19/06/2026
Sie sitzt mir gegenüber, die Entscheidung bereits gefallen, die neue Stelle unterschrieben. Und trotzdem fühlte sie neben Freude auch einen grossen Frust.
Sie erzählt mir, dass ihr jetziges Umfeld nicht versteht, warum sie überhaupt noch traurig ist. Für die anderen ist klar: Es geht weiter. Kapitel geschlossen.
Aber für sie? Da ist noch etwas. An den Tagen, an denen es trotz allem auch mal gut lief. Und die vielen Menschen, die sie schätzt. Und an dem, was hätte sein können, wenn das System ein anderes gewesen wäre.
Und gleichzeitig ist da diese Stimme: Hätte ich mehr tun müssen? Hätte ich es nicht doch noch länger aushalten sollen?
Ich frage sie: «Glaubst du, das System hätte sich in den nächsten Jahren verändert?»
Sie überlegt keine Sekunde: «Nein», sagt sie mit klarer Stimme. «Das weiss ich eigentlich.»
Genau da liegt der Unterschied zwischen Versagen und erkennen, wann es Zeit ist zu gehen.
Es gibt Situationen, in denen du nicht gescheitert bist, sondern in denen die Erde einfach falsch war. Keine Weiterbildungen, keine Perspektive, und nur der lauteste Mensch im Raum hat Recht, nicht der mit den besten Ideen.
Positives Feedback von den Vorgesetzten und gleichzeitig jede Woche: «Du musst als Person stärker werden.»
Das ist kein Boden, auf dem du wachsen kannst. Egal wie viel du gibst.
Eine Blume wächst nicht, weil sie zu wenig Willen hat, sondern weil die Erde falsch ist. Irgendwann geht sie ein und das Einzige, was bleibt: umtopfen.
Und du darfst gehen, auch wenn du nicht alles aufgeräumt hinterlässt, auch wenn du nicht weisst, ob du «genug» getan hast, und trotz den Tagen, an denen Wehmut aufsteigt und du das Bekannte bereits vermisst.
Beides darf wahr sein.
Das Gehen war nicht Aufgeben. Es war der Moment, in dem du dich und deine Bedürfnisse ernstgenommen hast.
Kennst du dieses Gefühl, zu wissen, dass es richtig war, und dich trotzdem zu fragen, ob du mehr hättest tun sollen? Schreib es mir in die Kommentare. 👇