04/08/2026
Aktuelle Himmelsereignisse: Einschlag einer Falcon-9-Oberstufe auf dem Mond am 5. August 2026 um 8:34 Uhr MESZ
Nach dem Start einer SpaceX-Mission bleibt die ausgebrannte Oberstufe der Falcon-9-Rakete oft im All zurück und umkreist noch einige Zeit die Erde oder den Mond, bevor sie unkontrolliert auf einen Himmelskörper stürzt. Ein solches Ereignis steht nun bevor: Am 5. August 2026 um 8:34 Uhr MESZ schlägt eine solche Falcon-9-Oberstufe auf dem Mond ein, nahe dem Krater Einstein. Für die Wissenschaft ist das keineswegs uninteressant – der Einschlag erzeugt einen neuen künstlichen Krater, dessen Entstehung sich mit modernen Instrumenten dokumentieren lässt und wertvolle Daten über den Mondboden liefert.
Eine günstige Libration des Mondes rückt den sonst am äußersten Rand liegenden Krater Einstein an diesem Tag gerade noch weit genug in den sichtbaren Bereich, sodass er am extremen linken Rand der Mondscheibe positionell erreichbar ist. Einstein liegt am westlichen Rand der Mondvorderseite, nahe der Grenze zur Rückseite, auf 16,6° Nord und 91,1° West. Die Libration in der Länge verschafft uns dabei einen Blick über den sonst üblichen geometrischen Rand hinaus. Allerdings liegt der Krater im grellen Sonnenlicht dicht am Mondrand, weshalb Details ohnehin kaum auszumachen wären – zumal die Formation extrem flach und stark verkürzt erscheint, was eine direkte optische Detailerkennung von der Erde aus praktisch unmöglich macht.
Von Bernau aus wird der Einschlag daher weder als Lichtblitz noch als Staubwolke im Teleskop zu beobachten sein – das Ereignis findet statt, doch die hiesigen Beobachtungsbedingungen verhindern jede Sichtung.
Das liegt zum einen am Taghimmel: Um 8:34 Uhr MESZ steht die Sonne in Bernau bereits hoch am Himmel, der Sonnenaufgang war kurz nach 5:30 Uhr. Der Mond befindet sich zwar theoretisch im Südwesten, verblasst aber stark vor dem hellblauen Himmelshintergrund. Da der Einschlagort zudem am direkt von der Sonne beschienenen Mondrand liegt, ist der Untergrund extrem hell. Der kinetische Lichtblitz, der durch die Hitze des Aufpralls entsteht, besitzt bei einer vergleichsweise geringen Einschlagsgeschwindigkeit von etwa 8700 km/h nicht genug Energie, um sich gegen das gleißende Sonnenlicht auf der Mondoberfläche durchzusetzen – er wird schlicht überstrahlt.
Auch die Staubwolke, der sogenannte Regolith-Plume, bleibt uns verborgen. Simulationen der University of Texas in Austin zeigen, dass die hohle Struktur der Falcon-9-Oberstufe eine gewaltige Staubwolke aufwirbeln kann, die bis zu 100 Kilometer hoch steigt – von der Erde aus entspräche das einer scheinbaren Größe von rund 55 Bogensekunden. Im Weltraum würde sich diese Wolke deutlich vom tiefschwarzen Hintergrund abheben. In Bernau blickt man zu dieser Uhrzeit jedoch durch die von der Sonne erleuchtete, blau glühende Erdatmosphäre, sodass der Kontrast zwischen dem schwach reflektierenden Mondstaub und dem hellen Taghimmel viel zu gering ist, um die Wolke sichtbar zu machen.
Deutlich bessere Karten hat die Westhalbkugel der Erde: In den USA und Kanada herrscht zum Einschlagszeitpunkt noch tiefste Nacht beziehungsweise frühe Morgendämmerung, sodass der Mond dort vor einem pechschwarzen Himmelshintergrund steht. Mit Teleskopen ab etwa 800 bis 1000 Millimetern Brennweite lässt sich dort versuchen, die über den Mondrand ragende Staubwolke als winzige, temporäre „Ausbuchtung" am Horizont der Mondscheibe live zu dokumentieren.
Für uns an der Volkssternwarte Bernau bleibt daher nur der Blick auf die professionellen Satellitendaten: Raumsonden wie der Lunar Reconnaissance Orbiter (LRO) der NASA und der südkoreanische Orbiter Danuri werden die Einschlagstelle nahe den Kratern Einstein und Bell in den kommenden Tagen überfliegen und hochauflösende Vorher-Nachher-Bilder des neuen, etwa 20 bis 30 Meter großen künstlichen Kraters liefern.
Viele Grüße Euer Sternwartenteam
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