13/05/2026
01.05.2026 BSG Wismut Aue – HC Pleißental 25:23 (9:11)
„Heute ist ein guter Tag um Geschichte zu schreiben“
war am frühen Morgen des 1.Mai auf der Facebookseite der BSG-Handballer zu lesen.
Zu spüren war diese ganz besondere Stimmung bereits bei der Abfahrt des gemeinsamen Busses für Fans und Spieler. Bereits in den Tagen zuvor zeichnete sich ab, dass mehr und mehr Fans Teil dieses besonderen Events sein wollten. Sicherlich nicht unbedingt beabsichtigt, aber dennoch beeindruckend war die Vorfahrt mit dem Bus des EHV Aue direkt vor den Eingang der Sporthalle in Meerane vor der bereits eine Vielzahl an Pleißentaler Fans auf Einlass warteten und bereits vereinzelt auch die Spieler des HCP eintrudelten. Leider mussten aus organisatorischen Gründen beide Fangruppen noch fast eine Stunde in der Hitze warten, bis sie in die Halle konnten.
Die Vorbereitung auf das Finale bestritt unser Team wie gewohnt vor allem auf mentaler Ebene. Viel Training überlässt man gewohntermaßen lieber den jüngeren Gegnern. Der BSG Altersschnitt von 36 Jahren (602 Jahre Lebenserfahrung) zum HCP Altersschnitt von 26 Jahren(407 Jahre) zeigt das nur zu deutlich. Dennoch erstmalig in der BSG-Geschichte reichte das Protokoll nicht aus um alle verfügbaren Spieler einzutragen, wenn man auch dazu sagen muss, dass mehrere Spieler mit Verletzungen angetreten sind mit denen man im Normalfall kein Handballspiel bestreiten sollte, aber für dieses besondere Finale bissen alle auf die Zähne. Auf dem Papier traf hier der Vizemeister mit der besten Offensive der Liga (32 Tore im Schnitt) und der nur siebtbesten Defensive (28 Gegentore im Schnitt) auf die mit Abstand beste Defensive der Liga (21,5 Gegentore im Schnitt) und drittbesten Offensive (29 Tore im Schnitt). Beide direkten Duelle in der Liga endeten mit jeweiligen Siegen für das Heimteam mit je einem Treffer in letzter Sekunde von Rechtsaußen. Perfekt vorbereitet durch eine taktische Rede von Coach Friedel, eine motivierende Rede von „Kapitän“ Onemichl und eine emotionale Rede von MV C. Montag konnte es losgehen.
Beim Einlaufen der Teams konnte man bereits die unfassbare Stimmung auf den Rängen erleben und auch insbesondere wie elektrisiert spüren. Dabei hatte der BSG-Fanblock sogar eine kleine Choreo vorbereitet. Aber auch der zahlenmäßig ungefähr gleich stark besetzte HCP-Block musste sich hier nicht verstecken. Besonders positiv überraschend war allerdings das Verhalten des dritten Blockes für neutrale Zuschauer. Aus diesem Block wurde fast ausschließlich die BSG angefeuert und sogar mit weiteren Trommeln unterstützt, hier geht ein besonderer Dank an den Halbfinalgegner HV Grüna, das ist sicher keine Selbstverständlichkeit.
Bereits mit Anpfiff und dem ersten Angriff des HCP war klar, was heute die Prämisse sein sollte: Defensive Arbeit bis zum Äußersten. Fast jeder einzelne Treffer musste knallhart erkämpft werden, wobei die BSG eine klassisch defensive 6:0 Formation wählte und der HCP eine aggressiv-offensive 3-2-1-Deckung. Kein Team kam zu einfachen Kontertoren, die Führung wechselte Hin und Her und insbesondere die Keeper Schüller und Leschak auf beiden Seiten zeigten überragende Vorstellungen. Leider verletzte sich mit Martin Herholz zu diesem Zeitpunkt der treffsicherste BSG-Schütze der Saison am Sprunggelenk. Den Schlusspunkt zum 9:11 aus BSG-Sicht setzte der sicherlich beste offensive Handballer auf dem Parkett, John Kretschmar vom HCP. Er machte in der ersten Hälfte den Unterschied mit 4 eigenen Treffern und genauso vielen teils unfassbaren Torvorbereitungen.
