16/01/2024
Vergesst uns Milchbauern nicht!
Bravo ZDF und RTL, tolle Berichterstattung! Nicht! Wenn jeder landwirtschaftliche Betrieb -wie ihr sagt- 45.000 Euro Subventionen im Jahr bekommen würde, dann frag ich mich warum wir nicht? Wir sind ein kleiner Milchviehbetrieb mit 50 ha Fläche und 70 Kühen und bekommen nicht mal ein Viertel von den Subvetitionszahlungen. Und wisst ihr was, wollen wir auch eigentlich gar nicht. Wer möchte schon von Subventionen abhängig sein? Aber bei einem Milchpreis von 34 Cent pro Liter seit März 2023 legen wir jeden Monat mehrere tausend Euro dazu. Die Bauern hätten im letzten Jahr Rekordgewinne erzielt? Vielleicht war mal EIN Jahr von 10 nicht schlecht aber der Rest? Ich bin ganz ehrlich, weil es vielen Milchbauern wie uns geht! Wir haben Verluste gemacht, hohe Verluste. Und warum? Nicht weil wir schlecht wirtschaften, sondern weil wir alles erfüllen, was die Regierung uns auferlegt und der Verbraucher gerne hätte. Wir füttern gentechnikfreies Futter, was aber 30 Prozent teurer ist. Ratet mal, wie viel wir dafür von der Molkerei pro Liter mehr bekommen? Richtig, 1 Cent pro Lier Milch. Applaus! Wir haben Weidehaltung, d.h. unsere Mädels gehen mind. 6 h auf die Weide. Ratet mal, wieviel wir dafür mehr von der Molkerei bekommen. Korrekt, 0,1 Cent pro Liter! Mega! Dass aber unsere Kühe durch den Weidegang im Schnitt 200 Liter weniger Milch am Tag geben und es für uns viel mehr Arbeit ist, ist doch egal. Bei 0,1 Cent für den Weidegang pro Liter mehr, legen auch wir hier Geld zu. Tierwohl ist wohl doch nichts wert. Unsere Kälber, Nachzucht und Trockensteher halten wir auf Stroh. Stroh kostet und die Haltung der Tiere macht mehr Arbeit. Aber was solls, wenn ich am Mittwoch nachmittag meine 35 h schon gearbeitet habe, kümmere ich mich um meine Work-Life-Balance, Verbringe Zeit mit meiner Familie und fahre 3 mal im Jahr in den Urlaub. Nicht! Nichts von alledem! Denn neben der Landwirtschaft haben wir noch eine Käserei und einen Hofladen mit Ochsengleischvermarktung und 2 Hühnermobile, denn von den Kühen können wir schon lange nicht mehr Leben. Für 8 Mitarbeiterinnen sind wir verantwordlich. Die Lohnnebenkosten sind für uns nicht mehr zu stemmen, denn wir müssen ja auch noch GEZ Gebühren für die Milchtankstelle, Verpackungsgebühren (weil die Eier im Eierkarton verkauft werden), Krankenversicherung, Pflegeversicherung, Landwirtschaftskammerbeitrag, Gewerbesteuer, zig Versicherungen , Berufsgenossenschaft und und und .... zahlen, da kann man nur noch mit dem Kopf schütteln. Allein letzten Samstag kamen 14 Briefe an, alles Gebührenbescheide, Kostenerhöhungen und Auflagen. Zusammengefasst, warum es uns jetzt richtig an den Kragen geht: Im letzten Jahr sind die Kosten für den Milchviehbetrieb um 40 Prozent gestiegen und wir bekommen von der Molkerei 36 Cent Milchgeld. Wie passt das zusammen? Gar nicht, verdammt noch mal. Zumal der Verbraucher im Supermarkt so viel für Lebensmittel zahlen muss, wie noch nie. Und das ist auch nicht gerechtfertigt. Jedenfalls ist es nicht fair und eine glatte Lüge, wenn euch Verbrauchern suggeriert wird, wir Bauern sind an dem Dilemma schuld! Pustekuchen! Ich kann den Preis für meine Ware nicht bestimmen, d.h. ich gebe meine Milch alle 2 Tage an die Molkerei ab und bekomme am Ende des Monats eine Milchgeldabrechnung und muss es akzeptieren, dass meine Milch der Molkerei nur 34 Cent Wert ist. Ein Gruß an die Reichsten Deutschen Herrn Schwarz von Lidl und die Albrecht Familie von Aldi. Wenn wir von dem, was ihr liebe Verbraucher eh an der Kasse für Milch, Käse, Joghurt - eigentlich alles - bezahlen müsst, nur 10 Cent mehr abbekommen würden, wäre alles fair play. Aber wisst ihr was? Euer Geld landet bei wenigen, die sich richtig die Taschen voll machen. Die euch verarschen und es uns in die Schuhe schieben. Wir haben keinen Einfluss auf die Lebensmittelpreise. Wir müssen mit dem klar kommen, was uns die Molkerei zahlt. Friss oder stirb! Und deswegen vergesst uns Milchbauern nicht, die Streichung der Subventionen trifft uns Milchbauern nicht wie die Ackerbauern, aber 40 Prozent höhere Futterkosten, 1.900 Euro Stromkosten ( weil hey, Strompreisbremse zählt bei uns nicht), 1.900 Euro Sprit, 3.000 Euro Krankenkassenbeiträge pro Monat (!) und etliche Steuern, Pflichtbeiträge und Abgaben, brechen uns das Genick. Und deswegen gehen wir auf die Straße! Und deswegen gehen nicht nur wir Landwirte auf die Straße! Senkt endlich die Strompreise, senkt die Gaspreise, senkt die Spritpreise, senkt die Sozialabgaben. Da könntet ihr ansetzen, liebe Bundesregierung, sonst brechen bald ganze Berufsstände weg! Nicht nur wir Bauern!
Wir wissen nicht, ob es uns nächstes Jahr noch gibt.
Karolin und Jens Timmermann