07/03/2025
Großer Verlust für Charlottenburger Radsport
Mit Werner Günzel und Hans Hesse verstarben zwei einstige Asse aus der Aera des RC Pfeil
Es war keine gute Nachricht für die Charlottenburger Radsportler, die in letzter Zeit ohnehin mit dem langjährigen Vorsitzenden und Ehrenvorsitzenden Hein-Detlef Ewald und mit der RTF-Legende Dieter „Bolle“ Mehlitz sowie mit dem Meisterfahrer Michael Becker schmerzliche Verluste zu beklagen hatten. Nun haben sich 2005 im Februar und Anfang März wieder zwei namhafte Könner aus der Schule des RC Pfeil verabschiedet.
Werner Günzel wurde 85 Jahre alt, sein langjähriger Freund Hans Hesse war zwei Jahre älter. In ihrer aktiven Zeit hatten sie als Jugendfahrer nach Meisterehren gegriffen. 1955 war der RC Pfeil Charlottenburg Deutscher Jugendmeister im 50 km Mannschaftsfahren. Im siegreichen Sextett kurbelten damals Werner Günzel, Hans Hesse, Helge Jörg, Dieter Mehlitz, Lothar Wimmer und Ehrhard Steinhorst, der im gleichen Jahr schon Deutscher Jugendmeister im Straßen-Einzelrennen geworden war.
Diesen Erfolg konnte der RC Pfeil ein Jahr später wiederholen. An der Seite der Titelverteidiger Günzel, Jörg, Steinhorst und Wimmer kurbelten nun zwei neue Youngster: Lenzner und Willoweit,
während Hans Hesse zu den Männern (damals Junioren) aufgerückt war. Er wurde auf Anhieb Berliner Vizemeister im Straßenrennen und konnte sich auch im Sportpalast als Könner im Zweier-Mannschaftsfahren vorstellen. Mit Heinz Dominik gewann Hans Hesse überlegen die beiden Saisonhauptrennen der Amateure: einen 400-Runden-Wettbewerb und ein 75-km-Rennen.
Für Werner Günzel wurde Rang drei in der Berliner Sprintermeisterschaft registriert. Sein Einstand bei den Männern gab es 1957 mit dem Sieg bei Rund um die Havelberge, der traditionellen Saison-Eröffnung.
Hanne Hesse aber gestaltete das Jahr 1957 besonders erfolgreich. In seiner Erfolgschronik stehen die Berliner Meisterschaft im Strassen-Einzelrennen, die Gewinne bei der Kreuzberger Festwoche (mit Rundenvorsprung), bei Rund um den Görlitzer Bahnhof sowie der Sieg im 50-Minuten Einzelfahren im Sportpalast (Aufgalopp zum Sechstagerennen) und der Gewinn im Städte-Omnium mit Hans Jaroszewicz. Weiterhin bemerkenswert: Berliner Vizemeister Mannschaft, der Ehrenplatz im Ost-Berliner Nachtkriterium mit exclusiver Beteiligung aus dem Ausland und mit Seriensieger Täve Schur.
Nach vielen Vorstößen wurde Hesse erst kurz vor dem Ziel eingeholt und unterlag um Reifenstärke gegen Heinz Wahl.
Berliner Titel gewann Hans Hesse noch 1958 im Straßen-Mannschaftsfahren (mit Günzel) sowie 1961 mit Günter Kaslowski auf dem Tandem. Aber er war immer vorn zu finden: Ob als Sieger Rund im Südosten oder Rund um den Zeppelinplatz, bei der Havelberg-Runde oder Rund in Berlin. Auch im Zweier-Mannschaftsfahren sorgte er für Meriten bei mehreren Erfolgen mit Werner Günzel und bei der Winterbahn-Meisterschaft mit Achim Holz.
Werner Günzel stand ihm kaum nach. Nach einem gemeinsamen Erfolg mit Hanne Hesse sorgte er für den Clou, als er mit dem angehenden Star Romy Schneider eine hochbejubelte Ehrenrunde fuhr.
Vor zwei Jahren weilte Hanne Hesse auch beim Rad-Club Berlin-Brandenburg zu Gast. Gern wollte er den Kontakt ausbauen. Aber dazu kam es nicht mehr. Alter und Krankheit forderten ihren Tribut. Am 3. März ist Hans Hesse im Alter von 87 Jahren entschlafen und seinem Freund Werner Günzel gefolgt.
Wer sie gekannt hat, wird sich gern an sie erinnern!
W.R.