02/06/2026
Das Märchen von Kurstädter Recken, einem 18-köpfigen Drachen und dem Wunder der Eroberung einer schönen Prinzessin
Es begab sich zu einer Zeit, als schon fast niemand mehr an Wunder zu glauben vermochte, dass Kurstädter Recken auszogen, um ein solches zu erleben. Am Vorabend des seltenen Phänomens, dass sich der Vollmond bereits ein zweites Mal im Mai zeigen wollte, war ganz Bad Liebenwerda auf das Stadtfest eingeladen. Wirklich ganz Bad Liebenwerda? Nein, denn ungefähr drei Hand voll Männer, waren ausgewählt worden, um fast 200 Kilometer in den Norden zu reisen, um sich dort in der Schloss- und Wasserstadt Oranienburg einem fürchterlichen Drachen in den Weg zu stellen. Beide Parteien waren angetreten, um mit einem Sieg das Herz der schönen Prinzessin zu erobern, welche auf den liebevollen Namen „Klassenerhalt“ hört und für mindestens ein weiteres Jahr satte 22 Herausforderungen gegen die großen Namen aus den ganzen Weiten des Landes Brandenburgs verspricht. Dem Verlierer droht jedoch weiterhin der grausame Schrecken des Abstieges in die düsteren und ungeheuren Niederungen der Verbandsliga und so waren Alle gewarnt.
Als das Horn erklang, zeigte der Drache sofort, wie gefährlich er ist. Er schnaubte nur so vor Zorn und versetzte den Kurstädtern ein ums andere Mal bittere tiefe Schnitte, mit den scharfen Kanten seines langen Schwanzes. Egal wie bemüht die Kurstädter Recken um ihre Deckung waren, konnten sie gegen eine solche Übermacht nichts anfangen. Fortan spuckte der Drache Feuer und verbrannte die Liebenwerdaer Körper mit einer Inbrunst, dass es schon nur vom Zusehen schmerzte. Immer wenn dem Drachen dann doch Mal ein Kopf abgeschlagen wurde, wuchsen ihm drei neue und noch gefährlichere Köpfe, welche sogleich schnell und wendig weiter Feuer spuckten und jede Schwachstelle erkannten. Diese Köpfe bewegten sich so schnell, wendig und stießen immer wieder in die Schwachstellen und Lücken vor, sodass es schwer war, diese zu zählen. Doch man munkelt, dass sich bis zu 18 flammenspeiende Köpfe nur so darauf freuten, um ihre Beute zu erlegen. Sollten es die tapferen, weitgereisten Recken dann doch einmal in den Angriff schaffen, so prallten diese nur so von dem gefährlichen Untier ab. Der Drache musste sich nur einmal schütteln und hatte im Nu die Kontrolle über das gesamte Spielfeld übernommen. Lediglich neun Mal schafften es die Liebenwerdaer Kämpfer dem fürchterlichen Ungeheuer einen Schuppen aus seinem hornigen Panzer zu brechen. Dagegen schleppten sie sich selbst mit ganzen 21 tief klaffenden Wunden in eine enge, kleine und miefige Höhle, um sich nach einer geschlagenen halben Stunde eine kleine Pause zu gönnen und vor dem Lindwurm zu verstecken. Hart getroffen und schwer verwundet wurden nun die Wunden geleckt. Ritter Maurice Zimmermann hatte durch die zwei unparteiischen Richter des Schicksals bereits einen scharlachroten Bannspruch erhalten und war somit bereits als Unterstützung verloren. Auch bei den übrig gebliebenen war das Funkeln in den Augen und der Glaube an ein Wunder schon fast komplett erloschen. Konsterniert schlürften sie an ihrem kostbaren Elixier – dem kristallklaren Lebensquell, den sie aus den tiefen Brunnen ihrer Kurstadt mitgeführt hatten.
Doch tapfer raffte man sich noch einmal auf, um in dieser schier aussichtlosen Situation seine Ehre zu verteidigen. In Erwartung, dass der grüne Drache jederzeit mit einem tiefen Grollen zum Gnadenstoß ausholen würde, stellte man sich erneut diesem ungleichen Duell. Lediglich der Gedanke daran, immer genau den nächsten Moment und die nächste Aktion gut zu gestalten, bevor das Unheil erneut über die Köpfe hereinbrechen werde, hielt jetzt noch die wackeren Kurstädter auf den Beinen.
