19/04/2026
„Er kann auf diesem Niveau von 2700 spielen“ – Matthias Blübaums Kandidatenturnier 2026
Konstanz auf höchstem Niveau, mentale Reife gegen die Weltelite – und ein Ergebnis, das mehr sagt als die Tabelle
Kein Sieg, aber ein starkes Zeichen: Matthias Blübaum beendet das Kandidatenturnier 2026 mit sechs aus 14 Punkten gegen die absolute Weltspitze und belegt damit Rang sechs. Nach intensiven 14 Runden geht der Turniersieg klar an Javokhir Sindarov, der ein herausragendes Turnier spielte und zehn aus 14 möglichen Punkten holte. Er landete vor Anish Giri und Fabiano Caruana.
Zwischen präziser Verteidigung, anspruchsvollen Duellen und großer Selbstkritik zeigt sich: Der deutsche Großmeister ist auf einem guten Weg zur erweiterten Weltklasse. Oder wie sein ehemaliger Trainer Matthias Krallmann es sagt: "Ich bin wirklich optimistisch. Er hat jetzt schon mehrere Turniere gespielt, das Grand Swiss und auch das Tata Steel, wo er gezeigt hat, er kann auf diesem Niveau von 2700 spielen - auch hier beim Kandidatenturnier hat er es bewiesen. Ich bin mir sicher, er wird weiter daran arbeiten und kämpfen, dass er über 2700 kommt."
Die Schlussetappe: Stabilität, Präzision – und ein letzter Kampf
Die letzten vier Runden verlangten Blübaum noch einmal alles ab. In Runde 11 gegen R Praggnanandhaa geriet er mit Schwarz zwischenzeitlich in Schwierigkeiten, verteidigte sich jedoch umsichtig und sicherte sich ein hart erkämpftes Remis. Es folgten zwei Partien gegen absolute Weltklassespieler: Gegen Fabiano Caruana (Runde 12) und Hikaru Nakamura (Runde 13) zeigte Blübaum mit Weiß und Schwarz zwei präzise, kontrollierte Leistungen. Fehler erlaubte er sich keine – beide Partien endeten verdient Remis. Gerade das Remis gegen Nakamura hatte dabei eine besondere Bedeutung. Wie sein ehemaliger Trainer Matthias Krallmann in der Analyse auf SchachdeutschlandTV betonte, ist der US-Amerikaner statistisch und psychologisch ein schwieriger Gegner für Blübaum. Über viele – vor allem bei Blitz – Partien hinweg spricht die Bilanz klar gegen den Deutschen. Umso wichtiger war es, ausgerechnet mit Schwarz eine stabile Partie zu spielen und den halben Punkt sicher einzufahren: ein Ergebnis, das auch mental Gewicht haben dürfte.
Vor der Schlussrunde eröffnete sich schließlich noch eine kleine rechnerische Chance auf einen Podestplatz. Gegen Anish Giri ging Blübaum mit Weiß ins Risiko, wählte eine komplexe Variante und investierte bereits früh viel Zeit – rund 40 Minuten für den 14. Zug. Doch Giri verteidigte präzise, übernahm im weiteren Verlauf die Kontrolle und entschied die Partie für sich.
Ein kämpferischer Abschluss – ganz im Sinne dieses Turniers.
Der ganze Abschlussbericht kann hier gelesen werden: https://www.schachbund.de/news/er-kann-auf-diesem-niveau-von-2700-spielen-matthias-bluebaums-kandidatenturnier-2026.html
Foto: Michal Walusza / FIDE - International Chess Federation