22/07/2018
Anlässlich der aktuellen Bilder (mein Bild hier ist - wie immer- ein Beispielbild von istock photo) des "Dressurreitens" aus Aachen hier noch einmal:
§3 Absatz 1b Bundestierschutzgesetz :
Es ist verboten, an einem Tier im Training oder bei sportlichen Wettkämpfen oder ähnlichen Veranstaltungen Maßnahmen, die mit erheblichen Schmerzen, Leiden oder Schäden verbunden sind (...) anzuwenden.
Ich rufe hiermit das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft sowie das Bundesministerium der Justiz auf, diese im deutschen Tierschutzgesetz verankerten Vorgaben durchzusetzen!
Und das Wort „erheblich“ ersatzlos zu streichen, denn diese Formulierung beinhaltet die Aussage, dass es gesetzeskonform ist, dem Pferd Schmerzen, Leiden und Schäden zu zufügen, solange es nicht in „erheblichem“ Maße passiert. Dies wiederum lässt Spielraum für persönliche Auslegung.
Daher noch einmal für alle: Das ist KEINE Auslegungssache!
Nur, weil man solche Bilder wie aus Aachen inzwischen auf jedem Turnierplatz sieht und in fast jedem Reitstall, heisst das nicht, dass es nicht schlimm ist.
Die dort angewendeten Zwangsmaßnahmen sind tierschutzrelevant. Das Reiten in Rollkur/LDR und das ebenfalls sehr beliebte "Grellmachen" der Pferde bedeutet nichts anderes, als das Pferd durch das Zufügen von Schmerz = zustechen mit den Sporen, Kandare und Unterlegtrense auf dem sensiblen Unterkieferknochen, und dem gleichzeitigen gewaltsamen Herabziehen des Kopfes (was eine Flucht unmöglich macht und dem Pferd auch noch die Sicht nimmt- so ziemlich das fürchterlichste, was einem Fluchttier wie dem Pferd passieren kann) derart unter Stress zu setzen, dass es in den Fight or Flight Modus gerät.
Dieser Instinkt ist jedem Pferd angeboren, er lässt sich weder abschalten noch wegzüchten. Wenn man nun einem Pferd Schmerz zufügt und gleichzeitig dafür sorgt, dass es nicht fliehen kann, werden bei diesem Pferd ganz automatisch, instinktiv Abläufe in Gang gesetzt, bei denen es um Leben und Tod geht. Um das Überleben zu sichern ist eine erfolgreiche Flucht für ein Pferd die beste Möglichkeit. Hierfür werden (sehr kurz zusammengefasst) Stresshormone ausgeschüttet, die Muskulatur auf das Äusserste angespannt, besonders die der Hinterhand, denn dort sitzt der Motor des Pferdes, die Herzfrequenz erhöht und das Immunsystem unterdrückt.
So kann man dann auf einem bis zum äussersten angespannten Pferd in die Prüfung reiten und die Spannungstritte zeigen, die Richter und Publikum erwarten.
Auf Kosten der körperlichen und mentalen Gesundheit des Pferdes.
Es gibt etliche Tierärzte und Verbände, die behaupten, Rollkur/LDR, sowie die Verwendung scharfer Gebisse und Zäumungen würde dem Pferd keinen Schaden zu fügen. Da kann ich nur sagen: Das entspricht nicht meinen Erfahrungen. Nach über zwanzig Jahren Behandlung von internationalen Sportpferden kann ich eines mit Sicherheit sagen: Alle Pferde, die in dieser Weise „gearbeitet“ wurden, litten unter Magengeschwüren, erheblichem mentalen Stress, etliche hatten innerlich abgeschaltet und funktionierten nur noch. Es lagen teils erhebliche Verletzungen der Zunge, der Maulwinkel und des Zahnfleisches vor, teilweise mit dicken Vernarbungen in diesen Bereichen. Wie stark die Schmerzen gewesen sein müssen, die zu dieser Narbenbildung geführt haben, möchte ich mir gar nicht vorstellen. Die Kiefergelenke waren blockiert, was die für das Pferd zum Fressen notwendige Mahlbewegung des Kiefers einschränkt, ebenso das Zungenbein, was die Atmung und den Schluckakt des Pferdes behindern kann. Äusserst schmerzhafte Entzündungen der Rückenmuskeln, der Kiefergelenke und des Genicks waren absolut keine Seltenheit - und das sind nur einige wenige der Folgen.
Sollte irgendeiner von den Menschen, die für die Durchsetzung des Tierschutzgesetzes zuständig sind, schon einmal eine Blockade gehabt haben, meinetwegen nur im Kreuzdarmbeingelenk, dann weiss er oder sie, was für ein brutaler Nervenschmerz das ist. Sollte einer von ihnen nur eine Magenschleimhautreizung gehabt haben, nicht einmal Geschwüre, so weiss er oder sie, was für Schmerzen das auslöst und was für ein extrem hohes Krankheitsgefühl und Schwäche damit einhergehen. Und nun müssen diese Pferde in dem Zustand auch noch Leistungssport betreiben. Was es bedeutet, jeden Tag unter Angst und Stress und Schmerzen zu stehen, kann sich wohl niemand vorstellen. Aber es wird Zeit, dass endlich alle begreifen, dass die Anwendung von Zwang und Gewalt im Reitsport aufhören muss.
Solche Bilder haben mit REITEN NICHTS ZU TUN.
Sie sind eine Schande für einen ehemals feinen und ehrenvollen Sport, in dem eine Kandare ebenso wie Sporen nur für den SEHR GUTEN Reiter zur Verfügung standen und lediglich zur VERFEINERUNG der Hilfen gedacht waren. Ich kann wirklich nicht verstehen, wie irgendjemand, der vorgibt, sich mit der klassischen Reiterei auseinandergesetzt zu haben, Sporen und Kandare derart missbrauchen kann. Da wo ich (reiterlich) herkomme, wäre man SOFORT vom Pferd geholt worden und hätte disziplinarische Maßnahmen erfahren. Heute gilt dieser Kampf gegen das Pferd, diese rohe Gewalt als "höchste Reitkunst" und wird nicht einmal geahndet.
Eine solche Art der "Reiterei" ist ein klarer Verstoss gegen das Tierschutzgesetz. Die zuständigen Ministerien müssen dafür sorgen, dass sich auch Verbände wie die FEI und FN an geltendes deutsches Recht halten müssen und eine solche Art der Reiterei von ihren Turnieren und Trainingsplätzen verbannen. Offener Brief an die Minesterien folgt.