Hubertus Helfendorf
Zu den im bayerischen Oberland ansässigen Schützengesellschaften zählt auch die Schützengesellschaft „Hubertus-Helfendorf e. Sie zählt zu den ältesten Schützengemeinschaften im weiten Umkreis und kann auf eine stolze Tradition zurückblicken. Ein noch in Privatbesitz befindliches Gründungszeichen von 1887, mehrere alte Schießlisten und einige Kassenaufzeichnungen belegenen das
frühe Gründungsjahr. Bruchstückartige Ergebnislisten der Übungs- und Kranzlschießen aus den Jahren 1904 bis 1914, 1920 bis 1925 und 1928 geben uns Aufschluss über die verschiedenen Vereinsbezeichnungen früherer Jahre. So finden wir ab dem Gründungsjahr 1887 die Namen „Schützengesellschaft Helfendorf“ – „Altschützengesellschaft Helfendorf“ – „Kleinkaliberschützen“ – „Zimmerstutzenverein“ – „Schützenverein Hubertus-Helfendorf“. Mit Bedauern muss jedoch festgestellt werden, dass aus den spärlichen Aufzeichnungen ab dem Gründungsjahr 1887 bis 1933 leider nicht erkennbar ist, in wessen Händen all die Jahre hindurch die Vorstandschaft und das Schützenmeisteramt lag. Die Schießbedingungen waren je nach Einsatz der Gewehre verschieden. Die Zimmerstutzenschützen schossen im Durchschnitt 3 Schuss auf Glück und Haupt, während die Kleinkaliberschützen 5 Schuss liegend, 5 Schuss stehend und 5 Schuss kniend absolvieren mussten. Die Durchführung dieser Kleinkaliberschießen ab dem 7. Juni 1931 wurde durch eine in Gemeinschaftsarbeit der damaligen aktiven KK-Schützen erstellte, überdachte Schießstätte in der alten Kiesgrube (neben dem heutigen alten Rathaus bzw. Durch welche Ereignisse auch immer, verwaiste dann die Schießstättein der Kiesgrube. Die Kleinkaliberschützen waren scheinbar seinerzeit noch nicht vereinsmäßig organisiert. Eine Vereinsgründung der KK-Schützen erfolgte offensichtlich erst im Jahr 1933. Im Originaltext des vorliegenden Protokolls heißt es: „Es war am 13. Mai 1933, da versammelten sich im Nebenzimmer des Gasthauses Fellner in Großhelfendorf 13 Männlein, um eine private Kleinkaliber-Schützengesellschaft ins Leben zu rufen, um die verwaiste Schießstätte wieder ihrer Bestimmung zuzuführen.“ Bemerkenswert ist hier die Zahl 13 !!! - 13 Mitglieder am 13. Mai und der 13. Verein im Gau Oberland. Bei der vorgenannten Versammlung wurde eine Beitragsgebühr von 50 Pfennig bei Neuaufnahmen festgelegt. Der Jahresbeitrag betrug damals 2 Mark, wovon 1,20 Mark an den Verband und 20 Pf. an den Gau zu überweisen waren. Der Rest in Höhe von 60 Pf. verblieb dem Verein. Der wiederholt erklärte Wunsch auf Zusammenschluss des Kleinkaliber-Schützenvereins und der Altschützen (Zimmerstutzen) konnte am 17. Februar 1935 realisiert werden. Da nach dem 2. Weltkrieg von der amerikanischen Besatzungsmacht jeglicher Waffenbesitz strengstens verboten war, kam nach diesem großen Völkerringen jeder sportliche Schießbetrieb zum erliegen. Die Weiterführung der Vereine war durch örtliche Verbote mit strikten Auflagen zur Vernichtung der Protokollbücher und sonstiger Aufzeichnungen unterbunden worden. Es vergingen noch Jahre, bis die harten Bestimmungen allmählich gelockert wurden und so nach langem Warten die wenigen alten, aus dem Feld zurückgekehrten Schützenkameraden zusammen mit einigen jüngeren, dem Schießsport ergebenen Freunden, an eine Wiedergründung der früheren
Schützenvereine denken konnten. Am 19.12.1953 war es nun soweit: Eine stattliche Anzahl von Schützenkameraden hatte sich im Vereinslokal Hartl in Großhelfendorf eingefunden, um den früheren Schützenverein neu zu gründen. Nach kurzen, jedoch inhaltsvollen Einleitungsworten des Kameraden Kroiß, wurde folgende Vorstandschaft gewählt: 1. Vorstand und Schützenmeister: Hellwasser Florian, Schops 2. Vorstand und Schützenmeister: Franzl August, Großhelfendorf Schriftführer: Bechteler Josef sen., Großhelfendorf Kassier: Hartl Josef, Göggenhofen Zeugwart: Cattaneo Anton, Großhelfendorf Das Vereinsleben konnte beginnen. Am Anfangsschießen beim Keller-Wirt (Hartl) beteiligten sich 43 Schützen und 2 Jungschützen. Mit frischem Mut und wachsender Begeisterung stieg die Mitgliederzahl zusehends und der Schießbetrieb erfreute sich größter Beliebtheit, obwohl bei jedem Schießen der Stand aufgrund der beengten Raumverhältnisse immer wieder auf- und abgebaut werden musste. Bei der Generalversammlung am 8.12.1955 wurde die Anschaffung einer Schützenkette beschlossen. Dazu war es notwendig, dass die Vereinskameraden durch Stiftung von in privater Hand befindlichen Talern für die Grundausstattung der Kette beitrugen. Laut Verpflichtungserklärung hat noch Heute der jeweilige Schützenkönig