22/03/2023
Soester TV - FC Augustdorf
3:2 (16:25, 25:22, 27:25, 14:25, 15:13)
Soester Kirmes - Erleben. Überleben. Und daraus lernen.
Die Allerheiligenkirmes in Soest war einst die größte Innenstadtkirmes Europas und fand jährlich inmitten der historischen Bauten im Stadtkern statt, sie zog im Schnitt rund eine Million Besucher an. Wahrlich, die Zeiten ändern sich!
Satz 1
Auswirkungen einer weltweiten Pandemie und Prinzipien der reinen Wirtschaftlichkeit hatten es wohl unumgänglich werden lassen, des traditionsreiche Volksfest in die baufällige Turnhalle des örtlichen Gymnasiums umzuverlegen. Den Inhalt seiner Stiefelsocke, auch Sparstrumpf genannt, investiert der findige Soester in der Krise demnach besser in die lokale Agrarkultur, als diesen für debilen Freizeitspass zu verprassen. Wobei das relativ zu sehen ist, wenn das Pils, das Bullenauge und der Dudelmann in einer Sportstätte der öffentlichen Hand trotzdem in Strömen fließen.
Die anonym verbliebene Hausdame der Gastgeber hatte es sich glücklicherweise auf die Fahne geschrieben ( ), unsere mitgereisten Fans über die Risiken zügellosen Konsums aufzuklären. In einem Nebensatz vermochte sie zudem, das zugegeben parteiische Verhalten der Augustdorfer Anhänger der Unsportlichkeit zu überführen. Videobeweis inklusive.
[https://www.bag.admin.ch/bag/de/home/gesund-leben/sucht-und-gesundheit/alkohol/soziale-folgen.html]
In einem Spielabschnitt mit insgesamt schleppendem Spieltempo rasierte Samuel auf der Diagonalposition, nur den Satzball, den durfte Julian mit einer Finte im gegnerischen Feld ablegen.
Satz 2
Auf so einer Kirmes findet man ja stets auch Kuriositäten: Bei Aufschlag Soest pfiff der erste Schiedsrichter der Heimmannschaft direkt zu Beginn einen händischen Netzfehler raus. Hatten wir so noch nie bezeugen dürfen. War interessant. Wenig Durchschlagskraft auf beiden Seiten prägte den Spielabschnitt, einzig Sammy rasierte wieder hart, diesmal über die Mitte. Reichte aber nicht.
Weniger interessant, aber wiederum kurios: Ein aktiver Spieler des Soester Turnvereins drohte unvermittelt, von einem sogenannten Hausrecht Gebrauch machen zu wollen, um unsere allesamt minderjährigen (!) Unterstützer für den Einsatz eines Air-Horns aus der Halle zu werfen. Rein hypothetisch betrachtet fände es so ein potentieller Familienvater mittleren Alters sicherlich total dufte, wenn seine eigenen Kinder (!) wutschnaubend und nur bedingt artikuliert durch einen wildfremden Mann angegangen werden würden. 20 Minuten und einen umgekehrten Videobeweis später, konnte man sich darauf einigen, dass der Einsatz von mehreren gezielt angeschlagenen Trommeln ungefähr genauso scheiße im Ohr klingeln kann wie so eine Hupe.
Satz 3
Schwaches technisches Niveau rundherum. Unsere löchrige Block- und Feldabwehr kostete uns diesen Satz.
Die Feingeister unter uns meinten sich im Nachhinein daran erinnern zu können, dass die Atmosphäre zu diesem Zeitpunkt vollends kippte. Glücklicherweise muss heutzutage Flüstern und Fingerzeigen reichen, so ein Lünchmob der deutschen Kartoffelbauern organisiert sich halt nicht mehr so leicht. Befremdlich, dass ausgerechnet unser fröhlicher Badewannenvertreter Stefan als Ar*****ch tituliert wurde!? Aber naja, bei so einer Gruppe von rußlanddeutschen Gangsterrappern samt preußischem Bewehrungshelfer geht das Diskriminieren eben locker von der Hand. Wir verstehen das.
Satz 4
Wir starteten mit einem Festival der Fehlaufschläge, das allerdings punktemäßig klar durch den kollektiven Chancentod der Gegenseite überboten wurde.
Artur in dieser Phase der Garant für erfolgreiche Abschlüsse und den Satzgewinn.
Auf so einem Jahrmarkt versammeln sich ja grundsätzlich die seltsamsten Gestalten und die wundersamsten Kreaturen.. Da wäre z.B. der leicht reizbare Um-bljad-termann, der Dennis doch ernsthaft zum Bizepsvergleich auffordern wollte. Oder der inaktive Spieler mit der sensiblen Seele und der Pelzmütze auf dem Kopf, der unserer Volleyballjugend erneut Unfairness vorzuwerfen hatte. Bro? Bra? Wie empfindlich kann man sein? Komm' mal klar! Ganz aktuelle Anekdote mit Bezug zum unterschwelligen Hauptthema: In der 2. Volleyball Bundesliga der Damen wurde eine gastierende Mannschaft jüngst von Berliner Fans angeschrien, beleidigt, natürlich bei jeder Gelegenheit mit Lärm gestört und mit Toilettenpapier beworfen. Es waren einige Hundert Besucher auf der Tribüne anwesend. Also kommt wirklich mal allesamt klar!
Satz 5
Im Tie-Break gelang es uns, rundherum etwas mehr Druck aufzubauen. Allerdings schaffte es keine Mannschaft, sich klar abzusetzen. Irritiert und "aggressiert" von den immer wieder ausufernden Jubelarien auf der Gegenseite produzierten wir drei abschließende Eigenfehler, um das Ende dieser doch sehr überflüssigen Veranstaltung herbeizuführen. Wir gönnen diesen Sieg beim Kirmesboxen, bestimmt eine wertvolle Erfahrung.
Kann man aus alledem eine Lehre ziehen? Spaß muss sein vielleicht? Oder darf mit einem ernsten Unterton auf das Schlüsselwort VERHÄLTNISMÄßIGKEIT verwiesen werden?!
Shoutout an die Jungs von https://www.vulkangrill.de/ in der Soester Innenstadt, die unsere Bäuche noch zu später Stunde mit leckerem Essen gefüllt und unsere Laune mit humorvoller Gastfreundlichkeit gehoben haben! Braucht irgendjemand noch einen Gastro-Kühlschrank??
Eure Volleyballa