Gleich als beide Parteien erneut auf dem Spielfeld zurück waren, sprühte der Drache noch zwei gefährliche Feuerbälle und sorgte dafür, dass wirklich jeder Beteiligte daran glaubte, den Ausgang dieser ungleichen Begegnung bereits zu kennen. Doch langsam, mit leisem Tritt und stetigem Willen setzte eine Veränderung ein. Während der Drache sich in einer falschen Sicherheit wog und im Zeichen seines sicheren Sieges nur noch die immergleichen monotonen Angriffe vollzog, hatten die Recken sich ein Gegenmittel überlegt und schafften es nun immer häufiger, die gefährlichen Angriffe abzuwehren. Nach und nach konnte man den Drachen auch mit kleineren Angriffen fortwährend stören und Millimeter für Millimeter trug man den Panzer des Untiers ab. Doch im Zeichen des großen Vorsprungs, schien dies die Bestie nicht weiter zu stören. Mühsam und beharrlich nutzte man diese Chance, in der das Unwesen in einen Dämmerschlaf zu fallen schien. Stück für Stück verbesserte man die eigene Verteidigung und es gelang nun auch immer häufiger, den Drachen gefährlich zu verletzen. Selbst Torwächter Oliver Böhme, welcher inzwischen sein Tor zu einer fast uneinnehmbaren Festung umgebaut hatte, konnte einen unachtsamen Moment des grünen Drachens nutzen, als dieser sein Heiligstes für einen Moment gänzlich unbewacht ließ, und so verwundete er ihn mit einem feurigen Pfeil aus großer Entfernung. Nach ca. 50 Minuten schien der Drache aus seiner Schlafphase zu erwachen, doch es dauerte nochmal fünf Minuten, bis er begriff, dass die Liebenwerdaer Ritter sich soweit hervorgekämpft hatten, dass sie plötzlich wieder gefährlich waren. Aus einer schier aussichtslosen Situation heraus war es gelungen, mit leichtfüßigen, gewitzten und gerissenen Angriffen über die beiden Recken Max Rukszio und Paul Götze auszugleichen. Auch die beiden Hünen Franz Henkelmann und Jonas Horther hatten mit ihrer schier unbändigen Kraft, manchen Angriff auf den Panzer des Drachen gewagt und somit einige grüne, messerscharfe Schuppen mit bloßen Händen herausgerissen. In der Verteidigung waren es unter anderem die Gebrüder Jonas und Paul Wanitschka, welche mit schnellen Beinen, harten Oberarmen und großen Händen immer wieder die Köpfe der Bestie zu fassen bekamen, bevor sie auch nur Luft holen konnte, um sein gefährliches Feuer zu versprühen. Dies alles gipfelte darin, dass das Spiel nun auf Messers Schneide stand und kurz vor Ende der Ausgang wieder komplett offen war. Ausgerechnet jetzt, schlug die Stunde des zierlichsten und unerfahrensten Liebenwerdaer Ritters. Als der Drache erwacht war, wutschnaubend und mit Leichtigkeit einen Liebenwerdaer Angriff abwehrte, war der Jüngling Elias Stein bereits abgesprungen, flog an Freund und Feind vorbei, nahm die magische Kugel scheinbar in der Luft stehend auf und vollendete unerschrocken den Angriff, ganz zum Ärger des verdutzten Drachens. Wenige Augenblicke später nahm er abermals sein Herz in die Hand und verhinderte einen gefährlichen Angriff des Drachens auf dramatische Art und Weise. Es sah aus, als ob ein Spatz einem Ungeheuer einen Edelstein aus den Klauen reißen würde und so muss es sich wohl auch angefühlt haben, denn nun wurde die Bestie wild und versuchte alles, um den Sieg noch auf seine Seite zu ziehen. Doch die Kurstädter Edelmänner behielten jetzt einen kühlen Kopf und an ihren Tugenden fest. Mit einem letzten Stich mitten ins Herz der Bestie besiegelte Max Rukszio das Handballmärchen.
Als der grüne Lindwurm mit einem letzten tiefen Grollen zu Boden sank, zählte man 33 tiefe Narben im Panzer des Untiers, welche die Recken ihm beigebracht hatten. Zwar blieben auch bei den Helden 31 schmerzhafte Wunden zurück, doch der Sieg gehörte den Kurstädtern, und der Endstand von 31:33 war fortan in den Chroniken der Stadt verbrieft.
Nach dieser Wahnsinnstat aus fast hoffnungsloser Situation war auch die holde schöne Prinzessin mit dem wundervollen Namen „Klassenerhalt“ in die Kurstädter Helden verliebt. Sie versprach, dass sie mindestens ein weiteres Jahr dafür sorgen wird, dass die besten Oberligahandballer aus ganz Brandenburg die Koffer packen und ihre Schuhe schnüren, um nach Bad Liebenwerda zu reisen. Von dieser Stunde an lebten sie in ungekannter Freude und eilten schnell nach Hause, um auf dem großen Fest zu Ehren der eigenen Heimatstadt allen Daheimgebliebenen von den wundervollen und unglaublichen Erlebnissen des Tages zu berichten.
Auch wenn sich jetzt mancher nicht vorstellen mag, dass dies wirklich so geschehen ist – im Reich der Wunder ist eben selbst das Unmögliche wahr.
Für die Liebenwerdaer Fahnen waren folgende Recken auf Reisen: Oliver Böhme, Hannes Kreutz, Franz Henkelmann, Max Rukszio, Jonas Horther, Paul Götze, Patrick Zieris, Niclas Rieger, Melvin Steinbock, Paul Wanitschka, Jonas Wanitschka, Maurice Zimmermann, Elias Stein, Michael Dielefeld, Lucas Trabandt
30.05.2026
Oranienburger HC II : HC Bad Liebenwerda 31:33 (21:9)