützung von ALCINA, deren Masseure sich um die Regeneration der Fahrer nach der Zielankunft kümmerten. Von Stuttgart nach Hamburg ging es in 11 Etappen über eine Distanz von gut 1.500 km. Für DÜRKOPP reichte es nur für den 8. Platz in der Gesamtwertung, RABENEICK erzielte immerhin den 6. Platz und zwei Etappensiege.
Als erste richtige Bewährungsprobe erwies sich die Deutschlandfahrt 1949, für die neun Profiteams auf die 2800 km lange Strecke gingen. Den Gesamtsieg holte sich das RABENEICK-Team mit Harry Saager, die beste DÜRKOPP-Platzierung war Platz 4. Bei der Neuauflage der Rundfahrt 1950 hatte DÜRKOPP gegenüber RABENEICK im Gesamtklassement wieder das Nachsehen. Mit ihren Erfolgen konnten beide Firmen vortrefflich für ihre Fabrikate werben.
Bei der Deutschlandfahrt 1951 kam es zum letzten Schlagabtausch der beiden Rivalen, den das DÜRKOPP-Team knapp für sich entscheiden konnte, obwohl das RABENEICK-Team vier Etappensiege verbuchen konnte. Trotz des Erfolges entschied man sich aber bei DÜRKOPP für ein Ende des Radsportengagements und verlegte die Aktivitäten vermehrt auf den motorisierten Sport. 1961 wurde dort die Fahrradproduktion beendet, damit kam auch das Ende für das beliebte Rennrad Modell 115. RABENEICK konnte bei den Rundfahrten bis 1955 mit weiteren sehr guten Platzierungen für sein legendäres Modell 100 werben.
In der zweiten Hälfte der Fünfziger Jahre begann das große Sterben der Fahrradfabriken in Deutschland. Dieses Phänomen machte auch vor der Fahrradhochburg Bielefeld keinen Halt. RAPIER, MEISTER, WITTLER, DÜRKOPP und MIELE gaben die Fahrradproduktion auf, die Organisatoren der großen Rundfahrten mussten neue Förderer suchen. So kamen branchenfremde Teamsponsoren ins Spiel wie HÖR ZU und TELEFUNKEN oder Versandhäuser wie QUELLE und SCHWAB. Die Namen der gefahrenen Fabrikate verkamen leider zur Nebensache. Heute undenkbar: Ein Schmerzmittel¬hersteller als Hauptsponsor, der auf der Tourzeitschrift mit Sprüchen wie „Tag für Tag verlassen sich die Rennfahrer auf die Hilfe von ASPROS - Zwei ASPROS und der Schmerz vergeht“ warb. Der Einsatz von „Medikamenten“ war in diesen Zeiten an der Tagesordnung.
Nur die Firma RABENEICK wollte den Profisport nicht einfach so „ad actas“ legen. Mit dem Kölner Getränkehersteller AFRI COLA bildete man von 1960 bis 1962 ein Team, das sein Modell CAMPAGNOLO zum Verkaufsrenner machte. Doch auch in Brackwede endete die Fahrradproduktion 1964 aus wirtschaftlichen Gründen. Damit fand das Jahrzehnte andauernde Radsportengagement der hiesigen Fahrradindustrie ein bitteres Ende.
In der Pop-up-Ausstellung im Zelt an der Radrennbahn werden ein gutes Dutzend der seinerzeit beliebten Rennräder sowie Werbeanzeigen, Prospekte und Plakate gezeigt. Weitere Dokumente und Schaustücke in Vitrinen runden das Thema ab.
Die Ausstellung ist geöffnet am 12. und 13. September von 12 bis 17 Uhr. Eintritt frei!
Adresse: Heeper Str. 301 auf dem Gelände des Stadions www.radrennbahn-bielefeld.de