27/04/2026
Wann ist der richtige Moment, ein Training zu beenden?
Ein gutes Training endet mit Verbindung, nicht mit Erschöpfung!
Der richtige Zeitpunkt, ein Training mit deinem Pferd zu beenden, ist oft früher, als man denkt. Für mich endet eine Einheit nicht erst dann, wenn alles perfekt war, sondern dann, wenn mein Pferd mir zeigt: „Ich habe verstanden, ich habe mich bemüht, und ich bin noch bei dir.“ Genau dieser Moment ist wertvoll. Wenn ich merke, dass mein Pferd aufmerksam bleibt, eine Aufgabe besser ausführt als am Anfang oder einen kleinen Fortschritt macht, dann ist das für mich ein guter Zeitpunkt, aufzuhören. Denn Training soll nicht bedeuten, so lange weiterzumachen, bis die Kraft oder die Motivation nachlässt. Es soll mit einem Gefühl von Vertrauen, Ruhe und Erfolg enden.
Auch ich musste das erst mal lernen. Meine erste Trainerin war erst zufrieden wenn mein Pferd anfing zu schwitzen. auch in diesem Stall war es so, wenn du aus der Halle gekommen bist und dein Pferd war nicht nass, hieß es, na heute hast du aber nicht richtig gearbeitet. es hat lange gedauert bis ich verstanden habe, das Erschöpfung nicht gleich Training bedeutet.
Wir müssen auch von dem Gedanken wegkommen, dass eine Trainingseinheit immer 60 Minuten dauern muss. Nein, eine Einheit darf auch einmal nur 10 oder 20 Minuten lang sein. Entscheidend ist nicht die Uhr, sondern die Qualität der gemeinsamen Zeit. Wenn mein Pferd nach kurzer Zeit etwas gut verstanden hat, locker bleibt und motiviert mitarbeitet, dann kann genau das eine vollständige und wertvolle Einheit sein. Manchmal ist ein kurzes, positives Training viel nachhaltiger als eine lange Einheit, in der am Ende Konzentration, Freude oder Leichtigkeit verloren gehen.
Ich achte dabei sehr auf die Signale meines Pferdes. Wird es müde, unkonzentriert, hektisch oder innerlich angespannt, dann frage ich mich, ob ich vielleicht zu viel verlangt habe. Manchmal reicht schon ein kleiner guter Schritt: ein ruhiger Übergang, ein entspanntes Nachgeben, ein konzentrierter Moment oder einfach die Bereitschaft, mit mir zusammenzuarbeiten. Genau dann beende ich die Übung lieber positiv, anstatt noch „nur einmal“ weiterzumachen und vielleicht den schönen Moment wieder zu verlieren. Für mich ist es wichtig, dass mein Pferd das Training nicht mit Druck verbindet, sondern mit Klarheit, Fairness und einem guten Gefühl.
Ein Training zu beenden heißt für mich nicht, einfach aufzuhören und das Pferd wegzustellen. Wenn mein Pferd etwas gut gemacht hat, steige ich bewusst sofort ab, um ihm zu zeigen: Genau hier war es richtig. Genau dieser Moment war gut. Damit bekommt mein Pferd eine klare, faire Rückmeldung und kann verstehen, dass seine Antwort richtig war. Danach führe ich es noch entspannt, damit es sich strecken, durchatmen und die Einheit in Ruhe verarbeiten kann. So klingt das Training nicht abrupt aus, sondern endet weich, ruhig und verständlich. Auch meine eigene Energie verändert sich: Ich werde ruhiger, weicher und klarer, damit mein Pferd spürt, dass es gut gemacht hat.
Am Ende geht es nicht darum, wie lange ein Training dauert, sondern wie es sich anfühlt. Ein gutes Training endet nicht mit Erschöpfung, sondern mit Verbindung. Ich möchte, dass mein Pferd nach der Einheit zufrieden, verstanden und motiviert bleibt.
Wenn es beim nächsten Mal wieder gerne mit mir arbeitet, habe ich vieles richtig gemacht. Deshalb versuche ich, das Training immer dann zu beenden, wenn mein Pferd noch mit Freude dabei ist und wir gemeinsam einen positiven Abschluss finden können.