04/09/2026
Du erlaubst deinem Pferd Freizeit. Dir selbst offenbar nicht.
Du weißt genau, dass ein Pferd nicht jeden Tag funktionieren, trainieren und Leistung bringen kann. Es braucht freie Bewegung, soziale Kontakte, Pausen und Zeiten, in denen einfach gar nichts von ihm verlangt wird.
Bei dir selbst gelten diese Regeln komischerweise nicht.
Du musst arbeiten, den Haushalt erledigen, dich um alle kümmern, Sport machen, gesund essen, erreichbar sein und natürlich auch noch gut gelaunt dabei aussehen. Und dann fährst du völlig erledigt zum Stall und machst dort mit der nächsten Aufgabenliste weiter.
Bewegen. Putzen. Training. Stallarbeit. Schnell noch alles für morgen vorbereiten.
Der Ort, an dem du dich früher lebendig gefühlt hast, wird irgendwann zur Außenstelle deines Projektmanagements.
Selbst die Zeit mit dem Pferd muss inzwischen einen Zweck erfüllen. Das Pferd soll etwas lernen, du willst ein Problem lösen oder wenigstens das Gefühl haben, dass ihr heute Fortschritte gemacht habt. Wenn nichts davon passiert, war der Tag angeblich nicht produktiv.
Gott bewahre, etwas macht einfach nur Freude.
Wir haben uns ein Leben gebaut, in dem fast alles zu etwas führen muss. Arbeit soll Geld bringen, Sport einen besseren Körper, Lesen mehr Wissen und die Zeit mit dem Pferd bitte irgendeine persönliche Entwicklung.
Dabei gibt es kein Naturgesetz, das besagt, dass du dir Ruhe erst verdienen musst. Und es gibt auch keine Vorschrift, nach der ein schöner Moment nur dann wertvoll ist, wenn am Ende ein Ergebnis herauskommt.
Natürlich müssen Rechnungen bezahlt und Pferde versorgt werden. Es geht nicht darum, alle Verantwortung hinzuwerfen und ab morgen hauptberuflich Löcher in die Luft zu gucken.
Aber die Regel „Erst wenn alles erledigt ist, darf ich leben“ ist ziemlich bescheuert.
Denn es ist nie alles erledigt.
Vielleicht darf dein Pferd heute einfach Pferd sein. Und vielleicht darfst du daneben einfach Mensch sein, ohne etwas verbessern, erreichen oder optimieren zu müssen.
Dein Leben beginnt nicht, wenn deine Aufgabenliste leer ist.
Die wird nämlich niemals leer.
Hör mal rein in meinen Podcast „Undressierte Seelen“, er wird dir helfen.