10/09/2018
Fünf in einer Reihe - Lailas Bericht zum Ötztaler
Ein Stück Geschichte: Ötztaler Radmarathon 2018, der fünfte Sieg in Folge
Bereits ein paar Tage vor dem Ötztaler Radmarathon merke ich, dass die Nervosität langsam steigt und es für mich kein anderes Thema mehr gibt als das Rennen und wie das Wetter sein wird. Bitte doch einfach trocken. Mir egal, ob es nur knapp null Grad hat, Hauptsache trocken. Ich habe einen grossen Respekt vor nassen Strassen und kann mit jedem, dem es so geht wie mir, nachfühlen – Kein schönes Gefühl.
Dass meine Form stimmt, weiss ich und ich weiss auch, dass, wenn alles wunschgemäss läuft, ich gute Chancen auf einen erneuten Sieg habe. Bloss ist das alles graue Theorie. Schon seit Wochen versuche ich mir immer wieder vorzustellen, wie das Rennen sein wird, dass ich mich gut fühle und mir alles gut gelingen wird. Das ist meine eigene mentale Vorbereitung; ich will selbstbewusst ins Rennen starten.
Am Freitag vor dem Rennen war dann endlich Anreisetag. Meine Familie, Freunde und ich freuen uns jedes Jahr auf das verlängerte Wochenende in Sölden. Mit dem vielseitigen Programm verging die Zeit schnell und schon stand der Renntag vor der Tür.
Da der Wetterbericht zum Schluss eigentlich kühles, aber trockenes Wetter vorhergesagt hatte, entschloss ich mich, mit dem Gabba perfetto zu starten. Damit sollte ich für alles gerüstet sein und bestimmt nicht frieren, falls doch ein paar Tropfen fallen würden. Soweit die Theorie, doch alles kam bekanntlich anders. Ich habe gefroren und war durch und durch nass. Der einzige Trost war, dass das Trikot zumindest winddicht war...
Bereits im Aufstieg Richtung Kühtai wechselte das Wetter und es begann zu nieseln. Oben angekommen wurde es endgültig nass, und zwar so richtig. In der Abfahrt überholte mich dann Nadja in einem Tempo, dass mir die Spucke wegblieb. Gut, ich kenne wirklich keine bessere Abfahrerin als Nadja, also beschloss ich, ihr zu vertrauen und mich an ihr Hinterrad zu klemmen. Für eine Weile ging das auch, aber dann wurde die Sicht immer schlechter und ich wusste, dass, wenn ich nicht zu viel Zeit verlöre, unten ohnehin alles wieder zusammenlaufen würde. Also nahm ich ein wenig Tempo raus, so dass ich mich sicher fühlte. Kaum unten angekommen, lief alles zusammen und wir waren schlussendlich eine riesige Gruppe und alle Favoritinnen wieder vereint.
Der Brenner kam mir ewig vor. Da hier meistens langsam gefahren wird, fing es mich wieder an zu frösteln. Nach einer gefühlten Ewigkeit kamen Nadja und ich als erste Damen am Brenner an. Ich hatte wieder das Glück und konnte mit Nadja und zwei weiteren Herren in die Brennerabfahrt gehen. Dieses Mal konnte ich an Nadja dranbleiben und so von ihren guten Abfahrtkenntnissen profitieren. Gleich auf den ersten Höhenmetern zum Jaufen konnte ich endlich aufs «die Toilette»… Das kommt eigentlich nie vor, ausser es ist so schweinekalt. Jetzt galt es die verlorene Zeit wieder gutzumachen. Es ging eine ganze Weile, bis ich Nadja wieder eingeholt hatte. Zusammen mit Nadja ging es erneut in die Abfahrt. Für kurze Zeit war ich vorne, bis es Nadja wohl zu langweilig wurde. Ich habe meinen Mut zusammengenommen und erneut in Nadjas Abfahrkünste vertraut. Ich war richtig stolz, auch diese Abfahrt gut gefahren zu sein. Was normalerweise zu meiner Stärke zählt, gehört bei Nässe zu meinen Schwächen. Allerdings wirkte dieser Ötztaler fast wie eine Therapie – herzlichen Dank an Nadja.
Nun galt es «nur» noch das Timmelsjoch zu bewältigen. Nachdem ich erneut total durchfroren in St. Leonhard angekommen war, tat es richtig gut, wieder etwas Gas zu geben. Ich bemerkte schnell, dass Nadja Mühe hatte, das angeschlagene Tempo zu halten. Nach einer Weile konnte ich so meinen Abstand zu ihr vergrössern und mir so ein gewisses Polster sichern. Auf der Höhe Schönau merkte ich, wie ich zunehmend müde wurde, was ich so bis anhin nicht kannte. Der Blick richtete sich immer häufiger auf meinen Computer, aber die Zeit schien nicht zu verstreichen… Am liebsten wäre ich abgestiegen und zu Fuss weitergegangen, ich hatte überhaupt keine Lust mehr, weiterzufahren. Die Sicht war oben sehr schlecht und plötzlich stand ich fast ein bisschen überrascht plötzlich vor dem Tunnel. Geschafft!!! Ich war total kaputt und musste kurz vor der Abfahrt anhalten, um die Weste zu schliessen. Dadurch musste ich leider auch meine Gruppe ziehen lassen, das war es mir aber wert.
War das eine Wohltat, einfach mal die Beine hängen zu lassen! Bis zum Gegenanstieg hatte ich dann wieder neue Kraft schöpfen können und war motiviert, dem Ziel so nahe zu sein. Da taten mir die paar Höhenmeter nicht mehr weh und nun ging es endgültig Richtung Ziel. So kam ich ganz ungewohnt dieses Jahr alleine in das Ziel.
Unglaublich dieses Gefühl, tatsächlich habe ich es erneut geschafft und habe somit etwas Einzigartiges erreicht; fünf Siege in Folge! Es war ein unglaublich hartes Rennen. Ich habe mich sehr gut gefühlt, hatte keine Probleme und doch war es sooo hart. Dieses Wetter war wirklich brutal.