05/08/2025
Hoi zäme! Wir sind alle wieder zu Hause, es ist Zeit für eine Zusammenfassung dieser äusserst aussergewöhnlichen F3K Weltmeisterschaft in Tarp!
Früh am Morgen des 22.07.2025 machten wir uns auf den Weg nach Tarp. Wir, das waren Cederic Duss, Benjamin Reusser und Stefan Fluck. Wir sind ein eingespieltes Team und so reichten vor der WM ein paar wenige Whatsapp-Nachrichten, um uns für dieses neue Abenteuer zu organisieren. Wir wussten noch nicht so recht, was uns in Tarp erwarten sollte. Dass es nahe bei Flensburg viel Wind haben sollte, wussten wir, und hatten viel Ballast für unsere kleinen und leichten DLG-Modelle dabei. Ein paar windige Wettbewerbe hatten wir ebenfalls hinter uns – wie geht das echt aus? Nach rund 14 kurzweiligen Stunden Autofahrt quer durch Deutschland erreichten wir das kleine Städtchen Tarp. Hoch oben in Schleswig-Holstein ist es auf Höhe Tarp nur etwa 80 Kilometer von der Nordsee im Westen zur Ostsee im Osten. Die WM wurde auf dem Flugplatz des Modellflugvereins Tarp ausgetragen. Das Flugfeld war etwas schmaler als gewohnt, aber genug Platz für alle Nationen nebeneinander war dennoch da. Prominent wuchsen im Westen des Felds die Windräder eines Windparks empor - eine beeindruckende Kulisse. Um das Feld gab es ein paar Baumreihen, welche im Wettbewerb noch eine Rolle spielen sollten. Aufgrund der Lage des Flugfeldes war während der Wettbewerbstage ausschliesslich West bis Nordwestwind vorhergesagt, und das nicht zu wenig! 4-6 m/s jeden Tag. Für uns Schweizer enorm viel. Aber Elke, die Vermieterin unserer Ferienwohnung, meinte, «windig sei da oben erst, wenn die Schafe keine Locken mehr haben».
Nach einem Übungstag hatten wir wie üblich zwei Wettbewerbe zu fliegen. Einerseits den «Tarp Cup», der Vorwettbewerb und «Hauptprobe» für die WM, und die eigentliche WM selbst. Den Tarp Cup flogen insgesamt 112 Piloten, die WM dann 75 Piloten aus 26 Nationen. Am Übungstag stiess dann auch Ryan Höllein vom Himmlischen Höllein (hoelleinshop.com) zu uns. Selbst hochkarätiger F5J- und F3K-Pilot, unterstützte er uns tatkräftig als Edelhelfer an dieser WM.
Cederic flog an dieser WM wie schon an letzter EM den D1s mit Star-Tail. Beni startete wieder mit seinem bewährten Yoda. Stefan wechselte diese Saison ebenfalls zurück auf den Yoda. Aber auch an dieser WM gab es für uns neue Modelle zu bestaunen. So sahen wir zum ersten Mal den Vortex 5 in Aktion, der mit einem superdünnen Rumpf aufwartete. Dies verringert unnötigen Widerstand und versprach gute Wurfhöhen. Dass der Vortex 5 gut funktioniert, zeigten die Piloten mit nur sehr wenig Angewöhnungszeit mit ihren Modellen eindrücklich an den beiden Wettbewerben. Für uns neu war auch der T-air X2, ein Chinesischer DLG, geflogen von Samuel Lee. Ebenfalls eher konventionell in der Auslegung, aber sehr schnittig, dank wenig Flügelfläche leicht und eher schneller zu fliegen. Machte einen guten Eindruck.
Der Vorwettbewerb war für uns eine Lernerfahrung. Der Wind war zwar noch eher moderat, aber wir lernten die tückische Tarper Thermik und Regenzellen kennen. Die Thermik war generell weniger stark, als wir dies in südlichen Gefilden gewohnt sind. Das heisst, dass gefundene Bärte in harter Arbeit ausgekreist werden mussten, um einen sinnvollen Höhengewinn zu erreichen. Mit zunehmendem Wind trug auch eine Baumreihe downwind etwas, wo einige sich noch einiges an Flugzeit zusammenstahlen. Während Tag 1 uns noch gut lief, sah es am Tag 2 anders aus. Der Wind war stärker, die Thermik unberechenbarer, sodass wir teilweise in unseren Flügen zu viel wagten. Ein guter Reality-Check für die anstehende WM. Beni wurde am Ende 25., Stefan 31., Ryan 49. und Cedi 67.
Mit diesen Erfahrungen starteten wir in die WM. Die Vorrunde wurde während sechs bzw. sieben Tagen ausgetragen, so lange wie noch nie. Insgesamt reichte es bei 75 Piloten damit für 17 Runden – also etwa 3 bis max. 4 Runden pro Tag für jeden Piloten. Ein Tag verloren wir an Starkregen, und am letzten Tag gab es für jeden Piloten noch eine Runde zu fliegen. Bis auf ein paar Ausnahmen waren die Bedingungen äusserst herausfordernd und etwa so, wie am zweiten Tag des Tarp Cups. Kaum ein Pilot machte keine Fehler. So sah man denn auch einige Top-Piloten, die früh viele Punkte liegengelassen haben. Diese haben sich aber im Verlauf der Vorrunde dank vielleicht nicht perfekten, aber konstant sehr guten Flügen wieder hochgearbeitet. Im Zentrum stand immer die Frage, was denn die ideale Menge an Ballast für die jeweilige Gruppe war. Die Thermikbedingungen waren extrem variabel, sodass das Rezept für eine Gruppe nicht mehr für die darauffolgende galt. Wir flogen von unballastiert bis 430g Modellgewichte eigentlich alles. Entgegen unserer ursprünglichen Bedenken brauchten wir aber unsere grössten Ballastriegel von über 200g (zum Glück) nicht. Bei keiner WM zuvor war es so schwierig, die Übersicht zu behalten, wem es in der jeweiligen Gruppe gerade gut beim Flug lief. Steeve Collin ist als einziger an der ganzen WM in der Vorrunde 10 Minuten durchgeflogen – und das soll was heissen!