während seiner „Amtszeit“ die Kette um einen Taler zu erweitern und die Kosten für die Anbringung zu tragen. Die im laufe der Jahre nicht mehr ausreichenden Platzverhältnisse im Schießlokal Hartl veranlasste die Vereinsleitung, sich nach besseren Örtlichkeiten umzusehen. Den Wünschen, im Keller der Fellner-Wirtschaft eine neue Schießstätte zu errichten, brachten die Wirtsleute Schorsch und Lisa Zehentmair verständnisvolles Interesse entgegen. Mit Bescheid vom 6.5.1968 erhielt man schließlich die behördliche Baugenehmigung. Die Bauausführung wurde von der Fa. Alois Kroiß übertragen. Nach der Fertigstellung konnte die Vereinsleitung den vielen fleißigen und unermüdlichen Helfern aus den Reihen der Schützenkameraden, besonders aber den Wirtsleuten Zehentmair für die großzügige Überlassung des Kellerraumes und die Übernahme der Bau- und Materialkosten danken. Bereits am 15. Mai 1968 konnte das Eröffnungsschießen am neuen Stand stattfinden. Der Schießsport florierte zusehends, da sich die Übungsmöglichkeiten durch die moderne Schießanlage (mit 5 Ständen) wesentlich verbessert hatten. Der Schießbetrieb, wie auch das Gesellschaftsleben erhielt einen neuen Aufschwung. Nach 15 Jahren intensiver Vereinsarbeit hatte der gesamte Vorstand bei der Generalversammlung am 9.10.1968 seinen Rücktritt erklärt. Die Neuwahl brachte folgende Zusammensetzung: 1. Vorstand und Schützenmeister: Ettenhuber Johann 2. Vorstand und Schützenmeister: Franzl Engelbert Schriftführer: Gürtler Harri Kassier: Wurm Robert Unter der Leitung dieser Vorstandschaft begann man, sich immer öfter mit den Nachbarvereinen auf die sportliche Weise zu messen. Nach 10-jähriger Tätigkeit als Vorstand und Schützenmeister war es für Johann Ettenhuber ein ersehnter Wunsch, die Last der Arbeit und Verantwortung in jüngere Hände zu legen. Die Wahl fiel bei der Generalversammlung am 3.11.1978 auf Josef Bechteler jun. Unter der Vorstandschaft von 1. Schützenmeister Josef Bechteler, 2. Schützenmeister Robert Mück sen., 1. Schriftführer Martin Mundschedel, 2. Schriftführer Helmut Bechteler, 1. Kassier Gerhard Wolf und 2. Kassier Fritz Schulleri wurde der Verein im Jahr 1984 unter dem Namen „Schützengesellschaft Hubertus-Helfendorf e.V.“ in das Vereinsregister eingetragen. Bereits Jahre zuvor war unter den Schützenkameraden der Wunsch laut geworden, eine eigene Vereinsfahne zu beschaffen. Mit Blick auf das im Jahr 1987 anstehende 100-jährige Jubiläum reifte der Entschluss, das Gründungsfest mit einer Fahnenweihe zu verbinden. Der Auftakt zum 100-jährigen Jubelfest begann mit dem Jubiläumsschießen vom 19.03. bis 29.03.1987, das in Verbindung mit dem Gauschießen 1987 für den Gau Holzkirchen ausgerichtet wurde. 1015 Schützen waren dem Aufruf gefolgt, in dem wie eine lichte Fichtenschonung ausstaffierten Fellner-Saal an einem der 19 Luftgewehr- und 5 Pistolenstände ihr scharfes Auge und ihre Zielsicherheit zu testen. Den Höhepunkt des Jahres fand man mit der Feier des 100-jährigen Gründungsfestes mit Fahnenweihe vom 16. – 19.07.1987 im eigens dafür aufgestellten Festzelt an der Graßer Strasse. Einen schwarzen Tag in der Vereinsgeschichte erlebten die Hubertus-Schützen am 21.12.1994. Bei einem Brand im Gasthaus Fellner wurde neben dem gesamten Vereinslokal auch der Schießstand zerstört. – Die Schützen waren heimatlos ! Dank dem unermüdlichen Einsatz der Vorstandschaft und der Graßer Mitglieder konnten bereits im Januar 1995 im Dachgeschoss des ehemaligen Rathauses in Großhelfendorf fünf Schießstände eingerichtet werden. Auch diese provisorische Unterbringung konnte die Liebe zum Schießsport und den Geist der Kameradschaft nicht schmälern. Eine Mitgliederzahl von weit über 100 ist der sichere Beweis. Nach jahrelanger Planung konnte bei der Generalversammlung am 05.03.1999 von der Vorstandschaft neben dem Bauplan auch ein gesunder Finanzierungsplan für ein neues Schützenheim vorgestellt werden. Auf einstimmigen Beschluss der Versammlung erhielt die Vorstandschaft den Auftrag, den Bau eines eigenen Vereinsheims in die Wege zu leiten. Im Winter 1999/2000 begann man unter der Regie von Martin Esterl mit der Beschaffung von Bauholz durch Baum-Spenden der Helfendorfer Waldbesitzer. Schließlich konnte im Juni 2000 auf dem von der Gemeinde Aying zur Verfügung gestellten Grundstück an der Graßer Straße in Großhelfendorf der Spatenstich für den Bau des neuen Schützenheims erfolgen. Nach einer Bauzeit von 3 Jahren konnte die neue Schießanlage mit fünf unterirdischen 100m und fünf 25m Ständen, sowie zwölf 10m-LG-Ständen im Erdgeschoss in Betrieb genommen werden.