19/06/2026
𝗦𝘃𝗶𝘁𝗼𝗹𝗶𝗻𝗮 𝗺𝘂𝘀𝘀 𝗴𝗲𝗵𝗲𝗻 - 𝗘𝗮𝗹𝗮𝘀 𝗕𝗲𝗿𝗹𝗶𝗻𝗲𝗿 𝗠𝗮̈𝗿𝗰𝗵𝗲𝗻 𝗴𝗲𝗵𝘁 𝘄𝗲𝗶𝘁𝗲𝗿
cg - Berlin schwitzte. Und mit der Hauptstadt schwitzte auch das Steffi-Graf-Stadion. Während das Thermometer draußen auf 34 Grad kletterte, staute sich die Hitze im nahezu ausverkauften Stadion auf weit über 40 Grad. Schon vor dem ersten Ballwechsel war klar: Dieser Viertelfinaltag der VANDA Pharmaceuticals BERLIN TENNIS OPEN 2026 würde nicht nur spielerisch, sondern auch körperlich zur echten Herausforderung werden. Nach acht Stunden Weltklasse-Tennis standen schließlich Jessica Pegula, Linda Noskova, Aryna Sabalenka und Alexandra Eala im Halbfinale – jede von ihnen auf ihre ganz eigene Art.
Den Auftakt machten zwei Freundinnen. Jessica Pegula und Madison Keys kennen sich seit vielen Jahren, trainieren häufig gemeinsam und begegnen sich auf der Tour mit großem Respekt. Auf dem Platz spielte das allerdings keine Rolle. Keys erwischte den besseren Start, nahm Pegula früh den Aufschlag ab und zog auf 4:1 davon. Die Titelverteidigerin aus dem Jahr 2024 ließ sich davon jedoch nicht beeindrucken. Mit ihrer ruhigen, kontrollierten Spielweise kämpfte sie sich Punkt für Punkt zurück, entschied den ersten Satz im Tiebreak für sich und drehte anschließend auch den zweiten Durchgang zum 7:5. Damit war das erste Halbfinalticket des Tages vergeben.
Wenig später zeigte Linda Noskova, warum sie inzwischen zu den spannendsten jungen Spielerinnen der Tour gehört. Gegen Paula Badosa, die tags zuvor noch Coco Gauff sensationell aus dem Turnier geworfen hatte, ließ die Tschechin kaum Zweifel aufkommen. Von der Grundlinie dominierte sie nahezu jeden Ballwechsel, nahm Badosa immer wieder Zeit und gewann nach nur 69 Minuten souverän mit 6:1, 6:3. Ein Auftritt, der eindrucksvoll zeigte, wie gefährlich Noskovas druckvolles Grundlinienspiel gerade auf Rasen geworden ist.
Den emotionalen Mittelpunkt des Tages bildete anschließend das mit Spannung erwartete Viertelfinale zwischen Aryna Sabalenka und der jungen Tschechin Nikola Bartunkova. Die Weltranglistenerste schien dabei lange auf eine überraschende Niederlage zuzusteuern. Bartunkova spielte völlig befreit auf, nahm Sabalenka gleich mehrfach den Aufschlag ab und sicherte sich den ersten Satz deutlich mit 6:2.
Als die Tschechin auch im zweiten Durchgang schnell mit 4:0 in Führung ging, begann das Publikum bereits an die nächste Sensation dieser Berliner Turnierwoche zu glauben. Doch genau in solchen Momenten zeigt sich, warum Sabalenka derzeit die Nummer eins der Welt ist. Sie kämpfte sich mit beeindruckender Entschlossenheit zurück, zwang den Satz in den Tie-Break und dominierte diesen mit 7:2. Erst jetzt war das Match endgültig gekippt. Nach insgesamt 2:23 Stunden verwandelte Sabalenka ihren dritten Matchball zum 6:4 im entscheidenden Satz und sank erleichtert auf den Rasen.
Anschließend richtete sie den Blick sofort auf ihre Gegnerin. „Ich hatte heute ein bisschen Glück“, sagte sie ehrlich. „Nikola hat unglaublich gespielt und sie hat ohne Zweifel eine große Zukunft vor sich.“ Mit einem Lächeln fügte sie hinzu, sie würde sich gern einmal die tschechischen Tenniszentren anschauen, um herauszufinden, warum dort derzeit so viele außergewöhnliche Spielerinnen ausgebildet werden.