Auch zu Beginn der zweiten Hälfte das gewohnte Bild. Jeder Treffer war wertvoll und hart erkämpft. Erst nach fünf Minuten fiel überhaupt der Erste. Nur sechs Treffer in den ersten 12 Minuten sprechen hier eine klare Sprache. Doch genau jetzt sollte das Spiel an Fahrt aufnehmen. War in den ersten 42 Spielminuten nur alle 100 Sekunden ein Treffer zu bejubeln, war von da an alle 45 Sekunden ein Eintrag auf dem Scoreboard zu sehen. In der 42. Minute war plötzlich Martin Herholz entgegen jeder Prognose wieder auf dem Spielfeld aufgetaucht und erzielte den erstmaligen Ausgleich seit über 20 Spielminuten zum 13:13. Mit einer Verwarnung gegen die Auer Bank und einer Zeitstrafe für einen Spieler aus dem Mittelblock begann die stärkste Phase der BSGler. Die jeweiligen letzten Führungen des HCP in Überzahl egalisierte unser Eurofaither Jan mit Sahnetreffern von Nullwinkeln und konnte dann erst im dritten Versuch nach einem rüden Foul davon abgehalten werden noch weitere nachzulegen. Das Momentum war nun klar auf Auer Seite. Zwar konnte die erstmalige Auer Dreitore-Führung von 18:15 nach einem Timeout nochmal ausgeglichen werden(18:18), aber die umgehende Antwort zum 21:18 war der Genickbruch. Auch die jeweiligen Anschlusstreffer brachten die BSG nicht mehr aus der Ruhe und wurden jeweils umgehend mit eigenen Treffern beantwortet. Der letzte verzweifelte HCP-Versuch mit einer offenen Manndeckung scheiterte ebenso und mit dem 25:23 zwei Sekunden vor Schluss, vom an diesem Tag glänzend aufgelegten BSG-Regisseur Felix Uhlig, kannte der Jubel kein Halten mehr. Die vorbereiteten Pokalsieger Shirts wurden übergestreift, Medaillen und Pokale entgegengenommen und die Feierlichkeiten konnten beginnen.
Entscheidend an diesem Finaltag war vor allem die in dieser Form sicher noch nie dagewesene Defensive der Auer mit einem unfassbaren Mittelblock der von Rene Görner und Markus Klan gestellt wurde. Dazu wuchsen insbesondere auf den defensiven Halbpositionen Thomas Onemichl, Dominic Schwenning und Mathis Krauß über sich hinaus. Alleine „Dome“ konnte mehrere Offensivfouls ziehen und mehrere wichtige Bälle stibitzen. Dies in Kombination mit dem durchgängig stark haltenden Steffen Schüller im Tor sorgte für die Wende im zweiten Durchgang, der mit 16:12 gewonnen werden konnte. Die Auer Defensive hielt 60 Minuten während die Abwehr des HCP nach 42 Minuten deutlich nachließ und auch John Kretzschmar konnte nun gestoppt werden und fast komplett aus dem Spiel genommen. Ebenso bekam der in den ersten 40 Minuten sehr starke Philip Leschak im HCP-Tor nun fast keine Hand mehr an den Ball.
Auch wenn natürlich im Teamsport jeder Sieg ein Teamerfolg ist, sollte an diesem Tag trotzdem hervorgehoben werden welchen unfassbaren Kampfgeist unsere Nummer 14 Felix Roth über 60 Minuten gezeigt hat. Er rieb sich komplett auf und sah nach dem Spiel aus als hätte er an einem Hahnenkampf teilgenommen.
Ebenso Martin Herholz, der sich den Titel des MVP an diesem Tag verdiente, der mit quasi keinem gesunden Körperteil mehr unterhalb der Oberschenkel Verantwortung übernommen hat und seine noch größere Leistung es war vor dem Spiel seine Tochter davon zu überzeugen doch noch einen Tag länger zu warten um das Licht der Welt zu erblicken.
Felix Uhlig, der quasi auch ohne Schulter ein paar Fackeln gezündet hat und stets die Ruhe bewahrte und als toller Regisseur an quasi jedem Treffer beteiligt war. Kann man schon Mal machen als jahrelanger Linksaußen.
Christian Baumgarten mit einer unfassbar wichtigen 100%-Quote vom Punkt.
Jan Faith der in der entscheidenden Phase nochmal sein gesamtes Repertoire aus der Kategorie „aus dem Winkel kann man gar nicht treffen“ zeigte.
Steffen Schüller der zu recht beste Keeper der ganzen Region Südwestsachsen.
Aber, auch weil es eben nicht BSG-typisch ist, vor allem die Abwehrreihe aus dem unfassbaren Riesen Rene Görner, dem Jungspund Markus Klan, Thomas Onemichl, der wegen der Verletzung seines Ersatzmanns Lukas Zverina das ganze Spiel durchhalten musste und an dem kein Vorbeikommen war, den agilen Halbdeckern, die eigentlich Außenspieler sind, Mathis Krauß und an diesem Tage Alleskönner Dominic Schwenning.