Cederic meisterte die Vorrunde hervorragend, indem er nach einem Fehler in Runde 2, der ihn auf Platz 24 zurückwarf, konstant hoch punktete und sich auf den Vorrundenrang 3 vorarbeitete. Dies war allerdings äusserst harte Arbeit und zeigt wieder einmal, wie nervenstark und hochklassig Cederic fliegt. Beni startete stark in die WM. Nach einem technischen Zwischenfall an Tag 2, wo sich an seinem Yoda das Höhenruderseil in der Flaps-Anlenkung verklemmte, war er stets im Aufholkampf. Es gelang ihm auch immer wieder, sich dank herausragender Flüge um ein paar Plätze zu verbessern, in welchen er schwächste, verloren geglaubte Thermikblasen als einziger auskreiste. Aber die Aufholjagd wurde leider durch ein paar Fehler zu viel immer wieder ausgebremst, sodass er die Vorrunde auf Platz 35 beendete. Stefan startete ebenfalls gut in die WM, und macht zwar Fehler, aber zum Glück waren die meist nur klein. So konnte er sich beinahe konstant in den Top 20 halten. Ab Runde 13 fliegt Stefan allerdings enorm stark und macht grosse Sprünge nach oben, sodass er am Ende das Flyoff (Finale der besten 12) um rund 67 Punkte (um 0.43% des Totalscores) verpasste. Best of the Rest!
Das Flyoff war wie schon die letzten Jahre ein Krimi. Während die ersten beiden von fünf Flyoffrunden noch keine wirkliche Separation ins Feld brachte, wurde das mit Poker in Runde 3 des Flyoffs anders. Von einer leichten Thermik verführt, die jemand in der Testing Time erspähte, sagten drei Piloten, darunter auch Cedi, All-in an. Leider haben sich die drei damit verpokert – der Bart war zur Rahmenzeit leider weg. Damit war das Flyoff für Cedi leider gelaufen. Die beiden Kroaten Marko Damjanovic und Arijan Hucaljuk brachten sich im Poker in Poleposition für den Titel, welchen sie dann in einem aufregenden «Huge Ladder» Task unter sich ausmachten. Am Ende gewann Marko vor Arijan und Henri. Was für eine aufregende WM!
Diese WM war sehr speziell. Die Bedingungen in Tarp dürften wohl nicht vielen Piloten angenehm gewesen sein. Bei kaum einem Wettbewerb dürften so kurze Flugzeiten geflogen worden sein, wie in Tarp. Zu verschieden sind die Bedingungen zu zuhause. Turnarounds rückten total in den Hintergrund, weil die Zeiten nicht gefüllt wurden. Aber wie so oft gewinnt am Ende derjenige, der das Beste aus der Situation macht. Trotzdem gingen wir mit einem tollen Gefühl nach Hause. Wir haben in Tarp sehr viel gelernt. Cederic hat im Flyoff viel gewagt, und das hat sich leider nicht ausgezahlt. Aber er kann ausserordentlich stolz sein auf seine Leistung an dieser WM. Beni hat sich an dieser WM ebenfalls mehr erhofft. Das Ziel, Stefan wie an der letztjährigen EM zu schlagen, hat er dieses Jahr leider nicht erreicht. Trotzdem kehrt er mit viel «good vibes» nach Hause. Stefan hingegen freut sich extrem, dass er in seiner zehnten F3K-Saison ein so gutes WM-Resultat erreichen konnte. Auch er darf stolz auf seine Leistung sein, und das nächste Ziel sollte das Flyoff sein! In der Nationenwertung lagen wir am Ende auf Platz 6.
Neben dem sportlichen Aspekt war die WM auch wieder einmal mehr ein zwischenmenschliches Highlight. Es ist absolut Klasse, mit Teilnehmern aus so vielen Nationen zusammen unserem geliebten Hobby F3K nachzugehen. Piloten aus Südafrika, Korea, China, den USA, Frankreich, England und viele andere nahmen eine lange Reise auf sich, um Teil dieses Ereignisses zu sein. Der Vibe auf dem Fluggelände war aussergewöhnlich gut. Modellflugsport verbindet, und beim F3K trifft dies besonders zu. Wir hoffen, auch in der Schweiz viele Leute für diese wunderbare Wettbewerbsklasse und generell den Modellflugsport begeistern zu können, um diesen Spirit auch hierzulande weitergeben zu können.
Wir danken allen, die unsere Berichte bis dahin mitverfolgt haben, ganz herzlich fürs mitlesen! Wir bedanken uns ebenfalls herzlich beim SMV für die Unterstützung und den Organisatoren der Weltmeisterschaft für einen herausragenden Event. Wenn diese Berichte das Interesse an F3K geweckt haben, so steht nichts einer Teilnahme am Einsteigerwettbewerb in Eschlikon TG im Weg! Mehr Infos gibt’s unter modellflug.ch.
Die guten Bilder unten sind von Izabela Krawczyk ;)