Während auf dem Centre Court um jeden Punkt gekämpft wurde, hatten an diesem Freitag allerdings nicht nur die Spielerinnen Schwerstarbeit zu leisten. Die enorme Hitze verlangte allen auf der Anlage alles ab. Ballkinder, Volunteers, Schiedsrichter und Zuschauer trotzten den hochsommerlichen Temperaturen mit bemerkenswerter Ausdauer. Besonders während des Sabalenka-Matches bot sich auf den Tribünen ein fast schon faszinierendes Bild. Überall wedelten Programmhefte, Sonnenhüte und die von einem Sponsor verteilten Fächer durch die Luft. Es wirkte beinahe so, als würde sich ein ganzer Schwarm Schmetterlinge gleichzeitig in Bewegung setzen. Immer wieder erinnerten Durchsagen die Zuschauer daran, ausreichend Wasser zu trinken und eine Dehydrierung zu vermeiden. Bei Temperaturen von bis zu 45 Grad im Stadion war dieser Hinweis alles andere als übertrieben.
Auch in der Doppelkonkurrenz wurden die Halbfinalistinnen ermittelt. Das norwegisch-amerikanische Duo Ulrikke Eikeri/Quinn Gleason setzte sich überraschend gegen die an Position zwei gesetzten Elise Mertens/Shuai Zhang durch und bestätigte damit seinen beeindruckenden Lauf durch das Turnier.
Ebenfalls ins Halbfinale zogen Sara Errani und Nicole Melichar-Martinez ein. Das an Position drei gesetzte Doppel ließ Giuliana Olmos und Erin Routliffe beim 6:2, 6:1 kaum zur Entfaltung kommen. Ausgerechnet jenes Duo also, das wenige Tage zuvor das viel beachtete Berliner Doppel-Comeback von Serena Williams beendet hatte, musste nun selbst die Koffer packen.
Als sich der lange Turniertag langsam dem Ende näherte und die Abendsonne das Steffi-Graf-Stadion in das warme Licht der sogenannten blauen Stunde tauchte, wartete noch ein letztes Highlight auf die Zuschauer.
Alexandra Eala gegen Elina Svitolina.
Die Voraussetzungen hätten kaum unterschiedlicher sein können. Auf der einen Seite die erfahrene Ukrainerin, ehemalige Nummer drei der Welt und zuletzt mit überzeugenden Siegen gegen Anna Kalinskaya und Eva Lys. Auf der anderen Seite eine 21-jährige Wildcard-Spielerin von den Philippinen, die mit ihren Erfolgen gegen Donna Vekic und Elena Rybakina bereits für Furore gesorgt hatte.
Doch wer dachte, Ealas märchenhafter Lauf müsse nun enden, wurde erneut eines Besseren belehrt.
Mit erstaunlicher Ruhe und einer für ihr Alter beeindruckenden Reife diktierte sie große Teile des Spiels. Immer wieder variierte sie Tempo und Länge ihrer Schläge, zwang Svitolina zu Fehlern und entschied die wichtigen Punkte für sich. Das 6:3, 6:4 war deshalb keineswegs glücklich, sondern die logische Belohnung einer weiteren außergewöhnlichen Vorstellung.
„Elina hat zum Ende des Matches noch einmal besser gespielt. Es war hart, aber ich freue mich einfach, dass ich gewonnen habe“, sagte Eala anschließend bescheiden. Auf das Halbfinale gegen Linda Noskova angesprochen, antwortete sie mit einem Lächeln: „Wenn man in Berlin das Halbfinale erreicht, muss man ohnehin gegen großartige Spielerinnen antreten.“
Vor einer Woche war Alexandra Eala für viele Besucherinnen und Besucher auf der Anlage des LTTC „Rot-Weiß“ noch ein vielversprechendes Talent. Heute verließ sie den Centre Court unter großem Applaus als wohl größter Publikumsliebling dieser Berlin Tennis Open.
Der Halbfinalsamstag verspricht nun zwei Begegnungen, die spannender kaum sein könnten. Jessica Pegula fordert Weltranglistenerste Aryna Sabalenka, während Linda Noskova auf die große Überraschung des Turniers, Alexandra Eala, trifft. Nach den vergangenen Tagen hat dieses Turnier allerdings längst bewiesen, dass Favoritinnenrollen in Berlin nur eine Momentaufnahme sind.
𝗦𝗽𝗶𝗲𝗹𝗽𝗹𝗮𝗻 𝗦𝗮𝗺𝘀𝘁𝗮𝗴 𝟮𝟬. 𝗝𝘂𝗻𝗶 𝟮𝟬𝟮𝟲
STEFFI GRAF STADION beginnt um 12:00 Uhr
[1] A. Sabalenka vs [3] J. Pegula (USA)
NB 14:00 Uhr [8] L. Noskova (CZE) vs [WC] A. Eala (PHI)
A. Muhammad (USA) / F. Stollar (HUN) vs [3] S. Errani (ITA) / N. Melichar-Martinez (USA)
E. Alexandrova / L. Noskova (CZE) vs U. Eikeri (NOR) / Q. Gleason (USA)