05/06/2026
Unterwegs im Deutschlandpokal
Kathi Altmann will nach oben: Bayernkader ist das nächste Ziel des Biathlon-Talents aus dem Bayerwald
Maria Frisch
Kathi Altmann will ihre Laufleistung noch weiter steigern. Um in die Auswahl aufgenommen zu werden, muss sie am Ende der Saison einen Top-15-Platz bei der Deutschland-Pokal-Serie erreichen.
Katharina Altmann, zu der alle nur Kathi sagen, saß schon als kleines Kind fasziniert vor dem Fernseher, wenn Biathlon übertragen wurde. Sie hatte sich früh in den Kopf gesetzt, selbst Biathletin zu werden.
„Was sich Kathi vornimmt, geht sie auch gezielt an“, weiß Vater Roland Altmann über seine ehrgeizige Tochter, die nichts so schnell aus der Spur wirft. Apropos Spur: Sie war tatsächlich die Einzige in der Familie, die mit dem Langlaufsport etwas am Hut hat. Also beschloss sie, auf eigene Faust zunächst den Loipensport zu erlernen.
Obwohl der talentierte Teenager die Technik relativ schnell beherrschte, hatte dies mit Rennsport noch nicht viel zu tun. „Vor dem Schießen hatte ich keinen Bammel, weil ich ja quasi im Schützenverein aufgewachsen bin, weil meine Eltern dort sehr aktiv sind. Ich schieße ungefähr seit der zweiten Klasse“, sagt die Sportlerin. Die Begeisterung wuchs, als sie bei zwei Weltcuprennen in Oberhof zugeschaut hat. Im Sommer probierte sie dann Skiroller aus, aber ohne richtige Anleitung klappte das nicht sonderlich gut.
Zur Firmung gab es einen Schnupperkurs am Arber
„Dann habe ich mitbekommen, dass es am Arbersee einen Biathlon-Schnupperkurs gibt“, erinnert sich die Neukirchnerin. Als ihr Firmtermin anstand, wurde ihr Wunsch erfüllt und sie erhielt einen Schnupperkurs geschenkt. Aber zu der Zeit legte Corona alles lahm. Auf ihre Anfrage erhielt sie in Zeiten der akuten Pandemie zunächst keine Einladung, aber hinterher wurde ihr mitgeteilt, dass sie einfach zum Training kommen sollte. Irgendwie hat sie die Übungsleiter mit ihrer Euphorie gleich überzeugt.
Vor dem Schießen hatte ich keinen Bammel, weil ich ja quasi im Schützenverein aufgewachsen bin.
Katharina Altmann, Biathlon-Talent
Seitdem ist der Biathlonsport ihre Welt. „Ich bin definitiv davon überzeugt, dass ich trotz aller Strapazen weitermachen will“, lässt Kathi Altmann keinen Zweifel aufkommen. Mittlerweile ist sie in der nationalen Jugend-/Juniorenrennserie „JOKA Deutschlandpokal“ angekommen.
„In den Bayernkader werden Jugendliche integriert, wenn sie in der Gesamtwertung am Ende der Saison in den Top 15 liegen“, nennt die für den ASV Mais startende Athletin ihr diesjähriges Ziel. Eine geförderte Sportstelle bei Zoll, Bundeswehr oder Polizei wäre mittelfristig der große Traum. Da es nicht alle schaffen, probieren es einige in ihrer Trainingsgruppe mit einem sogenannten Sabbatjahr. „Einfach nach der Schule nur trainieren, um sich soweit zu verbessern“, beschreibt sie diesen Plan B.
„Dass es überhaupt mit dem Training so gut klappt, liegt am super Hohenzollern Skistadion“, sagt Kathi Altmann. Viele wüssten gar nicht, welch professionelle Sportstätte in unmittelbarer Nähe zur Verfügung steht. „Es sind sehr gute Bedingungen. Wir können von Ende November bis Ende März auf Schnee trainieren“, schätzt die 17-jährige, die heuer noch volljährig wird, diesen Vorzug.
Ihre große Leidenschaft zum Beruf machen – das wäre der Traum der jungen Biathletin aus Neukirchen beim Hl. Blut. - Foto: werk2-photographie/Stefan Weigelt
Der Grund sind die Schneedepots, mit denen die weiße Pracht „übersommert“ wird und dann im November die Unterlage bildet. „Das Hohenzollern Skistadion ist eines der schneesichersten Trainingszentren in ganz Deutschland“, weiß Kathi Altmann. Im vergangenen Jahr konnte man etwa in den bekannten Stadien bundesweit keine Wettkämpfe mehr austragen, so dass die Sportstätte am Großen Arbersee in die Bresche sprang.
Sechs Tage die Woche ist Training angesagt
Kathi Altmann trainiert sechs Tage die Woche. Sie hat Glück, dass in ihrer Familie stets abwechselnd Fahrer zur Verfügung stehen: Papa, Mama, Oma und Opa.
Die Neukirchnerin besucht die 12. Klasse des Gymnasiums und ist, wie man schon fast erwarten kann, eine gute Schülerin. Kathi Altmann ist ihrer Schule sehr dankbar, dass sie ohne Probleme die Freistellung für die Wettkämpfe erhält und somit Unterstützung erfährt. Die Freizeit ist inzwischen eng bemessen. Außer ein bisschen Freunde treffen, bleibt wenig Freiraum. Auch im Schützenverein musste sie zurückstecken.
Große Herausforderungen sind heuer noch zwei Wochenenden „Deutschlandpokal“ in den Ferien in Oberwiesenthal, am 6./7. März in Ruhpolding und eine Woche später der Alpencup in Goms in der Schweiz. Zu den Wettkämpfen brechen sie mit zwei Kleinbussen mit Trainer Sepp Schneider und Technikern auf, wobei diese meist die Väter sind, die die Skier wachsen.
„Bei der nationalen Rennserie in Hochfilzen war auch mein Vater dabei, beim nächsten Wettkampf fährt die gesamte Familie Papa, Mama und Schwester Johanna mit“, ist Kathi Altmann schon froh um den Familienbeistand. Wie eng die Angehörigen inzwischen mit dem Biathlonsport „verbandelt“ sind, zeigt auch, dass sie im Helfertrupp bei der Junioren-WM am Großen Arbersee Anfang März ihre Freizeit opfern. „Dort packen rund 300 Freiwillige zu. Ich bin an sechs oder sieben Tagen eingeteilt, aber auch meine Frau Margit und Kathis Schwester sind dabei“, sagt Roland Altmann.
Dieser Bericht erschien am 18.2.26 in der Mittelbayerischen Zeitung. Verfasssr: Maria Frisch