11/09/2026
Wenn die Lahmheit gar nicht dort entsteht, wo wir sie suchen?
Zeigt ein Pferd eine Bewegungsasymmetrie oder Lahmheit, suchen wir meist nach orthopädischen Ursachen. Gelenke, Sehnen, Bänder und Knochen werden untersucht, diagnostische Anästhesien und bildgebende Verfahren eingesetzt.
Eine aktuelle wissenschaftliche Arbeit in Frontiers in Veterinary Science lenkt den Blick auf einen Bereich, der dabei leicht zu kurz kommt: die Muskulatur und insbesondere myofasziale Triggerpunkte.
Triggerpunkte sind überempfindliche Bereiche innerhalb gespannter Muskelstränge. Sie können Schmerzen verursachen, diese in andere Körperregionen projizieren und Muskelaktivierung und motorische Kontrolle verändern.
Das kann dazu führen, dass ein Pferd ein Bewegungsmuster zeigt, das zunächst wie ein klassisches orthopädisches Problem aussieht, obwohl die Muskulatur wesentlich daran beteiligt sein kann.
Genau deshalb empfehlen die Autoren, das myofasziale System nicht erst dann zu untersuchen, wenn sonst nichts gefunden wurde, sondern von Anfang an in die Lahmheitsuntersuchung einzubeziehen.
Beurteilt werden dabei unter anderem Muskelasymmetrien, gespannte Muskelstränge, Triggerpunkte, lokale Reaktionen, Beweglichkeit und Schmerzempfindlichkeit. Laut den Autoren benötigt eine solche Untersuchung gerade einmal 10–15 Minuten zusätzlich.
Und genau hier liegt für mich ein entscheidender Punkt:
Wir sollten nicht nur fragen:
„Wo lahmt das Pferd?“
Sondern auch:
„Wo verändert Muskulatur die Bewegung – und warum?“
Denn Muskeln führen Bewegung nicht einfach nur aus. Ihr Spannungszustand und ihre nervale Ansteuerung beeinflussen, wie Bewegung überhaupt organisiert wird.
Wichtig dabei: Triggerpunkte können selbst Teil des Problems sein, aber auch als Folge eines orthopädischen Problems entstehen. Die Untersuchung der Muskulatur ersetzt deshalb keine tierärztliche Lahmheitsdiagnostik. Sie erweitert den Blick auf das Pferd.
Genau diesem Zusammenhang trägt unsere Ausbildung Rechnung – und ermöglicht uns, muskuläre Veränderungen möglichst früh zu erkennen.
Für mehr Wohlbefinden.
Für mehr Gesundheit.
Für mehr gute Zeit im Sattel.