04/11/2016
Unser Präsident - topfit! Herzliche Gratulation, Ewald, zu den Erfolgen in der Saison 2016!
Und zum Bericht im Bündner Tagblatt vom 02.11.2016:
Der dauerradelnde verkappte Botschafter des Heididorfs
«Hobbygümmeler» Ewald Clavadetscher hat mit 68 Jahren in diesem Jahr so viele Rennkilometer wie noch nie absolviert. In Deutschland und Österreich wird er auch als Botschafter seiner Heimat wahrgenommen.
▸ JOHANNES KAUFMANN
Hören wir heute am Ende des Tages wieder das Heidilied? Mit diesen Worten sei er in der abgelaufenen Saison vor einem Rennen in der Steiermark von einem Konkurrenten empfangen
worden, sagt Ewald Clavadetscher. Der Hintergrund: Bei der Siegerehrung wurde der 68-Jährige bei einem Triumph in der Alterskategorie über 60 Jahre in Österreich mit den Klängen
des Heidiliedes gefeiert.
Der Hobby-Rennfahrer aus Maienfeld ist somit mittlerweile auch als inoffizieller Botschafter einer Ferienregion unterwegs. Eine Entschädigung erhält er dafür freilich nicht. «Bei den internationalen Rennen stellt sich sogleich die Frage, woher du kommst. Ich habe festgestellt, dass in Deutschland und
Österreich das Heididorf ebenso bekannt ist wie Zürich oder Davos», sinniert Clavadetscher mit einem Lachen
im Gesicht.
Nun, allzu oft wurde das Heidilied in der abgelaufenen Rennsaison nicht gespielt. Er werde halt auch nicht jünger, sagt Clavadetscher und verweist auf nachrückende, sieben, acht Jahre jüngere Konkurrenten. Trotzdem feierte der Maienfelder erneut Erfolge in
seiner Alterskategorie. Im GermanCycling-Cup, der Wettkampfserie für nimmermüde «Hobbygümmeler» mit
insgesamt zehn, jeweils von bis zu 5000 Fahrern frequentierten Eintagesrennen, fuhr er einen Sieg in Göttingen und drei weitere Podestplätze ein. In der Endabrechnung ergab dies Rang 3.
Speziell erwähnt er eine Episode aus Göttingen, als er massgeblich dafür sorgte, dass ein abgehängtes Feld unter seinem Kommando in einer vermeintlich hoffnungslosen
Rennsituation erneut zur davor pedalierenden Gruppe aufschliessen konnte. «Darauf stellte mir am Ziel ein Konkurrent
die Frage, ob ich früher Profi war», sagt Clavadetscher.
In Landquart besonders stark
Nein, Profi war Clavadetscher nie. Als er mit 31 Jahren mit dem Strassenradsport begann («Ich hatte gerade mit dem Rauchen aufgehört.»), war er für höhere Weihen bereits entschieden zu
alt. Es reichte immerhin zu regionalen Meriten. Clavadetschers bevorzugtes Terrain waren die Dienstagabendrennen im Rahmen des Bündner Cups in Landquart. Die Kriterien entsprachen
den Fähigkeiten des Spätzünders, der noch mit mehr als 45 Jahren den Jüngeren den Meister zeigte.
Später stellte er das Rennrad in die Ecke – und startete nach seiner Pensionierung am 12.12.2012 nochmals durch. «Ich bin heute physisch logischerweise kein besserer Rennfahrer
als vor 20 Jahren», sinniert Clavadetscher, «ich habe aber taktisch
enorm dazugelernt.» Früher sei er zu oft zu ungestüm vorgegangen. Heute pflegt er mit Köpfchen zu fahren. Auf
diese Saison hin entschloss er sich, den Radrennsport nochmals bedeutend akribischer anzugehen. Er änderte seine Trainingsmethode und verschloss sich auch beim Material den
neuesten Trends nicht. Mit 1430 Rennkilometern war er in der abgelaufenen Rennsaison so lange wie noch nie im Sattel. Erstmals beteiligte er sich im Rahmen der «Welt-Radsportwoche»
in Österreich an einem achttägigen Etappenrennen. Am Ende re-
üssierte er nach mehreren Leaderwechseln mit einem hauchdünnen Vorsprung von sechs Sekunden in seiner
Alterskategorie. «Nun weiss ich, dass ich die notwendige Erholungsfähigkeit für derlei Wettkämpfe besitze», sagt Clavadetscher erfreut. Als härtesten Wettkampf des Jahres erwähnt er indes das Rennen auf der legendären
Nürburgring-Nordschlaufe. Extrem anstrengend seien die 150 Kilometer und 3000 Höhenmeter gewesen.
Beim German-Cycling-Wettkampf in Köln kam er derweil einem ehemaligen Profi sehr nahe. Der frühere Radquerweltmeister
Klaus-Peter Thaler klassierte sich unmittelbar vor dem
Maienfelder.
Die Ehefrau fährt mit
Wie lange fährt Clavadetscher weiter? «Es ist wie eine Sucht», gesteht er fast entschuldigend. Er erwähnt die elementare,
uneingeschränkte Unterstützung seiner Ehefrau,die jeweils an
die Rennen mitfährt. Als Kompensation für die Renntätigkeit werden ausgedehnte Shoppingtouren ins Programm gerückt. Besonders freute sich Clavadetscher zudem an einem
erfolgreichen gemeinsamen Renneinsatz mit Sohn Roger in Deutschland.
Am Ende des Gesprächs erwähnt
der rüstige Radrentner sein vielleicht letztes grosses Ziel im Rennsattel. Er plant einen Start an den zumeist in St.Johann ausgetragenen MastersWeltmeisterschaften. «In zwei Jahren
wäre ich mit 70 Jahren Jüngster meiner Alterskategorie», stellt er klar. Ob an einer WM dann allerdings bei der Siegerehrung das Heidilied erklingt, ist eher unwahrscheinlich.