Und natürlich auch allen anderen Spielern, die an diesem Tag keine oder nur wenige Einsatzzeit bekommen konnten und trotzdem einen sehr wichtigen Anteil an diesem Erfolg haben, denn ein Pokalwettbewerb besteht ja nicht nur aus dem Finale.
Natürlich GANZ WICHTIG: Danke an unsere Fans und Familien, die uns so zahlreich und lautstark unterstützt haben. Danke an unsere Sponsoren die uns solche Erlebnisse ermöglichen.
An dieser Stelle gehen auch Glückwünsche natürlich an den sehr starken Gegner HC Pleißental, welche für ein immer spannendes Finale sorgten. Insbesondere an dieser Stelle auch Glückwunsch zur verdienten Meisterschaft in der Regionsoberliga. Die Pleißentaler haben sich diesen Platz verdient, vor allem durch ihren bekanntermaßen hohen Trainingsfleiß und nicht zuletzt auch weil sie die Disziplin und sicherlich auch Gesundheit und Regenerationsfähigkeit haben in fast jedem Spiel der Liga in Topbesetzung anzutreten. Ein Team gespickt mit Handballern im besten Alter, ergänzt mit jungen Talenten sollte sich auf jeden Fall in der Verbandsliga versuchen. Viel Erfolg bei der Mission Klassenerhalt.
Wir können uns an dieser Stelle bei allen Spielern des HCP bedanken, welche uns fair gratulierten. ABER, wo viel Licht an diesem Tage ist, gibt es natürlich auch Schatten. Mit der BSG Wismut Aue (2020 Neugründung Sektion Handball) und dem HC Pleißental (Neugründung 2023) trafen die beiden aktuell jüngsten Vereine der Region aufeinander. Beide Vereine gehen aus verschiedenen Gründen sicherlich sehr unterschiedliche Wege und man muss den kompletten Neuaufbau eines Vereins, insbesondere vor allem den Weg mit Jugendarbeit sehr loben. Wo etwas Neues entsteht gibt es bekanntermaßen immer auch Neider, aber wenn ein so junger Verein eine solche Ablehnung eines großen Teils der Handballer der gesamten Region erfährt, wäre es vielleicht durchaus angebracht ein bisschen Selbstreflexion an den Tag zu legen. Zitat: „Doch Charakter zeigt sich vor allem nach Niederlagen“. Wie schon bereits bei der Niederlage im Januar wurde seitens der HCP-Offiziellen nach dem Spiel erneut Einspruch angekündigt gegen die Spielwertung und damit die Freude des Sieges getrübt. Man kann sicher auch gerade noch so über das lautstarke Buhen der Gästefans hinwegsehen bei der Ehrung des Schiedsrichtergespanns, welches im Übrigen eine sehr klare und sehr großzügige Linie ganz im Sinne der Spielweise des HCP zuließ und auch beim Absetzen aller blauen und lila Brillen eine objektiv neutrale starke Leistung zeigte. Und ja, man kann natürlich einen Verein nur sehr schwer für seine Anhänger verantwortlich machen und auch wir würden nicht für jeden die Hand ins Feuer legen. Auch bei der BSG gab es sicher die Verfehlung mit einem Kabinenfoto welches nicht für die Öffentlichkeit bestimmt war, aber was ein absolutes NO-GO ist, insbesondere im Handballsport, das fußballgleiche Verhalten einiger HCP-Sympathisanten, die ganz offen und mit Klarnamen schlimmste beleidigende Nachrichten an unsere Vereinskanäle sendeten. Hinzu kommt noch ein Drohanruf!!! bei einem der beteiligten Schiedsrichter. Sicher auch ein Spiegel der aktuellen Gesellschaft und Streitkultur die wir täglich erleben, aber insbesondere wir alle, die wir Vereinssport betreiben haben hier die klare Aufgabe solchen Entwicklungen mit aller Entschiedenheit entgegenzutreten. Eine klare rote Karte, oder im Handball noch stärker, eine klare blaue Karte für solches Verhalten!
Regionspokalsieger 2026: Enrico Helbig, Thomas Onemichl, Lukas Zverina, Winfried Boericke, Erik Reinhold, Felix Roth, Max Unbehauer, Christian Baumgarten, Mathis Krauß, Steffen Schüller, Martin Herholz, Dominic Schwenning, Markus Klan, Felix Uhlig, Jan Faith, Rene Görner, Tyll Schmidtke, Franz Friedel, Christoph Montag und David Junghans.